Ein Schild fordert am Viktualienmarkt in der Münchner Innenstadt zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auf. | dpa

Corona-Herbst in Deutschland Strengere Regeln für alle?

Stand: 27.09.2020 18:54 Uhr

Vor dem Bund-Länder-Treffen werden die Rufe nach einheitlich strengeren Corona-Auflagen lauter. Doch es gibt auch Widerstand, etwa aus Sachsen-Anhalt. Im Bericht aus Berlin verweist Regierungschef Haseloff auf die unterschiedlichen Fallzahlen.

Angesichts steigender Corona-Fallzahlen in Deutschland werden die Rufe nach neuen bundesweiten Schutzmaßnahmen lauter. Kurz vor einem weiteren Treffen von Bund und Ländern am kommenden Dienstag haben Kommunen und Landkreise eine deutschlandweite Maskenpflicht und eine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei Privatfeiern ins Spiel gebracht. Mehrere Ministerpräsidenten von weniger stark betroffenen Ländern lehnen ein einheitliches Vorgehen in diesen Bereichen jedoch ab.

Haseloff für einheitliche Teststrategie

Dazu gehört auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff. "Dass unterschiedlich gehandelt werden muss, hängt mit der großen Spreizung der Infektionen zusammen", sagte er im Bericht aus Berlin. Das Bund-Länder-Treffen am Dienstag sei aber dennoch sehr sinnvoll. Dabei müsse das Vorgehen für die nächsten Wochen besprochen werden. "Es sind Herbstferien, es sind Reisen zu erwarten, Urlaubsrückkehrer. Wir brauche eine einheitliche Teststrategie." Zur Debatte um eine verschärfte Maskenpflicht äußerte sich der CDU-Politiker nicht.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte der "Bild am Sonntag", er setze auf Freiwilligkeit statt Zwang. "Ich setze auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen, die sich jetzt im Herbst verstärkt disziplinierter verhalten werden und müssen."

Nur mit Maske auf den Weihnachtsmarkt?

Eine Ausweitung der Maskenpflicht forderte zuletzt der Städte- und Gemeindebund. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes solle überall dort vorgeschrieben werden, "wo im öffentlichen Raum der Abstand nicht eingehalten werden kann - etwa bei Weihnachtsmärkten oder belebten Plätzen - und wo das Infektionsgeschehen die kritische Grenze von mehr als 50 Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner erreicht hat oder überschreitet", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Am Samstag hatte der Deutsche Landkreistag zudem eine bundesweite Obergrenze von weniger als 50 Menschen bei Privatfeiern gefordert. "Ab 50 Teilnehmern wird es logistisch extrem schwierig, die Kontakte nachzuverfolgen, wenn ein Covid-Positiver unter der Gesellschaft war", sagte Landkreistagspräsident Reinhard Sager der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bund und Länder müssten eine einheitliche Begrenzung der Teilnehmerzahl beschließen. "Wir sehen in Hamm, wozu eine rauschende Hochzeit mit 150 Gästen führen kann", sagte der CDU-Politiker mit Blick auf eine Großhochzeit in der nordrhein-westfälischen Stadt.

Ansteckungen vor allem im privaten Umfeld

Dass viele der aktuellen Corona-Infektionen in Deutschland auf private Zusammenkünfte zurückzuführen sind, bestätigte unterdessen der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. "Die Menschen stecken sich derzeit hauptsächlich im privaten Umfeld an, also auf Partys, Hochzeitsfeiern, Beerdigungen, auch im Gottesdienst", sagte er der "Welt am Sonntag". Dagegen sei das Risiko einer Ansteckung in Betrieben bisher nicht so hoch. Es habe zwar sehr spektakuläre Ausbrüche gegeben, so Wieler, aber nicht viele. "Die meisten Betriebe scheinen die Pandemie gut zu managen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel will mit den Bundesländern über Maßnahmen gegen die weiter steigenden Corona-Infektionszahlen beraten. Hintergrund sei der besorgniserregende Umstand, dass mehrere große Städte den wichtigen Grenzwert von 50 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche überschritten hätten. Außerdem wurde am Samstag mit 2507 neuen Corona-Fällen binnen eines Tages der höchste Wert in Deutschland seit April erreicht. Am Sonntag meldete das Robert Koch-Institut weitere 1411 Fälle.

Zwar ist der Anstieg der Neuinfektionen teilweise damit zu erklären, dass in den vergangenen Monaten mehr Tests durchgeführt wurden als zuvor. Ein Hinweis darauf, dass die Infektionslage unabhängig von der Zahl der Tests wieder anzieht, ist jedoch, dass ein größerer Anteil der Corona-Tests positiv ausfiel. Die sogenannte Positivenquote lag laut RKI-Lagebericht in der Woche vom 14. bis 20. September bei 1,19 Prozent (Vorwoche: 0,86). Das ist der höchste Wert seit mehr als zehn Wochen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2020 um 07:00 Uhr.