Nahezu leere Straße in Gangelt im Kreis Heinsberg, NRW | Bildquelle: AFP

Corona-Krise Hoffnung aus Heinsberg

Stand: 03.04.2020 13:02 Uhr

Heinsberg war das erste Epizentrum der Corona-Pandemie in Deutschland. Jetzt will der Landkreis anderen Teilen des Landes Hoffnung machen - denn die schnelle Reaktion des Landrats zeigt Wirkung.

Von David Zajonz, WDR

In Heinsberg kommen die Einkäufe jetzt mit der Post. Der Paketdienst DHL und eine Rewe-Filiale haben ein gemeinsames Pilotprojekt gestartet.

Der Postbote wirft einen Zettel mit einer langen Liste von Produkten in den Briefkasten. Der Kunde kreuzt an, was er bestellen möchte. Danach wird der Zettel abgeholt, das Paket wird im Supermarkt gepackt und an den Kunden geliefert.

Der Lieferdienst richtet sich an Menschen in Quarantäne oder mit Vorerkrankungen sowie an ältere Bewohner Heinsbergs. Die Bestellung funktioniert auch ohne digitale Technik und ist für die Kunden kostenlos.

Heinsberg: Lebensmittellieferung mit der Post
galerie

Lebensmittellieferung mit der Post in Heinsberg

"Sechser im Lotto"

Die örtliche Supermarktfiliale hat für das Projekt vier neue Mitarbeiterinnen eingestellt. Eine von ihnen ist Claudia Carl, die eigentlich Friseurmeisterin ist. Ihren Beruf darf sie in der Corona-Krise wegen der Ansteckungsgefahr nicht ausüben. Das Angebot im Supermarkt zu arbeiten war für sie deshalb ein "Sechser im Lotto", wie sie selbst sagt. Der Lieferdienst ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Lichtblick.

Tobias Meyer, Vorstandsmitglied der Post, kündigte schon zum Start an: "Wenn das Pilotprojekt erfolgreich ist, werden wir diesen Service gerne in weiteren Gebieten und mit weiteren Partnern ausweiten."

Derzeit wird das Projekt von der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen unterstützt. Wer die Lieferkosten künftig übernehmen würde, ist unklar. Heinsberg ist in dieser Hinsicht aber jedenfalls bundesweit ein Vorreiter. Filialleiter Heinz Schmitz ist guter Dinge: "Die Resonanz, die wir bis jetzt bekommen haben, ist hervorragend."

Heinsberg: Claudia Carl
galerie

Als Friseurin kann Claudia Carl zurzeit nicht arbeiten. Sie packt jetzt bei Rewe Pakete.

Ausgesprochen schnell reagiert

Zu Beginn der Corona-Krise war Heinsberg das Sorgenkind der Nation - für einige vielleicht auch das Schmuddelkind. Die Karnevalssitzung, bei der sich viele Menschen mit dem Virus angesteckt haben, machte den Landkreis bundesweit bekannt. Bereits am 25. Februar wurden die ersten beiden Fälle gemeldet.

Der Landrat reagierte ausgesprochen schnell. Schon einen Tag später waren die Schulen und Kindergärten in Heinsberg dicht. Inzwischen stagniert die Zahl der aktuell infizierten Personen.

Zwar gibt es gemessen an der Einwohnerzahl immer noch vergleichsweise viele Infektionen, der Trend geht aber in die richtige Richtung. Der Landrat von Heinsberg, Stephan Pusch, sieht sich bestätigt: "Wir ernten jetzt die Früchte unserer Arbeit."

"Heinsberg, sei stark"

Die Heinsberger haben durch die Krise zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden. Über allem thront der Hashtag #hsbestrong - Heinsberg, sei stark. HS ist das Kürzel des Landkreises auf Nummernschildern. Vor dem Kreishaus wehen Fahnen mit dem Slogan, T-Shirts mit dem Aufdruck werden gedruckt. Landrat Pusch beendet seine Videonachrichten grundsätzlich mit diesem Ausspruch.

Heinsberg: #HSbestrong | Bildquelle: David Zajonz/WDR
galerie

"Heinsberg, sei stark"

Pusch sucht schon seit Beginn des Corona-Ausbruchs den Kontakt zu den Bürgern. In Facebook-Videos erklärt er, oft auch detailliert, welche Entscheidungen er aus welchen Gründen getroffen hat. Man müsse den Leuten das Gefühl geben, sie säßen mit im Krisenstab, erläutert er seine Kommunikation. Offenbar hat er damit Erfolg, der überwältigende Teil der Kommentare unter seinen Videos ist positiv.

Lehren für den Rest des Landes

Auch in wissenschaftlicher Hinsicht will Heinsberg als Vorbild dienen. Der Landkreis lässt ein Team von Wissenschaftlern der Universität Bonn die Verbreitung des Coronavirus vor Ort erforschen. Rund 1000 Bürger werden dafür befragt und untersucht.

Studienleiter Hendrik Streeck spricht von einer sehr besonderen Voraussetzung, die es in der Region gebe. Die meisten Infektionen können laut dem Virologen auf einen einzigen Zeitpunkt zurückgeführt werden. Daher ließen sich Infektionswege sehr gut nachvollziehen. Aus Heinsberg wollen die Forscher Lehren für den Rest des Landes ziehen. Schon kommende Woche soll es erste Ergebnisse geben.

Auch Landrat Pusch hat sich untersuchen lassen. Er hegt nämlich einen Verdacht: "Ich hatte an Karneval etwas Fieber", sagt er und fragt sich, ob er vielleicht schon Corona hatte und nun immun ist. "Das wäre nicht schlecht", sagt der Landrat, "dann wäre ich einer der ungefährlichsten Menschen in Deutschland."

Leben im ehemaligen Corona-Hotspot Heinsberg
tagesthemen 22:40 Uhr, 02.04.2020, David Zajonz, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Darstellung: