Impfstart in Radeberg

Erste Impfungen in Sachsen Ein "Hoffnungsschimmer" in der Pandemie

Stand: 27.12.2020 16:25 Uhr

In einem Pflegeheim im sächsischen Radeberg wurden im Dezember mehrere Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet. Nun gab es dort die ersten Impfungen - die Bereitschaft war groß, berichtet die Heimleiterin.

Von Jens Czerwinka, MDR

In ganz Deutschland ist kein anderes Bundesland so hart von der Corona-Pandemie betroffen wie Sachsen. Mehr als 15.000 Menschen steckten sich hier in den vergangenen sieben Tagen mit dem Virus an.

Besonders kritisch ist die Lage im Landkreis Bautzen: Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz liegt nach Angaben des Robert Koch-Institutes bei 488,4. Sie zeigt, wie viele Einwohner sich binnen einer Woche mit dem Erreger infizieren. Bundesweit weisen nur der Stadtkreis Coburg in Bayern und der Landkreis Altenburger Land in Thüringen höhere Werte auf.

Hohe Impfbereitschaft bei Heimbewohnern

Doch nun kann im Landkreis Bautzen endlich mit dem Impfen gegen das Virus begonnen werden: Der Start fiel im Städtischen Alten- und Pflegeheim in Radeberg. Zuerst hätten ihre Mitarbeiter um 10 Uhr eine Spritze bekommen, sagte Heimleiterin Carolin Proske. Wie viele der mehr als 120 Angestellten sich einer Impfung unterziehen wollten, verriet sie nicht.

Bei den Heimbewohnern sei ihrer Meinung nach die Bereitschaft groß, sagte Proske. Von den rund 180 Bewohnern läge die Impfquote bei fast 90 Prozent. Doch diejenigen, die schon einmal positiv getestet wurden oder erkrankt waren, dürfen nicht an der Impfung teilnehmen.

Drei Ärzte aus Radeberg führen die Impfungen durch. Sie seien den Heimbewohnern bekannt, da sie bereits seit langer Zeit das Haus betreuen. Unterstützt werden die Ärzte von Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes.

Erst Schnelltest, dann Impfung

Nachdem die Mitarbeiter geimpft wurden, seien die Ärzte und eine Apothekerin weiter zu den Bewohnern gegangen - von Zimmer zu Zimmer, um es den Bewohnern so einfach wie möglich zu machen, so Proske. Nach einem Corona-Schnelltest hätten die Mediziner Gespräche mit den Bewohnern geführt und untersucht, ob alle impftauglich sind.

Unterstützung von der Bundeswehr

Der Heimleiterin zufolge gab es seit Anfang Dezember 32 Corona-Fälle im Haus. Davon seien 22 bereits genesen. Die Fallzahlen seien aber nicht mehr so hoch wie noch im Frühjahr, so Proske.

Damals musste zum ersten Mal die Bundeswehr in Sachsen zu Hilfe gerufen werden. Der Oberbürgermeister von Radeberg, Gerhard Lemm, hatte im April über das Landeskommando Sachsen um Amtshilfe ersucht. 40 Bewohner und elf Mitarbeiter waren zu dieser Zeit mit dem Virus infiziert. Acht von ihnen starben.

Bürgermeister hilft bei Impfungen mit

Lemm hilft auch selbst bei den Impfungen mit. Er hatte bereits im Vorfeld die Radberger aufgerufen, sich als Helfer zur Verfügung zu stellen. Deshalb halte er es für selbstverständlich, ebenfalls Hand an zulegen. Er werde heute Springer sein. So gebe er die Chipkarten an die Impfwilligen zurück, nachdem diese eingelesen wurden.

Das Betreten des Pflegeheimes ist aktuell nur mit einem negativen Corona-Test erlaubt. Deshalb musste sich auch Bürgermeister Lemm am Vormittag testen lassen. Ergebnis: negativ.

Ein "Hoffnungsschimmer" in der Pandemie

Die erste Impfung in Sachsen erhielt die 85 Jahre alte Heimbewohnerin Hanna Hertzsch in Lichtentanne bei Zwickau.

Bei der Impfung war auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping anwesend. Sie sprach von einem "Hoffnungsschimmer" und appellierte an die Bevölkerung, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Dies sei der "Ausweg aus dieser Pandemie".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2020 um 16:47 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 27.12.2020 • 22:39 Uhr

21:57 von saschamaus75

keine Angst wer nen "gelben Schein" will, findet einen Arzt der so einen ausstellt ähnlich verhält es sich auch bei der Maske