Mitarbeiter eines medizinischen Unternehmens stehen in einer Fertigung für Schutzanzüge. | dpa

Coronavirus Mehr Infektionen als bei SARS

Stand: 30.01.2020 16:55 Uhr

Mehr als 8100 Menschen haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Damit wurde die Zahl der SARS-Infektionen 2002/2003 übertroffen. Forscher suchen weiter nach einem Impfstoff. Doch dies könnte Monate dauern.

Die Gesamtzahl der Coronavirus-Infizierten ist weltweit auf mehr als 8100 gestiegen. Das seien mehr Infizierte als beim Ausbruch der Atemwegserkrankung SARS in den Jahren 2002/2003, berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters. Die chinesische Provinz Hubei hatte zuvor 317 neue Fälle gemeldet. Bisher sind 170 Menschen an den Folgen gestorben.

Verbreitung neues Coronavirus |

Bestätigte Fälle gibt es bislang (Stand 30.1.) in China, Frankreich, Deutschland, Finnland, Nepal, Vietnam, Thailand, Taiwan, Singapur, Malaysia, Kambodscha, Südkorea, Japan, Philippinen, Sri Lanka, Indien, Vereinigte Arabische Emirate, Australien, USA und Kanada.

Der Druck auf Forscher, einen Impfstoff zu entwickeln, wird so immer größer. Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang forderte die chinesischen Wissenschaftler auf, den Ursprung des Virus zu finden, damit ein Impfstoff gegen die Krankheit entwickelt werden kann. Mehrere Forschungsinstitute sind nach Angaben von chinesischen Staatsmedien parallel von der Regierung mit der Entwicklung eines Impfstoffes beauftragt worden.

Doch das könnte länger dauern als erhofft. Bis sich ein Impfstoff als wirksam erwiesen haben könnte, vergingen mindestens drei Monate, sagte der renommierte chinesische Epidemiologe Li Lanjun der Nachrichtenagentur Xinhua. Bisher seien fünf Erregerstämme isoliert worden. "Zwei eignen sich sehr gut für die Entwicklung eines Impfstoffes."

Optimistischer zeigt sich das Krankenhaus der Shanghaier Tongji Universität. Dort wird laut Xinhua gemeinsam mit dem Unternehmen Stermirna Therapeutics an einem neuen Impfstoff gearbeitet. Die Herstellung der Proben würde laut Unternehmensangaben dort nicht länger als 40 Tage dauern.

Vietnam: Keine Touristen-Visa für Chinesen

Bis dahin versuchen Experten das Ausbreiten des Virus einzuschränken. Russland riegelte seine Grenze zu China teilweise ab. Sie verläuft vor allem im Osten Russlands. Vietnam stoppte laut Nachrichtenagentur Reuters die Ausstellung von Visa für Touristen aus China. Zahlreiche Fluggesellschaften haben bereits ihre China-Verbindungen gestrichen.

In Italien sitzen wegen des Verdachts auf das Coronavirus Tausende Passagiere an Bord eines Kreuzfahrtschiffs im Hafen von Civitavecchia fest. Eine Touristin aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao zeigte Symptome wie Fieber und Atemprobleme. Am Abend gab das italienische Gesundheitsministerium aber Entwarnung: Die Passagiere auf dem Schiff seien virusfrei.

Volkswagen und seine chinesischen Joint-Venture-Partner verlängern die Werksferien ihrer gemeinsamen Produktionsstätten in China. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Saic werde die Produktion erst am 10. Februar wieder aufnehmen, dasjenige mit FAW nicht vor dem 9. Februar, wie Volkswagen mitteilte. Auch BMW verlängert für die Produktionsmitarbeiter seiner Fabriken in der chinesischen Stadt Shenyang die Werksferien um eine Woche bis zum 9. Februar.

Vergleich von Coronavirus und Grippe |

Vergleich von Coronavirus und Grippe

Ansturm auf Atemschutzmasken

Von Südkorea bis Tschechien hat die Virus-Krise einen wahren Ansturm auf Atemschutzmasken ausgelöst. Aus Furcht vor Infektionen fragen immer mehr Menschen in Apotheken danach. Doch viele der zumeist in Asien beheimateten Herstellerfirmen können mit der Nachfrage kaum Schritt halten. Der in Tschechien beheimatete Produzent Pardam kann sich vor Anfragen aus Asien und Europa kaum noch retten: "Wir sind komplett ausverkauft."

Auch die Krankenhäuser in der schwer betroffenen Provinz Hubei leiden an einem Materialmangel. Wie der Sprecher der Gesundheitskommission, Mi Feng, sagte, seien die Produktionskapazitäten hochgefahren worden. "Die Situation verbessert sich." Die Behörden in Wuhan bauen zwei Krankenlager in Schnellbauweise, um Patienten zentral unterzubringen. Eins soll nächste Woche fertig werden, das andere wenig später.