Eine Schülerin der fünften Klasse eines Gymnasiums meldet sich im Unterricht. | picture alliance/dpa

Kultusministertreffen Flächendeckende Schulschließungen möglich

Stand: 12.03.2020 18:01 Uhr

Die Kultusminister der Bundesländer halten flächendeckende Schul- und Kita-Schließungen inzwischen für möglich. Sie wiesen gleichzeitig aber auf mögliche Konsequenzen fehlender Kinderbetreuung hin.

Die Kultusministerkonferenz schließt wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus eine flächendeckende Schließung von Schulen in ganz Deutschland oder in einzelnen Regionen nicht aus. Das sagte die Vorsitzende, die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig, nach Beratungen mit ihren Kollegen und Kolleginnen aus den anderen 15 Bundesländern in Berlin. Neben den Schulen würden dann auch die Kitas nicht mehr öffnen. Bislang sind in Deutschland nur einzelne Schulen geschlossen.

Ob Schulen in Regionen, Ländern oder ganz Deutschland geschlossen werden müssten, hänge von den jeweils aktuellen Bewertungen der Virologen und des Robert-Koch-Instituts ab, sagt der Hamburger Schulsenator Ties Rabe. Eine Prognose dazu könne er nicht geben.

Fehlende Kinderbetreuung hätte massive Folgen

Rabe wies darauf hin, dass es in Deutschland elf Millionen Kinder unter 14 Jahren gebe, die eine Betreuung bräuchten. Er betonte, dass von ihnen bei einer Schließung aller Schulen trotzdem zehn bis 20 Prozent wegen der Berufstätigkeit der Eltern eine Betreuung benötigen würden, "um nicht den Zusammenbruch der öffentlichen Daseinsvorsorge und vieler anderer Dinge zu riskieren", sagte Rabe. "Das sind Überlegungen, an deren Anfang wir stehen."

Allerdings stellen sich die Minister auch auf das zweite mögliche Szenario ein, dass der Schulbetrieb während der Coronavirus-Krise weitergeführt wird. Er würde sich dann aber auf den Unterricht sowie Lehrer- und Schulkonferenzen beschränken. Auf Klassenfahrten ins Ausland und Ausflüge im Inland müsse dann grundsätzlich verzichtet werden.

Hamburgs erster Bürgermeister Peter Tschentscher sagte, dass die Lage in den Bundesländern sehr verschieden sein kann: So gebe es derzeit zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern eine deutlich günstigere Infektionslage als in Bayern oder anderen südlichen Grenzländern.

Auch Tschentscher wies auf die Konsequenzen fehlender Kinderbetreuung hin: "Wie viele Eltern sind dann plötzlich darauf angewiesen zu Hause zu bleiben zu können, nicht zum Dienst gehen, zum Beispiel ins Krankenhaus, als Krankenschwester, als Krankenpfleger, als Ärztin oder Arzt ihren Dienst versehen?"

Bayern und Baden-Württemberg wollen bald entscheiden

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte, er habe seine zuständigen Fachminister zur Vorbereitung von Schulschließungen aufgerufen. Die Entscheidung für Bayern solle noch am Abend oder am Freitagvormittag getroffen werden.

Die baden-württembergische Landesregierung will angesichts der Coronavirus-Krise bei einer Sondersitzung des Kabinetts am Freitag über allgemeine Schulschließungen bis Ostern entscheiden. Dort sollen Maßnahmen beschlossen werden, um das Virus einzudämmen und die Ausbreitung zu verlangsamen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte sich zuvor zum jetzigen Zeitpunkt gegen eine flächendeckende Schließung von Schulen ausgesprochen: "Es ist nicht einfach die Frage: Wir machen alles dicht und dann ist das Problem gelöst", sagte sie. Man versuche, einen Normalbetrieb so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Auch sie verwies darauf, dass Eltern auch Betreuung für ihre Kinder bräuchten. Viele arbeiteten in der Pflege, bei der Feuerwehr oder im Gesundheitssystem.

Mit Informationen von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 12. März 2020 um 17:32 Uhr.