Mobiltelefon mit geöffneter Corona-Warn-App

Bekämpfung von Corona-Ausbrüchen Amtsärzte sehen kaum Nutzen der Warn-App

Stand: 24.09.2020 08:51 Uhr

Viele Politiker loben die Corona-Warn-App als großen Erfolg - deutsche Amtsärzte hingegen sehen kaum einen Nutzen. Solange Daten nicht automatisch an die Gesundheitsämter weitergeleitet werden, sei die App keine große Unterstützung.

Die Amtsärzte in Deutschland schätzen den Nutzen der Corona-Warn-App bei der nationalen Pandemie-Bekämpfung als sehr gering ein. Da die Daten der App nicht automatisch an die Gesundheitsämter weitergeleitet würden, sei die Anwendung in der jetzigen Form keine große Unterstützung bei der schnellen Bekämpfung von Corona-Ausbrüchen, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Datenschutz vor Pandemieschutz

Die App spiele in der täglichen Arbeit der Gesundheitsämter "so gut wie keine Rolle", sagte Teichert. Es komme äußerst selten vor, dass sich ein App-Nutzer wegen eines Warnhinweises bei den Ämtern melde. Die Politik habe entschieden, "den Datenschutz über den Pandemieschutz zu stellen", sagte die Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen. Dies müsse man so akzeptieren.

Hilfreich wäre es laut Teichert, wenn die App eine Funktion hätte, mit der Nutzer eine direkte Weitergabe von Warnhinweisen an das Gesundheitsamt zumindest freiwillig zulassen könnten. Damit würden die zuständigen Behörden wesentlich schneller über Infektionsfälle informiert und könnten zügig Maßnahmen ergreifen, um einen Corona-Ausbruch einzudämmen, sagte sie.

18 Millionen Nutzer in Deutschland

Derzeit bleibe es dagegen den App-Nutzern überlassen, ob sie sich nach einem registrierten Kontakt mit einem Infizierten bei den Gesundheitsämtern meldeten. Ob sie es tatsächlich tun, lasse sich nicht überprüfen.

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch angesichts steigender Corona-Infektionszahlen an die Bundesbürger appelliert, die Corona-Warn-App stärker zu nutzen. 100 Tage nach dem Start hätten bisher mehr als 18 Millionen Nutzer die App auf ihr Smartphone heruntergeladen, hieß es.

Spahn und Braun: ein "großer Erfolg"

Der zuständige Minister, Jens Spahn, räumte ein, dass nur etwa die Hälfte der Nutzer mit einem positiven Corona-Test das Ergebnis dann auch tatsächlich über ihr Smartphone melden würden. Dennoch: Kanzleramtschef Helge Braun und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) lobten die Anwendung, die Nutzer bei einem Kontakt zu einem Corona-Infizierten warnen soll, als großen Erfolg. Die Anwendung sei mit den 18 Millionen Downloads so viel wie in allen anderen EU-Ländern zusammen heruntergeladen worden.

Die App kommuniziert via Bluetooth mit anderen Smartphones. Wird ein Nutzer positiv auf das Coronavirus getestet, gibt die Anwendung an diejenigen Nutzer einen Alarm aus, die dem Infizierten für eine gewisse Zeit so nahe gekommen sind, dass sie sich angesteckt haben könnten. Nach einem Alarm sollten Nutzer das Gesundheitsamt kontaktieren und selbst einen Test machen. Die Nutzung der App ist freiwillig.

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 24. September 2020 um 10:02 Uhr.

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