Richy Müller atmet in seinem Clip für die Aktion #allesdichtmachen abwechselnd in zwei Tüten.

Kampagne #allesdichtmachen Schauspieler ziehen ihre Videos zurück

Stand: 23.04.2021 22:43 Uhr

Mit der Aktion #allesdichtmachen wollten Schauspieler ironisch zur Diskussion über Corona-Maßnahmen anregen. Doch die Kampagne erntete umfassende Kritik. Daraufhin zogen mehrere Beteiligte ihre Videos wieder zurück.

Einen Tag, nachdem die Kampagne #allesdichtmachen im Netz online gegangen ist, haben sich mehrere teilnehmende Schauspieler von der Aktion distanziert. In 53 Videoclips haben deutsche Schauspieler auf aus ihrer Sicht ironisch-satirische Art und Weise Stellung zu den geltenden Corona-Maßnahmen genommen.

An der Aktion beteiligten sich unter anderem Jan Josef Liefers, Ulrich Tukur, Volker Bruch, Ulrike Folkerts, Richy Müller und Heike Makatsch. Zeitgleich veröffentlichten die Beteiligten ihren Videoclip in sozialen Netzwerken.

Gemischte Reaktionen

Doch die Kampagne erntete breite Kritik - von Schauspielkollegen, aus der Politik, von Bildungseinrichtungen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagte, sie verstehe die Nöte der Kreativen. Sie hätte sich aber von den an der Aktion Beteiligten "deutlich mehr Empathie für die Menschen gewünscht, die vom Coronavirus betroffen sind oder im Gesundheitssystem harte Arbeit leisten".

Auch der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, nannte die Kampagne gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland "in ihrer Pauschalität und ihrer krassen Zuspitzung unangemessen". Gleichzeitig äußerte er Verständnis für die Verzweiflung vieler Kulturschaffenden: "Nach mehr als einem Jahr Pandemie sind viele Menschen erschöpft, zermürbt." Daher brauche es "Raum für eine kritische und streitbare Debatte über etwas, das so tief in unser aller Leben und unser aller Freiheit eingreift".

Positives Echo hingegen kam von der Linken-Abgeordneten Sahra Wagenknecht, die von einer "tollen Playlist" sprach. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit nannte die Aktion ein "Meisterwerk" und AfD-Fraktionschefin Alice Weidel lobte die "tolle Aktion, die hoffentlich zum Nachdenken anregt".

Makatsch zieht Video zurück

Mehrere Schauspieler distanzierten sich im Laufe des Tages von der Kampagne. Bereits am Morgen zog Heike Makatsch ihr Video zurück. Sie distanziere sich eindeutig von rechtem Gedankengut und schrieb auf Instagram:

Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht und will niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen schmälern und sie womöglich dadurch verletzen.

Auch Müller nimmt Abstand von Kampagne

Ähnlich äußerte sich auch Richy Müller im Interview mit ntv. Er habe niemals "Menschen kränken oder veralbern wollen". Mit der Aktion hätten er und die anderen Beteiligten auf die Menschen aufmerksam machen wollen, die durch die Corona-Maßnahmen mit Problemen zu kämpfen hätten, so Müller weiter. Er nannte unter anderem Gastronomen, Kleinkünstler und Einzelhändler.

Er sei von Tatort-Regisseur Dietrich Brüggemann angesprochen worden, ob er bei der Aktion mitmachen wolle. Aus "allerlei Vorschlägen" habe er sich dann einen für seinen Videoclip ausgesucht.

Die Kritik an der Kampagne habe ihn überrascht, so Müller, aber er könne sie verstehen. "Ich würde nicht sagen, dass es ein Erfolg war. Deshalb distanziere ich mich ja auch, damit es keiner wird."

"Tatort"-Kollegin Ulrike Folkerts nannte es einen Fehler, bei der Aktion mitgemacht zu haben. Die Videos könnten auch falsch verstanden werden. "Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert", so Folkerts. Die Corona-Maßnahmen bezeichnete sie als "absolut richtig".

Auch Meret Becker, die als Kriminalhauptkommissarin Nina Rubin im "Tatort" ermittelt, zog ihr Video zurück. Kunst müsse Fragen stellen können, schrieb sie auf Instagram: "Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen." Sie lasse sich impfen, betonte Becker, sie trage Maske, halte Abstand und lasse sich testen, wenn sie mit Menschen in Kontakt trete. Dass die Aktion instrumentalisiert werde von der rechten Seite, sei das Letzte, was sie gewollt habe. "Ich möchte auch nicht mit Aluhütchen oder dergleichen verglichen werden", so Becker.

Nicht dazu gedacht, "Staatsbürger unseres Landes zu veräppeln"

Jan Josef Liefers verteidigte die Aktion zunächst auf Twitter: Er setze sich kritisch "mit den Entscheidungen meiner Regierung zu SarsCoV2 und Covid19 auseinander". Sein Video sei als "ironischer Kommentar" zu verstehen.

Im Interview mit dem WDR räumte der Schauspieler später ein, die Kampagne sei offenbar nach hinten losgegangen, "wenn man so viel erklären muss". Doch er fügte hinzu:

Es ist nicht dafür gedacht gewesen, Staatsbürger unseres Landes zu veräppeln. Wir sind doch selber welche. Glauben Sie, wir pfeifen auf all das? Es geht darum, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 23. April 2021 um 21:45 Uhr.