Schüler einer 12. Klasse sitzen in einem Klassenzimmer auf ihren Plätzen. | dpa

Beschluss der Gesundheitsminister Keine Quarantäne für ganze Schulklassen

Stand: 06.09.2021 20:15 Uhr

In Schulen sollen bundesweit einheitliche Corona-Regeln gelten. Darauf einigten sich die Gesundheitsminister der Länder. Demnach sollen keine kompletten Klassen mehr in Quarantäne müssen. Das letzte Wort haben aber die Gesundheitsämter.

Mit dem Ende der Sommerferien in Deutschland herrschte in den einzelnen Bundesländern bislang große Uneinigkeit, wie mit Corona-Infektionen an Schulen umzugehen ist. Während bei einem Corona-Fall teilweise ganze Klassen in die Quarantäne geschickt werden sollten, galt in anderen Bundesländern die Isolationspflicht nur für direkte Kontaktpersonen wie den Sitznachbarn.

Nun sollen bundesweit einheitliche Regelungen her - darauf einigten sich die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder. Nach Angaben des Vorsitzenden der Ressortrunde, Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, sollen künftig keine kompletten Klassen mehr in Quarantäne müssen. Und die Schüler oder Personalkräfte, die in direktem Kontakt zu der infizierten Person standen, sollen sich nach fünf Tagen aus der Isolation heraustesten können. Geimpfte und genesene Schülerinnen und Schüler sollen von der Quarantäne-Regelung ganz ausgenommen werden.

Diese Empfehlung wollen die Minister nun als "Leitplanken" an die Gesundheitsämter weitergeben, so Holetschek. Letzten Endes liegen die Bewertung der Lage und damit verbundene Maßnahmen nach wie vor bei den Behörden vor Ort.

Guter Infektionsschutz als Voraussetzung

Durch die gelockerten Regelungen soll so viel Präsenzunterricht wie möglich umgesetzt werden, so Holetschek. Allerdings müsse ein umfassender Infektionsschutz weiterhin gewährt bleiben. So sollen die lockereren Quarantäne-Maßstäbe nur angewandt werden, wenn die Schulen über Schutzkonzepte verfügen, also beispielsweise notwendige Belüftungssysteme eingebaut haben, regelmäßige Tests durchführen und die Maskenpflicht einhalten.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek begrüßte die Vereinbarung . "Das wird die Akzeptanz der Regeln erhöhen. Richtig ist der Ansatz, dass die Dauer und die Zahl der Betroffenen der Quarantäne maßvoll eingeschränkt werden", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Das werde dazu beitragen, dass der Präsenzunterricht für möglichst viele Kinder und Jugendliche aufrechterhalten werde. "Wichtig ist aber auch, dass die Gesundheitsämter immer auf den Einzelfall schauen werden."

Karliczek appellierte erneut an Erwachsene, das Angebot zur Corona-Impfung anzunehmen. "Die Pandemie bleibt für unsere Kinder, die noch nicht geimpft werden können oder noch ungeimpft sind, eine Gefahr". Je mehr Menschen geimpft seien, desto leichter lasse sich auch das Infektionsgeschehen an den Schulen beherrschen.

Vor der Gesundheitsministerkonferenz hatte sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für einheitliche Regeln an den Schulen ausgesprochen:

Es geht darum, die richtige Balance zu finden zwischen Alltagstauglichkeit für den Schulbetrieb und dem, was eben einen guten Schutz für die Kinder, für die Jugendlichen, für alle in der Schule dann bedeutet.

Heraustesten soll auch in Kitas möglich werden

Zustimmung zu gelockerten Quarantäne-Bestimmungen kam ebenso vom Deutschen Lehrerverband: Bei entsprechenden Schutzmaßnahmen genüge es "den direkten Sitznachbarn" des infizierten Schülers in Quarantäne zu schicken, hieß es.

Neben dem Punkt Quarantäne an Schulen berieten die Gesundheitsminister auch über mögliche Auffrischungsimpfungen. Bereits in den vergangenen Wochen wurde debattiert, wann wem eine dritte Impfung angeboten werden soll. In mehreren Bundesländern sind die sogenannten Booster-Impfungen bereits angelaufen. Sie werden bisher aber nur Menschen über 80 Jahren oder bestimmten Risikogruppen angeboten, etwa Personen mit Immunerkrankungen.

Auch die Gesundheitsminister befürworten die dritte Impfungen für sogenannte vulnerable Gruppen, also Menschen, deren Risiko einer Infektion höher ist. So sollten Auffrischungsimpfungen zunächst etwa in Pflegeeinrichtungen verabreicht werden; aber auch Personen, die regelmäßig mit Infizierten in Kontakt kommen, darunter medizinisches Personal, sollten sie erhalten. Im Einzelfall könne die dritte Impfung auch Menschen ab 60 Jahren angeboten werden. Die dritte Impfung soll erfolgen, wenn die erste beziehungsweise die ersten beiden Impfungen mehr als ein halbes Jahr zurückliegen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht sich ebenfalls für Drittimpfungen aus, zuerst jedoch nur für Risikogruppen und hochbetagte Menschen. Wichtig sei es, nun einheitliche Standards festzulegen, ab wann welchen Personen die Booster-Impfung angeboten werden soll. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat bisher keine Empfehlung für Auffrischungsimpfungen ausgesprochen.