Die Nationalspieler Joshua Kimmich (links) und Thomas Müller nach dem EM-Aus gegen England. | AFP

Vorstoß der Länderchefs 2G für Fußballprofis?

Stand: 19.11.2021 08:57 Uhr

Die Länderchefs wollen die Anwendung der 2G-Regel auch im Profisport prüfen. Damit droht Bundesliga-Spieler Kimmich und anderen ungeimpften Berufssportlern ein Spielverbot. Allerdings gibt es rechtliche Unsicherheiten.

Bei den Bund-Länder-Gesprächen am Donnerstag haben die Länderchefs die Ausweitung der 2G-Regelung auf den Profisport erwogen. Sie verständigten sich darauf, eine entsprechende Maßnahme zu prüfen. Der Vorstoß für ein Spielverbot für ungeimpfte Fußballer bringt Profis wie Fußballspieler Joshua Kimmich und ihre Clubs in Bedrängnis.

Für die Länderchefs ist klar, dass für Fußballer das gelten soll, was auch die Zuschauer auf den Rängen einhalten müssen. Und da gilt schon am Wochenende in vielen Arenen eine 2G-Pflicht. "Sehr schnell einig" seien sich die Länderspitzen in dieser Frage gewesen, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst. "Ob wir das umgesetzt kriegen, müssen wir jetzt prüfen", fügte der CDU-Politiker hinzu.

Von einer entsprechenden Regelung wären auch ungeimpfte Profis etwa im Handball, Basketball oder Eishockey betroffen. Zuvor hatten Länderchefs und Bundesregierung beschlossen, dass bei Sportveranstaltungen künftig nur noch geimpfte oder vom Coronavirus genesene Menschen nach der sogenannten 2G-Regel Zugang erhalten sollen.

Merkel und Scholz lassen Handlungsspielraum

Die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel verwies in der Diskussion auf die am Donnerstag vom Bundestag neu verabschiedeten Corona-Bestimmungen. "Normalerweise ist es so, dass die Arbeitswelt 3G ist", sagte die scheidende Regierungschefin. Demnach erhalten zum Arbeitsplatz auch negativ auf das Virus Getestete Zugang, selbst wenn sie nicht geimpft sind. Bei Fußballern ist dieser Arbeitsplatz nun mal an Spieltagen das Stadion. "Jetzt kommt es drauf an, ob das die Arbeitswelt ist oder ob es die Freizeitwelt ist", sagte Merkel.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz ließ ebenfalls Raum für mögliche schärfere Regeln in den Ländern, die es für ungeimpfte Profisportler ungemütlich machen könnten. Zwar seien für Berufstätige bei Veranstaltungen 3G-Regeln vorgesehen. Die Bundesländer könnten dies aber möglicherweise in kritischen Corona-Lagen auch anders handhaben. "Das ist eine Entscheidung, die dann vor Ort zu treffen ist", sagte Scholz. Es sei ein "weiterreichender Handlungskatalog" als bisher, den das neue Infektionsschutzgesetz biete.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sagte dagegen, eine Impfpflicht auch für Fußballprofis könne ein "Signal auch der Einheit von Spielern und Fans" sein.

Zehn Prozent in erster und zweiter Fußballliga ungeimpft

Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) hatte schon kurz vor dem Politik-Gipfel "praktikable Lösungen und umsetzbare Konzepte" gefordert. "Ideen haben wir in den letzten zwölf Monaten genug gehört", sagte Seifert beim TV-Sender Bild.

Eine Gruppe von Ärzten um den Chefmediziner des Deutschen Fußball-Bundes, Tim Meyer, appellierte jetzt in einem Brief: "Wir fordern ungeimpfte Personen innerhalb, aber auch außerhalb des Fußballs dringend auf, eine Impfung in Betracht zu ziehen und sich seriös darüber zu informieren. Impfungen sind der Schlüssel zum zügigen Beenden der Pandemie und durch keine andere Maßnahme zu ersetzen."

Seit Wochen tobt im Fußball eine Debatte ums Impfen, nachdem Bayern-Star Kimmich eingeräumt hatte, wegen seiner Sorgen über Langzeitfolgen ungeimpft zu sein. Bei den 36 Clubs der ersten und zweiten Liga sollen immerhin knapp zehn Prozent der Fußballer nicht geimpft sein. Die Basketball-Bundesliga gab die Impfquote unter den Spielern zu Saisonbeginn dagegen mit 99 Prozent an.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. November 2021 um 07:16 Uhr.