Karl Lauterbach auf einer Pressekonferenz. | REUTERS

Corona in Deutschland Lauterbach trotz Herbstwelle zuversichtlich

Stand: 30.09.2022 10:57 Uhr

Die Corona-Infektionen steigen, eine neue Welle für den Herbst kündigt sich an. Gesundheitsminister Lauterbach ist dennoch zuversichtlich, dass "wir das im Griff" haben - und setzt dabei auf vier Blöcke.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht Deutschland vor der drohenden Herbst- und Winterwelle des Coronavirus gut gewappnet. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das in Griff haben werden", sagte Lauterbach auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem RKI-Präsidenten Lothar Wieler. "Corona steht momentan nicht so stark im Licht der Öffentlichkeit, und es ist an uns, dass es auch so bleibt", so der SPD-Politiker.

Die gute Nachricht sei, dass es momentan keine gefährlicheren Varianten in anderen Ländern gebe, die die Sterblichkeit der Deltavariante mit der Immunflucht von Omikron kombiniere. Deutschland befinde sich jedoch "ganz klar" am Beginn einer Herbst- und Winterwelle, sagte Lauterbach weiter. "Die Welle wird nicht so schnell von alleine enden." Es gebe viel zu tun, um eine zusätzliche Stresssituation mit Blick auf die derzeitigen Krisen auf der Welt zu vermeiden.

Lauterbach setzt dafür auf vier Blöcke, um der Welle zu begegnen.

Impfbereitschaft soll erhöht werden

Zum einen soll eine Impfkampagne die Impfbereitschaft in Deutschland wieder erhöhen. "Wir haben deutlich mehr Impfstoff, als verimpft wird", sagte Lauterbach. Vor allem bei den Über-60-Jährigen gebe es große Impflücken.

Der Gesundheitsminister betonte dabei nochmal den Wert der vierten Impfung. Diese reduziere die Sterblichkeit noch einmal um 90 Prozent im Verglich zur Drittimpfung. Die Impfkampagne soll in wenigen Wochen starten.

Neben der Impfkampagne setzt Lauterbach zudem auf das Medikament Paxlovid. DIeses senke die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts bei einer Corona-Infektion um 75 Prozent. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz habe sich daher bei seiner jüngsten Erkrankung entschieden, das Medikament einzunehmen.

Abwassermonitoring in Vorbereitung

Lauterbach wies außerdem darauf hin, dass es dieses Jahr bessere Daten zum Infektionsgeschehen gebe. So gebe das RKI neuerdings die belegten und belegbaren Betten in Krankenhäusern an, statt lediglich die aufgestellten Betten. Zudem sei ein Abwassermonitoring in Vorbereitung.

Als viertes setzt Lauterbach auf das Infektionsschutzgesetz. Dadurch hätten die Bundesländer umfangreiche Maßnahmen, um dem Infektionsgeschehen zu begegnen. "Ich appelliere an die Länder, genau im Auge zu behalten, wann beispielsweise in den Innenräumen wieder Maske getragen werden soll."

"Pandemie ist noch nicht vorbei"

RKI-Präsident Wieler gab für die drohende Herbstwelle noch keine Entwarnung: "Die Pandemie ist noch nicht vorbei, auch wenn wir uns in einer relativ günstigen und stabilen Situation befinden", sagte er. Die gute Nachricht sei, dass es noch keinen massiven Anstieg bei den Krankenhauseinweisungen und Todesfällen gebe. Allerdings träten schwere Verläufe auch immer erst mit einem gewissen Zeitverzug zum Vorschein.

Zudem wies Wieler darauf hin, dass es derzeit eine verstärkte Zunahme an Atemwegsinfektionen gebe, die nicht nur durch das Coronavirus ausgelöst würden. Die Zahlen seien "deutlich höher" als in vorangegangenen Jahren. So seien allein in der vergangenen Woche 7,7 Millionen Menschen in Deutschland neu erkrankt.

Wieler appellierte daher an die Bevölkerung, weiterhin die Schutzmaßnahmen zu beachten. "Wir sollten uns bewusst sein, welches Risiko wir eingehen wollen und welches wir vermeiden können." Innenräume sollten regelmäßig gelüftet werden, und bei Erkältungssymptomen rät Wieler, vorsichtshalber ein paar Tage zu Hause zu bleiben. "Das RKI empfiehlt zudem weiterhin, in Innenräumen Maske zu tragen."