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Corona-Pandemie "Brandbeschleuniger für Diskriminierung"

Stand: 29.12.2020 09:43 Uhr

Während der Corona-Pandemie hat es in Deutschland deutlich mehr Fälle von Diskriminierung gegeben. Laut Antidiskriminierungsstelle waren davon viele Menschen mit asiatischem Aussehen betroffen.

Die Corona-Pandemie hat nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu einer deutlichen Zunahme von Diskriminierungsfällen geführt. Die Pandemie habe hierbei "für die Diskriminierung einzelner Gruppen von Menschen wie ein Brandbeschleuniger gewirkt", sagte der Leiter der Stelle, Bernhard Franke, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die Zahl der Beratungsanfragen ist den Angaben zufolge stark gestiegen: Bis Ende November seien mehr als 6000 Fälle registriert worden, gegenüber 3200 Fällen im Vergleichszeitraum im Jahr 2019.

Starker Anstieg bei rassistischer Diskriminierung

Bei rassistischen Diskriminierungen habe es bis Oktober eine Zunahme von mehr als 70 Prozent gegeben, sagte Franke. Zunächst seien vor allem Menschen mit asiatischem Aussehen diskriminiert, angepöbelt und teilweise mit Gewalt angegangen worden. "Ihnen wurde der Zugang zu Geschäften versagt mit der Bemerkung, man wolle sich nicht Corona ins Haus holen", berichtete Franke.

Auch Sinti und Roma, "deren Wohnhäuser publikumswirksam abgeriegelt wurden", seien von Diskriminierung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie betroffen gewesen. Menschen mit türkischem oder arabischem Hintergrund hätten sich unter Generalverdacht gestellt gefühlt, "weil einzelne Hochzeitsfeiern zu Infektionssprüngen geführt hatten". Dabei sei auch anderswo gefeiert worden, in bayerischen Dörfern zum Beispiel. "Und das Virus unterscheidet nicht zwischen Ethnien - in Neukölln genauso wenig wie in Hildburghausen", so Franke. In Krisen gebe es aber die Tendenz, Sündenböcke zu suchen.

Anfragen wegen der Maskenpflicht

Es habe auch eine Reihe von Anfragen wegen der Maskenpflicht gegeben, vor allem von Menschen, die wegen einer Behinderung keinen Mund-Nasen-Schutz tragen können, so die Antidiskriminierungsstelle.

Allerdings hätten sich auch "Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker wegen der Maskenpflicht als Diskriminierungsopfer stilisiert". Es handele sich aber nicht um Diskriminierung nach dem Gesetz, wenn man das Maskentragen grundsätzlich ablehne, weil man das Virus für ungefährlich oder für den Teil einer Verschwörung halte. Franke betonte: "Wenn Maskengegner sich mit Pseudo-Attesten ausstatten, die sie zum Beispiel aus dem Internet ausdrucken, geht das auf Kosten der Menschen mit Behinderungen, die tatsächlich Probleme haben. Die werden damit diskreditiert, weil die Wahrhaftigkeit von Attesten grundsätzlich in Frage steht."

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes bietet Beratung für Menschen an, die aufgrund der ethnischen Herkunft, Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Identität oder des Geschlechts, des Alters oder einer Behinderung diskriminiert werden. Grundlage für die Arbeit der Stelle ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Dezember 2020 um 01:00 Uhr.

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