Stationsleiterin auf der Infektionsstation der Uniklinik Essen mit Mundschutz und Schutzkleidung | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Deutschland Neue Infektionen und Quarantäne

Stand: 29.02.2020 15:54 Uhr

Das Coronavirus breitet sich weiter in Deutschland aus. 66 Fälle sind erfasst - auch einzelne Kitas und Schulen in NRW sind inzwischen betroffen. Die Bundesregierung verschärfte ihre Vorschriften für Reisende.

Das Coronavirus breitet sich insbesondere in Nordrhein-Westfalen weiter aus - offenbar ursprünglich ausgehend von den Menschen, die im Kreis Heinsberg zusammen mit einem erkrankten Ehepaar an einer Karnevalssitzung teilgenommen hatten. Denn der Kreis ist weiterhin besonders betroffen: Nun wurde bei vier Kindern eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen.

Sie gehen alle in eine Kita des Kreises, in der eine inzwischen erkrankte Frau als Erzieherin arbeitet. Das teilte der Kreis Heinsberg nach einer Sitzung des Krisenstabs mit. Den Kindern gehe es gut. Sie zeigten "allenfalls leichte Erkältungssymptome", sagte eine Sprecherin. Sie hatten sich einem freiwilligen Test auf das Virus unterzogen.

Insgesamt sei die Zahl der Personen, die sich mit dem Erreger im Kreis Heinsberg nachweislich infizierten, nun auf 60 gestiegen. Alle Personen, die unmittelbar zu einer infizierten Person Kontakt hatten und die selbst Krankheitssymptome zeigen, sollen in häusliche Quarantäne gehen.

66 nachgewiesene Infektionen

Ein Lehrer aus dem Sauerland hat sich ebenfalls angesteckt: Auch er war bei der Karnevalssitzung im Kreis Heinsberg. 36 ermittelte Kontaktpersonen des Mannes seien in häusliche Quarantäne geschickt worden, teilte ein Sprecher des Märkischen Kreises mit, in dem seine Schule liegt. Sie bleibe bis Ende kommender Woche geschlossen.

Auch Eltern einer Bonner Grundschule sind durch einen neuen Fall betroffen: Denn auch ein Mitarbeiter einer offenen Ganztagsbetreuung an der Schule - der ebenso in Gangelt im Kreis Heinsberg Karneval gefeiert hatte - hat sich infiziert. Das meldete die Stadt Bonn.

In der Nacht habe man von dem Testergebnis erfahren und rufe jetzt alle Eltern an mit der Bitte, die Kinder zunächst zuhause zu lassen, sagte eine Stadtsprecherin. Bisher wisse man noch nicht, ob häusliche Quarantäne angeordnet werde, sagte die Sprecherin.

Für ganz Deutschland zählte das Robert Koch-Institut bis zum Vormittag 66 nachgewiesene Infektionen, weiterhin hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Zusätzliche Fälle wurden im Laufe des Tages gemeldet. Betroffen sind auch die Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Hamburg beziehungsweise Schleswig-Holstein.

Spahn: "Stehen am Beginn einer Epidemie"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beriet mit den Gesundheitspolitikern aller Bundestagsfraktionen über die Lage. Er habe sie in einer Telefonkonferenz "über die dynamischen Entwicklungen der letzten drei Tage informiert", teilte der CDU-Politiker auf Twitter mit. Am Montag werde es eine Sondersitzung des Ausschusses für Gesundheit geben. Für kommenden Freitag ist zudem ein Sondertreffen der europäischen Gesundheitsminister in Brüssel geplant. "Wir stehen am Beginn einer Epidemie, in Deutschland und in Europa. Das erfordert gemeinsames Handeln", erklärte Spahn in einer Mitteilung seines Ministeriums.

Zuvor hatte der Krisenstab der Bundesregierung getagt und empfohlen, bei der Risikobewertung von Großveranstaltungen die Prinzipien des Robert Koch-Instituts zu berücksichtigen. Bei Anwendung dieser Prinzipien sollten aus Sicht des Krisenstabs "unmittelbar bevorstehende internationale Großveranstaltungen" abgesagt werden. Zudem verschärfte der Krisenstab die Hinweise für Reisende.

  • Großveranstaltungen: Sie sollen von Risikobewertungen abhängig gemacht werden. Die Entscheidungen liegen aber bei den Veranstaltern und zuständigen Behörden vor Ort.

  • Maßnahmen im grenzüberschreitenden Verkehr: Einreisende aus fünf Staaten müssen ihren Gesundheitsstatus angeben: Das gilt für Südkorea, Japan, Italien, Iran und China. Bahnunternehmen müssen Verdachtsfälle in Fern- und Regionalzügen melden.

  • Maßnahmen der Bundespolizei: Sie soll Kontrollen im 30-Kilometer-Raum an den Grenzen verstärken.

  • Schutzausstattung: Es soll ein Vorrat an Schutzausstattung wie Atemmasken und Spezialanzügen angelegt werden.

Die Veranstalter hatten auch die weltgrößte Reisemesse ITB in Berlin gestern abgesagt. Nun ist noch offen, ob Aussteller oder andere beteiligte Unternehmen eine Entschädigung erhalten. Das Bundeswirtschaftsministerium stellte eine Prüfung dieser Frage in Aussicht. Bei der Messe Berlin als ITB-Veranstalter hieß es, man prüfe nun alle Folgen, die sich aus der Absage ergäben. Eigentlich sollte die fünftägige Messe mit rund 10.000 Ausstellern und zuletzt bis zu 160.000 Besuchern am Mittwoch beginnen.

Coronavirus, Sars-CoV-2 und Covid-19

Coronavirus ist die geläufigste Bezeichnung für das neuartige Virus aus China. Dessen offizieller Name, den die WHO festgelegt hat, lautet Sars-CoV-2. Die aus dem Virus resultierende Lungenkrankheit heißt Covid-19.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Februar 2020 um 16:00 Uhr.

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