Eine Hausärztin verabreicht einem Patienten die erste Impfung gegen Covid-19.  | dpa

Start verzögert sich Impfungen in Praxen erst Mitte April

Stand: 10.03.2021 20:07 Uhr

Das Tempo der Corona-Impfungen soll durch die Einbeziehung von Arztpraxen bald stark anziehen. Doch ganz so schnell wie gedacht geht es wohl nicht. Ob alle Länder von Anfang an dabei sind, ist auch noch unklar.

Der Start der Corona-Massenimpfungen in Deutschlands Arztpraxen kann sich bis Mitte April verzögern. Das Ziel sei es, spätestens in der Woche vom 19. April damit zu beginnen, beschlossen die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Der Beschluss ist für die Länder allerdings nicht bindend. So kann es sein, dass einzelne Länder im April noch nicht routinemäßig in den Arztpraxen impfen.

Der Impfstart in den Hausarztpraxen war zunächst für Anfang April vorgesehen gewesen. Nach dreistündigen Beratungen einigten sich die Minister dann auf die 16. Kalenderwoche oder früher - "sollten es die noch zu konkretisierenden Liefermengen der Hersteller für April zulassen". Die Anlieferungsstandorte der Länder sollen demnach im April wöchentlich mit kontinuierlich 2,25 Millionen Dosen beliefert werden.

Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sollen im April vor allem "immobile Patientinnen und Patienten in der eigenen Häuslichkeit" sowie Personen mit Vorerkrankungen impfen. Die Länder sollen dem Bund mitteilen, wie die Aufteilung ihres Anteils auf die Hersteller vorgenommen werden soll. Die Impfzentren sollen bis mindestens Ende September weiter vom Bund finanziert werden.

Mehr Tempo in der Impfkampagne

Zudem soll eine neue Impfverordnung mehr Tempo in die Impfkampagne bringen. So kann der bisher Jüngeren vorbehaltene Impfstoff des Herstellers AstraZeneca künftig allen Altersgruppen gespritzt werden.

Neue Impfreihenfolge in Grenz-Hotspots

An den Grenzen zu Corona-Hotspots im Ausland können nach dem Beschluss von Bund und Ländern abweichend von der Impfreihenfolge alle Menschen geimpft werden. Laut Regierungssprecher Seibert soll eine Änderung der Impfverordnung sogenannte Riegel- oder Ringimpfungen in besonders betroffenen Grenzregionen mit hohem Infektionsgeschehen ermöglichen.

In Grenzregionen, die wegen der Ausbreitung der britischen Virus-Variante mit Sieben-Tage-Inzidenzen von über 100 kämpfen, sollen die Behörden freier entscheiden können, ob bestimmte Gruppen früher geimpft werden.

STIKO-Chef warnt vor Aufhebung der Impfpriorisierung

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, warnte vor weitreichenden Folgen im Fall einer zu schnellen Aufhebung der Priorisierung bei Corona-Impfungen. Zu befürchten seien schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle, sagte Mertens gegenüber dem Sender RTL. "Das Problem ist, dass es passieren kann, dass Menschen zurückbleiben, die wirklich ein sehr hohes Risiko für schwere Erkrankungen haben", so Mertens. Das sei das, "was wir eigentlich vermeiden wollen".

Sachsen hatte angekündigt, wegen hoher Corona-Infektionszahlen im Vogtlandkreis dort die Prioritätenliste bei Impfungen aufheben zu wollen. Mertens sagte, wenn der immer noch knappe Impfstoff sehr breit ausgegeben werde, könne das dazu führen, dass Menschen, die schon längere Zeit auf ihre Impfung warten, weiter nach hinten geschoben würden.

"Die Schwachen sind die Verlierer"

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht eine zunehmende Aufweichung der Impfprioritäten kritisch. "Die ethisch festgesetzte Impfreihenfolge ist nur noch eine Farce. Länder, Städte und Gemeinden machen, was sie wollen", kritisierte Vorstand Eugen Brysch. Bundesregierung und Bundestag hätten versprochen, alte und kranke Menschen zuerst zu schützen. Schließlich seien sie am stärksten bedroht, so Brysch weiter. Doch immer noch seien über drei Millionen Menschen der ersten Prioritätsgruppe nicht geimpft. "Es herrscht das Recht der Starken, Schnellen und Lobbyisten", sagte Brysch. "Die Schwachen sind die Verlierer und werden der Willkür ausgesetzt."

EMA entscheidet über Johnson & Johnson-Vakzin

Entscheidend für eine Beschleunigung der gesamten Impfkampagne dürfte die Verfügbarkeit zusätzlicher Impfstoffdosen sein. Bisher sind in der EU die Vakzine der drei Hersteller BioNTech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca zugelassen. Am 11. März will die EU-Arzneimittelagentur EMA voraussichtlich die Zulassung des Impfstoffes des US-Herstellers Johnson & Johnson empfehlen. Die EMA prüft außerdem die Zulassung des russischen Impfstoffs Sputnik V.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. März 2021 um 16:00 Uhr.