Startschirm einer Corona Warn-App | dpa

Update der Corona-Warn-App Anonym einchecken per QR-Code

Stand: 30.03.2021 04:17 Uhr

Die Corona-Warn-App bekommt eine lang ersehnte Funktion, die ein Meilenstein für die Anwendung sein kann. Künftig kann man in Gaststätten oder bei privaten Events per QR-Code einchecken.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

Zehn Monate nach dem Start erhält die Corona-Warn-App (CWA) eine neue Funktion, die schon lange gefordert worden war und in Großbritannien zu einer wesentlichen Verbreitung der Anwendung beigetragen hat. "Mit dem nächsten Release zeitnah nach Ostern ist die Erweiterung der CWA um eine Funktionalität zur Eventregistrierung vorgesehen", erklärte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage von tagesschau.de. So könnten mögliche Cluster erkannt werden.

Dominik Lauck

Nutzerinnen und Nutzer der App sollen künftig beim Betreten von Restaurants oder beim Besuch von Veranstaltungen per QR-Code einchecken können. Falls ein Gast des Events wenig später positiv auf Covid-19 getestet wird, kann er das Ergebnis an den Server des Robert Koch-Instituts (RKI) übertragen. Andere Gäste erhalten dann eine Warnung von der Corona-Warn-App. Ein vergleichbares Feature bieten bereits andere Apps ein, wie beispielsweise die in den vergangenen Wochen vom Musiker Smudo beworbene Luca-App.

Unterschied zur Luca-App

Jedoch gibt es einen wesentlichen Unterschied: Tracing-Apps wie Luca setzen voraus, dass man sich mit persönlichen Angaben wie Name und Telefonnummer registriert. Die Daten der Gäste werden im Falle einer Neuinfektion gesammelt an das Gesundheitsamt übermittelt, welches dann die Kontaktnachverfolgung übernehmen soll. Allerdings kommen die Ämter derzeit aufgrund der vielen Fälle nicht hinterher.

Mit Version 2.0 der Corona-Warn-App, die am 16. April erscheinen soll, wird hingegen ein anderer Ansatz verfolgt: Nutzerinnen und Nutzer müssen weder Name noch Telefonnnumer oder E-Mail-Adresse verraten. Die Angaben über den Restaurant- oder Konzertbesuch werden "automatisiert im CWA-eigenen Kontakttagebuch auf dem Endgerät" gespeichert - also nur auf dem Smartphone. Im Fall der Fälle werden alle Gäste über die App gewarnt, so wie es bislang schon bei einer Risiko-Begegnung der Fall war. Die Gesundheitsämter sind somit außen vor.

Eine Kundin scannt den QR-Code der Luca-App zur Kontaktnachverfolgung. | dpa

Künftig soll es für Events einen QR-Code geben, der neben der Corona-Warn-App auch für andere Tracing-Apps, wie Luca, genutzt werden kann. Bild: dpa

Ein QR-Code für alle Apps

Damit Nutzerinnen und Nutzer künftig beim Betreten von Gastronomiebetrieben, Museen oder Sportstätten nicht mehrere QR-Codes einscannen müssen, sollen die unterschiedlichen Apps ein und den selben Code erkennen können. "Der QR-Code der CWA wird in einer Form bereitgestellt, dass andere Apps der digitalen Kontaktlistenerfassung, wie z.B. Luca, diesen in ihren eigenen QR-Code integrieren können und somit ein Check-In beider Anwendungen mit einem QR-Code möglich ist", erläutert das Gesundheitsministerium.

Anke Domscheit-Berg

Domscheit-Berg begrüßt die Erweiterung der Corona-Warn-App, fragt jedoch, warum die Check-in-Funktion jetzt erst integriert wird.

Die netzpolitische Sprecherin der Linkspartei begrüßt die Entwicklung: "Die datensparsame Check-In Funktion der Corona-Warn-App ist überfällig", sagte Anke Domscheit-Berg tagesschau.de. Allerdings kritisiert sie, dass die Implementierung dieser Funktion erst jetzt kommt: Es sei ihr "völlig schleierhaft, warum die Bundesregierung ein halbes Jahr von der Idee bis zur Umsetzung verstreichen ließ. So wurde der umstrittenen Luca-App der Weg in viele Bundesländer bereitet, denn wenn das Check-In mit CWA endlich kommt, sind die teuren Verträge zur Luca-App längst unterzeichnet."

Vorbild Großbritannien

Großbritannien setzt bereits seit September vergangenen Jahres auf die Check-in-Funktion. Wer dort Pubs, Hotels oder Friseursalons betritt oder auf einen Spielplatz oder Fußballplatz kommt, scannt QR-Codes, die auf großen Postern aushängen. Der Check-in war von Beginn an in die staatliche britische Warn-App "NHS Covid-19" integriert. Das führte zu einer schnellen Verbreitung der Anwendung, da sich viele Briten oft noch in der Schlange vor einem Restaurant die App heruntergeladen haben. Mittlerweile hat die britische App eine höhere Download-Quote als die deutsche.

Das wiederum hilft laut einer Studie der Universität Oxford, die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Jedes zusätzliche Prozent an App-Nutzerinnen und -Nutzern senkt demnach die Zahl an Neuinfektionen um 0,8 Prozent bis 2,3 Prozent.

Folgen für die Luca-App

Was bedeutet die Weiterentwicklung der Corona-Warn-App nun für die Luca-App, für deren Dienste Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Baden-Württemberg bereits kostenpflichtige Nutzungsverträge abgeschlossen haben? Der Bundesregierung schwebt eine Aufgabenverteilung vor: "Die CWA bleibt das Mittel der Wahl, um unbekannte Risiken zu erkennen und Kontakte zu warnen. Die anonyme Eventregistrierung der CWA ist hauptsächlich für private Events gedacht", erklärt das Gesundheitsministerium - gemeint sind etwa Familienfeiern oder Konferenzen. Die Luca-App helfe hingegen, der Zettelwirtschaft in Restaurants zu begegnen und bei Corona-Fällen schnell das Gesundheitsamt über weitere Kontakte zu informieren.

Die Corona-Schutzverordnungen der 16 Bundesländer schreiben derzeit überwiegend noch manuell geführte Gästelisten vor. Allerdings ist angedacht, diese Verordnungen anzupassen, indem man Gästen anbietet, alternativ per QR-Code einzuchecken. Bis dahin rät der Digitalexperte Ralf Rottmann Veranstaltern und Gästen, einfach Fakten zu schaffen und die digitale Check-in-Funktion als Alternative zu den manuellen Gästelisten zu nutzen: "Wenn der Bund erst einmal einen offiziellen QR-Code-Check-in in die offizielle Corona-Warn-App integriert, wird er weder Gäste noch Unternehmerinnen und Unternehmer bestrafen, die dieses System dann auch konsequent einsetzen", sagte Rottmann im Gespräch mit tagesschau.de.

App wurde zuletzt signifikant erweitert

Die Corona-Warn-App ist zuletzt bereits signifikant erweitert worden. Mittlerweile werden auch aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland und zur Nutzung der App angezeigt. Zuvor war ein Kontakt-Tagebuch integriert und die Risiko-Berechnung angepasst worden. Die App kann jetzt auch auf älteren iPhones installiert werden.

Bislang wurde die vom RKI herausgegebene Anwendung rund 26,5 Millionen Mal heruntergeladen. Inzwischen teilen auch mehr Nutzerinnen und Nutzer ihre positiven Testergebnisse. Während die Quote anfangs nur bei etwa 40 Prozent lag, ist sie in den vergangenen vier Wochen auf 66 Prozent gestiegen. Insgesamt wurden mehr als 310.000 positive Testergebnisse per App geteilt. Die Anwendung funktioniert jetzt auch in der Schweiz und in 16 EU-Mitgliedsstaaten, darunter Österreich, Italien und Spanien.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30. März 2021 um 08:32 Uhr.

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