Covid-Schnelltests für zuhause

Organisation von Corona-Tests Selbsttests ab heute zu kaufen

Stand: 06.03.2021 11:56 Uhr

Ab heute sind die Corona-Selbsttests im Handel. In der Debatte um die Organisation von kostenlosen Schnelltests, die in Testzentren und Apotheken von Helfern durchgeführt werden, nimmt Kanzleramtschef Braun die Länder in die Pflicht.

Ab heute gibt es in ersten Geschäften Corona-Selbsttests zu kaufen. Damit können Menschen bei sich selbst einen Nasenabstrich machen. Die Ergebnisse sollen zu 96 Prozent zuverlässig sein. Als erstes bietet Aldi die Tests an - allerdings waren diese bereits vielerorts nach kurzer Zeit ausverkauft, obwohl der Verkauf pro Kundin oder Kunde auf eine Packung mit fünf Tests begrenzt ist.

Der Discounter Lidl startete ebenfalls mit dem Verkauf von Corona-Schnelltests für den privaten Verbrauch - zunächst über seinen Onlineshop. Wie das Unternehmen in Neckarsulm mitteilte, sind die Tests über lidl.de "versandkostenfrei für 21,99 Euro pro 5er-Packung für den privaten Gebrauch" erhältlich. Allerdings war der Onlineshop am Morgen auch nach mehrfachen Versuchen nicht zu erreichen oder der Bestellvorgang wurde abgebrochen. Lidl weist mittlerweile daraufhin, dass es wegen "der großen Nachfrage" beim "Zugang zum Shop zu Verzögerungen" kommt. "In Kürze" will das Unternehmen Corona-Schnelltests zudem in allen Lidl-Filialen verkaufen. 

Weitere Discounter und Supermärkte wollen in den nächsten Tagen nachziehen. Ab Dienstag verkaufen auch zwei Drogerieketten die Tests.

Debatte über Bereitstellung von Schnelltests

Unterdessen wird über die Bereitstellung von Schnelltests debattiert. Das Kanzleramt nimmt die Länder in die Pflicht. "Es war nie verabredet, dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt. Das ist die Aufgabe der Länder selbst", sagte Kanzleramtschef Helge Braun den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Der Bund bezahlt, aber er schafft nicht die Infrastruktur - und er schafft die Tests auch nicht an. Man kann sie am Markt jetzt kaufen." Auch die Testzentren müssten vor Ort entstehen. An die Bevölkerung richtete der Kanzleramtschef den Appell, Testmöglichkeiten "sehr intensiv" wahrzunehmen und an die Firmen, ihre Mitarbeiter auf Corona zu testen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte am Freitag betont, von den Schnelltests seien "mehr als genug da". Der CDU-Politiker betonte auch, dass der Bund ab diesem Montag die Kosten trägt, um allen Bürgern einen Schnelltest pro Woche anzubieten. Diese Tests werden von geschultem Personal durchgeführt. Viele Länder hätten angekündigt, loslegen zu wollen. Für das Einrichten der Teststellen etwa in Zentren oder Apotheken sind die Länder zuständig.

Kritik an Teststrategie

Von CSU und Grünen kam Kritik an der Teststrategie der Bundesregierung. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte der "Welt": "Tests sind die Brücke bis zum Impfangebot für alle. Aber leider sehen wir auch hier wieder: Es wurde zu spät, zu langsam, zu wenig bestellt. Man muss deutlich sagen, es sind wohl Fehler im Bundesgesundheitsministerium passiert. Jetzt muss endlich geliefert werden."

Grünen-Chefin Annalena Baerbock warf der Bundesregierung ein "Wegducken vor Verantwortung" vor. "Längst hätte sie eine Teststrategie vorlegen und viele Millionen Tests kaufen können, aber nach Monaten gründet sie jetzt erstmal eine Task Force", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund vermisst ebenfalls Klarheit beim Testen. "Die Kommunen sind grundsätzlich bereit, dieses Vorhaben zu unterstützen und Schnelltest-Zentren aufzubauen", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Rheinischen Post". Die Kommunen bräuchten aber "jetzt vom Bund schnell Klarheit, wer welche Aufgaben, etwa bei Beschaffung der Tests, übernimmt." Zudem brauche man eine vernünftige digitale Lösung zur Erfassung der Testergebnisse und zur Vergabe von Testterminen.

Sozialverbände verlangten Nachbesserungen der Teststrategie. Die Präsidentin des VdK Deutschland, Verena Bentele, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Ein kostenfreier Test pro Person und Woche ist nicht genug, besonders wenn der Besuch von Veranstaltungen von einem negativen Testergebnis abhängig gemacht wird." Bentele verwies zudem auf Kosten für Masken und Desinfektionsmittel für Grundsicherungsempfänger. Sie und der Geschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Werner Hesse, forderten, dass der Bund während der Pandemie den monatlichen Grundsicherungsbetrag um 100 Euro aufstockt. Flächendeckende Tests und Fortschritte beim Impfen sollen den Weg zu mehr Normalität im Alltagsleben begleiten.

Über dieses Thema berichtete am 06. März 2021 die tagesschau um 09:50 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.