Spaziergänger in einem geräumten Biergarten in München | Bildquelle: dpa

Kampf gegen Pandemie Länder senken Obergrenze für Corona-Hotspots

Stand: 19.05.2020 16:30 Uhr

Im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus verschärfen mehrere Bundesländer den Grenzwert. Statt bei 50 Neuinfektionen greift das Frühwarnsystem vielerorts schon bei 30 oder 35 neuen Erkrankungen. Auch in Bayern.

Vor knapp zwei Wochen hatten sich Bund und Länder in der Debatte um die Lockerung von Corona-Schutzmaßnahmen auf diese Grenze geeinigt: Wenn innerhalb einer Woche 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet werden, sollen wieder strikte Einschränkungen angeordnet werden. Doch mehrere Länder haben diesen Wert bereits gesenkt. Nun reiht sich auch Bayern ein.

Das bayerische Kabinett beschloss, dass der neue Grenzwert für Landkreise und Städte bei 35 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner und Woche liegen soll. Ein solches Frühwarnsystem sei ein "probates Mittel", um einen erneuten Corona-Ausbruch schnell zu erkennen, begründete Staatskanzleichef Florian Herrmann die Entscheidung: "Das Virus ist nicht besiegt, also wird es diese lokalen Ausbrüche immer wieder geben." Umso wichtiger sei es, neue Hotspots frühzeitig zu erkennen.

Bei Überschreitung stufenweise striktere Maßnahmen

Sollte in einem Landkreis oder einer Stadt der Grenzwert überschritten werden, plädiert das bayerische Kabinett dafür, Lockerungen stufenweise wieder zurückzufahren: Zunächst sollten mögliche Kontaktpersonen der Infizierten ermittelt werden, in Einrichtungen müsste eventuell wieder Quarantäne angeordnet werden. Des Weiteren sollten bei erhöhter Ausbreitung des Virus auch Geschäfte wieder geschlossen und als letzte Stufe sogar Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen verhängt werden.

Bereits Anfang Mai - nur einen Tag, nachdem sich Bund und Länder auf den Grenzwert geeinigt hatten - meldete Bayerns Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit für die Stadt Rosenheim einen Wert von 50,5 Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Der Grund war ein Anstieg der Corona-Fälle in einem Asylbewerberheim.

Am vergangenen Wochenende riss dann die zweite bayerische Stadt mitsamt Landkreis die Grenze: Durch einen Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb in Bogen überschritt sowohl die Stadt als auch der Kreis Straubing-Bogen die Marke.

Grenzwert bundesweit bereits mehrfach gerissen

Ansteckungen in Schlachtbetrieben hatten bereits dazu geführt, dass auch im Landkreis Steinburg in Schleswig-Holstein sowie im Landkreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen die Grenze für Neuinfektionen überschritten wurde. Zudem hatten auch in Thüringen zwei Landkreise eine höhere Zahl an Corona-Ansteckungen gemeldet: in den Landkreisen Sonneberg und Greiz.

Infolge dieser Ausbrüche hatten sich schon vor Bayern mehrere Bundesländer dafür entschieden, die Grenze für die Neuinfektionen niedriger anzusetzen. Die Leiterin des Corona-Krisenstabs der niedersächsischen Landesregierung, Claudia Schröder, gab die Grenze mit 30 bis 35 Fällen an. Der Wert von 50 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohnern und Woche sei "die absolute Obergrenze". Diese neue Leitlinie sei auch schon mit den Kommunen abgestimmt worden. Schröder betonte aber auch, dass die Lockerung von Corona-Auflagen nicht immer komplett rückgängig gemacht werden müssten, sobald eine erhöhte Ansteckung auftrete. Voraussetzung sei, dass der Infektionsherd klar verortet werden könne.

Eine ähnliche Grenze setzte sich die Landesregierung in Baden-Württemberg: Ab 35 Neuinfektionen unter 100.000 Menschen binnen sieben Tagen soll die "Alarmstufe gelb" gelten. Behörden sollen die Ausbreitung des Virus dann noch genauer beobachten, es sollen mehr Corona-Tests durchgeführt und die Bevölkerung nochmals explizit gewarnt werden.

Auch Berlin legt die Grenze für neue Fälle strenger aus: Hier gilt ein Höchstwert von 30 neuen Infektionen pro 100.000 Bürgern in einer Woche.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Mai 2020 um 13:00 Uhr.

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