Baden-Württemberg, Singen am Hohentwiel: Ein Labor-Mitarbeiter hält einen Ständer mit diversen Rachenabstrichröhrchen in den Händen. | Bildquelle: dpa

Ausbruch von Coronavirus Deutschland wappnet sich für mehr Fälle

Stand: 10.03.2020 10:24 Uhr

Mittlerweile sind alle Bundesländer vom Coronavirus betroffen. Die Bundesregierung stellt weitere Wirtschaftshilfen in Aussicht. Flächendeckende Schulschließungen sind nicht geplant, über Bundesliga-Geisterspiele wird entschieden.

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Deutschen zu solidarischem Handeln aufgefordert. "Wir werden diese Situation bewältigen. Wenn wir alle mithelfen, zusammenhalten und einander auch unter Stress vertrauen", schrieb er in einem Gastbeitrag in der "Bild"-Zeitung.

Jens Spahn | Bildquelle: OMER MESSINGER/EPA-EFE/Shutterst
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Spahn erwartet weitere Einschränkungen in Deutschland.

Nach den ersten beiden Todesfällen in Deutschland sei der Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht. "Wir erwarten einen weiteren Anstieg der Infektionen", schrieb Spahn: "Es wird weitere Einschränkungen unseres Alltags geben."

Das öffentliche Leben einzuschränken, sei keine einfache Entscheidung. Öffentlichkeit gehöre zur Demokratie. "Das soll so bleiben. Deshalb müssen wir behutsam und besonnen vorgehen. Flächendeckende Schulschließungen sehe er skeptisch. "Weil Eltern dann ihre Kinder betreuen müssen und auch nicht mehr im Krankenhaus arbeiten können."

Nun alle Bundesländer betroffen

Spahn schrieb, das Coronavirus werde den Alltag verändern. "Je weniger Menschen sich gleichzeitig anstecken, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen." Gerade Ältere und chronisch Kranke seien auf eine ausreichende Zahl verfügbarer Intensivbetten angewiesen. "Oberstes Ziel ist es daher, den Ausbruch zu verlangsamen." Klar sei: Die Sicherheit aller gehe vor - auch vor wirtschaftlichen Interessen.

Mit einem ersten Nachweis in Sachsen-Anhalt sind nun alle Bundesländer vom Coronavirus betroffen. Bei einem Mann Mitte 20 aus Halle sei das Virus nachgewiesen worden, teilte das Sozialministerium mit. Der Betroffene sei von einer Reise aus Norditalien zurückgekehrt. Sachsen-Anhalt war das letzte Bundesland ohne bestätigte Infektion mit dem Erreger. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen hierzulande liegt nach den aktuellsten Angaben des Robert Koch-Instituts bei 1139.

Erste Todesfälle in Deutschland

Am Montag waren in Deutschland die ersten beiden Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus bekannt geworden - beide Menschen stammten aus Nordrhein-Westfalen. Knapp die Hälfte der Infizierten in Deutschland verzeichnet NRW. Besonders stark betroffen sind auch Bayern und Baden-Württemberg.

Wirtschaftsexperte erwartet Rezession

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet, dass Deutschland infolge der Coronavirus-Krise in eine Rezession abgleitet. Das Coronavirus scheine die deutsche Wirtschaft nach den vorliegenden Zahlen "recht kräftig zu erfassen", sagte der Leiter der DIW-Abteilung für Konjunkturpolitik, Claus Michelsen, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Vor allem die Industrie dürfte nach seiner Einschätzung betroffen sein, aber auch Dienstleistungen wie das Gastronomiegewerbe und die Reisebranche.

Michelsen rechnet auch mit Auswirkungen auf die Beschäftigungslage. Wahrscheinlich werde in der Industrie zwar die Stammbelegschaft gehalten werden können, aber kaum mehr Zeitarbeit nachgefragt werden. "Im Bereich der Dienstleistungen ist auch ein Stellenabbau denkbar", sagte der Experte.

Altmaier stellt weitere Wirtschaftshilfen in Aussicht

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kündigte an, bei Bedarf die zuletzt beschlossenen Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft auszuweiten. Heute gebe es in Berlin Beratungen mit den Wirtschaftsministern der Länder, um sicherzustellen, dass die Folgen des Virusausbruchs beherrschbar seien, sagte Altmaier im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Je langsamer sich das Virus ausbreite, desto wahrscheinlicher sei es, dass auch im zweiten Halbjahr eine Rezession verhindert werden könne.

Die Koalitionsspitzen hatten sich auf Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld und eine Verstärkung der Investitionen um 12,4 Milliarden Euro bis 2024 geeinigt. Zudem will die Bundesregierung Vorschläge für Liquiditätshilfen für Unternehmen unterbreiten, die besonders von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind.

Kritik an Bundesregierung

Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, kritisierte die anvisierten Maßnahmen als unzureichend. Angesichts der Risikolage sei die Koalition "zu kurz gesprungen", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Auch Ifo-Chef Clemens Fuest forderte die Bundesregierung auf, ihre Hilfen für die Wirtschaft zu verstärken. Die bisherigen Maßnahmen gingen in die richtige Richtung, doch müsse "mehr getan werden", sagte Fuest der "Augsburger Allgemeinen". Die betroffenen Branchen bräuchten erhebliche Liquiditätshilfen, damit die Krise nicht Unternehmen in die Insolvenz treibe, deren Geschäftsmodell eigentlich gesund sei.

Entscheidung über Geisterspiele

In der Fußball-Bundesliga könnte es zum ersten Geisterspiel kommen. Heute wird entschieden, ob das rheinische Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln ohne Zuschauer ausgetragen wird. Die Partie ist für Mittwochabend angesetzt.

Daniel Neuhaus, WDR, über die Entscheidung zu Geisterspielen
tagesschau24 11:00 Uhr, 10.03.2020

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Spahn hatte empfohlen, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kündigte an, diese Empfehlung umzusetzen. Das würde auch das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke am kommenden Wochenende betreffen. Zuständig für ein behördliches Verbot sind aber die Gesundheitsämter.

Reichstagskuppel geschlossen

Die bayerische Staatsregierung will Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen zunächst bis Karfreitag untersagen. Auch das soll heute formell beschlossen werden.

In Berlin schließt der Bundestag ab sofort die Reichstagskuppel und die Dachterrasse für Besucher. Die begehbare Kuppel des Architekten Sir Norman Foster auf dem historischen Reichstagsgebäude ist eine Touristenattraktion. Sie wird laut Bundestag von jährlich mehr als zwei Millionen Menschen besucht.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. März 2020 um 07:02 Uhr.

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