Ein Corona-Test wird in einem Testzentrum in Dresden gemacht. | dpa

Corona-Pandemie Kostenpflichtige Tests - höhere Impfquote?

Stand: 22.10.2021 08:21 Uhr

Wer sich impfen lassen könnte, es aber nicht tut, muss seit dem 11. Oktober für Corona-Tests zahlen. Auf diese Weise soll auch die Impfbereitschaft erhöht werden. Aber klappt das auch?

Von Thomas Denzel, SWR

Die Schlange vor dem Impfbus am Stuttgarter Feuersee windet sich einmal rund um die Johanneskirche. Hunderte warten, viele stundenlang. Manche kommen zur Zweitimpfung, die sie nicht mehr geschafft haben, solange die Impfzentren noch geöffnet waren.

Thomas Denzel

Andere haben sich erst jetzt zur ersten Impfung durchgerungen. Viele von ihnen, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlen. "Ich bin nicht wegen der Krankheit hier, sondern wegen der Einschränkungen, die man hat, wenn man nicht geimpft ist", sagt Tom Martin und meint damit zum Beispiel die kostenpflichtigen Tests. "Gut möglich, dass bald überall 2G gilt", befürchtet Eva Eckstein. "Dann darf ich selbst mit Test nirgendwo mehr hin." Auf den ersten Blick scheint es, als ginge die Rechnung der Bundesregierung auf: Die Freiheit durch Testen wird teurer und damit das Interesse an der Impfung größer.

Noch kein klarer Trend

Im Raum Stuttgart ist die Impfbereitschaft tatsächlich gestiegen - allerdings erst in der zweiten Woche nach Einführung der kostenpflichtigen Tests und nur leicht. Dass es jetzt oft lange Schlangen vor den mobilen Impfstationen gibt, muss man auch vor dem Hintergrund sehen, dass seit Oktober die großen Impfzentren geschlossen sind. Zuständig für die mobilen Impfangebote rund um Stuttgart ist das Klinikum Stuttgart. "Wir hoffen, dass wir langfristig wenigstens den Abwärtstrend bei den Erstimpfungen stoppen können", sagt der Vorstand des Klinikums, Jan Steffen Jürgensen. "Die deutschlandweiten nüchternen Zahlen geben das aber noch nicht her."

Bundesweit sinkt die Zahl der Erstimpfungen seit Mitte September kontinuierlich - im Wochenvergleich um zwischen 16 und 24 Prozent. Auch nach Einführung der kostenpflichtigen Tests nahm die Zahl weiter ab, allerdings nur noch um zwölf Prozent. Bei so wenig Veränderung und nach einem so kurzen Zeitraum kann man aber noch nicht von einem neuen Trend sprechen.

Mehr Angebot als Nachfrage

"Wichtig ist, dass unsere mobilen Impfstationen ein tatsächlich niederschwelliges Angebot sind", sagt Andreas Ruf, der im Klinikum Karlsruhe die Impfaktionen rund um die Stadt koordiniert. "Zwar gibt es insgesamt mehr verfügbare Impfdosen als nachgefragt werden. Aber wir mussten immer wieder Leute nach Hause schicken, wenn der Andrang punktuell besonders groß war." Dann habe man die Menschen auf den nächsten Tag verwiesen. Doch damit riskiere man, dass Wankelmütige nicht wiederkommen. Um das zu verhindern, will man in Stuttgart jetzt das Angebot ausweiten. Statt bisher vier Impfbusse sollen nun fünf Fahrzeuge unterwegs sein.

Testzentren kaum noch rentabel

Auch wenn noch unklar ist, ob sich nun mehr Menschen impfen lassen: Die Teststationen sehen bereits dramatische Auswirkungen. Die Nachfrage nach Corona-Tests ist mancherorts um bis zu 90 Prozent eingebrochen, seit die meisten für sie bezahlen müssen. Viele Testzentren mussten schließen. In Baden-Württemberg sind von den ursprünglich 2800 nur noch 1388 übrig. Auch im Test-Container vor der Zentral-Apotheke in Karlsruhe ist es ruhiger geworden. "Wir haben schon vier unserer sechs Teststellen geschlossen", erklärt Apotheker Hendrik Rohde. "Trotzdem werden wir noch beim Personal sparen müssen, sonst legen wir finanziell drauf." Rohde will deshalb die Öffnungszeiten an Sonntagen und Feiertagen einschränken.

Die meisten, die hier noch zum Testen kommen, benötigen die Bescheinigung für den Besuch im Kino oder Restaurant. Einige haben andere Gründe. Eine Frau braucht den Test für eine Reise. Ein Student darf nur so in die Präsenz-Vorlesung und kritisiert, dass es für den Uni-Betrieb keine kostenlosen Tests gibt. Eine junge Mutter will sich nicht impfen lassen, weil sie ihr Baby noch stillt. Für sie ist ein Test zur Zeit noch kostenlos. Die junge Frau will ganz sicher gehen, dass ihr Kind keine Schäden durch eine Impfung davonträgt. Viele Impfskeptiker trifft man hier - und eine ganz harte Impfgegnerin. "Ich glaube, dass wir als Menschen die Gene haben, dass wir uns gegen Viren wehren können", ist sie überzeugt.

"Wer sich jetzt noch nicht hat impfen lassen, macht das aus weltanschaulichen Gründen", sagt auch Andreas Bobrowski vom Berufsverband Deutscher Laborärzte. Er sieht die Kostenpflicht der Tests deshalb kritisch. "Viele dieser Leute sparen sich die Tests dann sogar ganz." Denkbar sei, dass die Inzidenzen jetzt sinken - aber möglicherweise nicht, weil sich mehr Menschen impfen ließen, sondern weil weniger Menschen sich testen ließen und Infektionen so unentdeckt blieben.

Über dieses Thema berichtete MDR Wissen am 07. Oktober 2021 um 08:27 Uhr und Deutschlandfunk am 11. Oktober 2021 um 05:15 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".