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Unternehmen und Corona Eine Reise mit ungewissem Ausgang

Stand: 23.05.2020 08:29 Uhr

Und plötzlich bleiben die Aufträge weg: tagesschau.de begleitet ein kleines Reise-Start-up auf dem harten Weg durch die Corona-Krise. Kommen die Wirtschaftshilfen der Bundesregierung tatsächlich an?

Von Iris Marx, tagesschau.de

"Sehr geehrter Herr Minister Altmaier, vor einigen Wochen haben wir Ihren Aufruf gesehen, dass Unternehmen, für die die Hilfe im Individualfall aus bestimmten Gründen nicht ausreicht, sich an das Wirtschaftsministerium wenden sollen. Bitte werden Sie aktiv!"

Frauke Schmidt und ihr Geschäftspartner Christian Diener wollten irgendetwas tun. "Und vielleicht bringt so ein Brief was", hofft Schmidt. "Wir haben uns am Anfang riesig gefreut, wie schnell die Bundesregierung ihre Hilfsprogramme aufgelegt hat", sagt Schmidt weiter. "Doch außer der Soforthilfe kommt für uns nichts weiter in Frage". Diese Hilfe in Höhe von 15.000 Euro, die Bayern gemeinsam mit dem Bund bereits Anfang April ausgezahlt hat, haben bei "Unplanned" nicht einmal einen Monat Personalkosten, Miete oder Versicherungen abgedeckt. Auch die Kurzarbeit hat "Unplanned" für seine Mitarbeiter bereits ausgeschöpft.

alt Frauke Schmidt und Christian Diener von Unplanned | Bildquelle: Ferrigato

Das Unternehmen

Frauke Schmidt und Christian Diener haben das Start-up "Unplanned" 2016 gegründet. Das Unternehmen bietet individuell gestaltete Überraschungsreisen in Europa an. Die Auftragslage ist durch die Ausbreitung des Coronavirus auch bei ihnen eingebrochen.

"Es war klar, dass auch die als 'zinslose Darlehen' betitelten Kredite für uns nicht passen. Wir haben zwischen März und Mai keinen Cent Umsatz mehr gemacht. Die abgesagten Reisen werden auch nicht einfach nachgeholt. Da können wir keine Kreditlast verantworten", sagt Schmidt. Es waren keine einfachen Wochen für die jungen Unternehmer, die in diesem Jahr mit einem guten Gewinnen gerechnet haben.

Hoffnung auf Gutscheinlösung

Immerhin hat die Bundesregierung in dieser Woche einen Anreiz für Verbraucher versprochen, freiwillig einen Gutschein zu akzeptieren. Diese Gutscheine sollten in vollem Umfang gegen Insolvenzen abgesichert werden, um die Sorge einiger Verbraucher zu nehmen, erklärt die CDU/CSU-Fraktion. Ob das aber vom Verbraucher angenommen wird, ist unklar. Aber immerhin könne man jetzt den Kunden eine gewisse Sicherheit geben. "Wir verstehen ja, dass auch Verbraucher auf die Kasse achten müssen. Vielleicht trauen sich jetzt wieder mehr Kunden zu buchen", hofft Schmidt.

Zwei von drei Unternehmen haben Angst vor Insolvenz

Auf ein Signal der Bundesregierung warten viele weitere Reiseunternehmen. "Unplanned" steht nur beispielhaft für eine Branche, die kaum wie eine andere an den Folgen der Covid19-Pandemie leidet. Eine Umfrage unter 500 Unternehmen in der Reisewirtschaft hat ergeben, dass "zwei von drei Unternehmen ihre Situation so dramatisch bewerten, dass sie sich unmittelbar von einer Insolvenz bedroht sehen", schreibt der Deutsche Reiseverband in einer Pressemitteilung.

Norbert Kunz, Geschäftsführer des deutschen Tourismusverbands, fordert einen Rettungsschirm für die Reisebranche und Investitionshilfen. Die Bundesregierung verspricht zusätzliche Hilfen für die Reiseveranstalter und Reisebüros zu ermöglichen, aber konkret gibt es keine Zusagen. Bis Juni wolle man sich beraten.

"Unplanned" will selbst kein Kurztrip werden

Wie lange "Unplanned" noch durchhält, können die Geschäftsführer nicht sagen. Aber man stehe in direkten Verhandlungen mit Investoren, die das Start-Up aufkaufen wollen. "Das heißt nicht, dass wir hinschmeißen wollen. Wir hatten einen Verkauf immer geplant. Corona beschleunigt den Prozess aber", so Schmidt.

Die Motivation im Team sei trotz allem groß. In dieser Woche gehen sogar schon die ersten Reisen wieder los. "Es fühlt sich an, als würde ein bisschen Normalität einkehren", sagt Social-Media-Assistentin Leonie Robben erfreut. "Die Überraschungs-Umschläge zu befüllen, macht jedenfalls viel mehr Spaß, als die Stornierungen der letzten Wochen", findet Praktikantin Jacqueline Sawatzky. Apropos Umschlag: Eine Antwort aus dem Bundeswirtschaftsministerium auf den Brief von Schmidt und Diener hat es noch nicht gegeben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Mai 2020 um 05:00 Uhr in den Nachrichten.

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