Die Corona-Warn-App ist auf einem Smartphone geöffnet. | FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/Shutter

Corona-Warn-App 1,5 Millionen Warnungen - trotz Problemen

Stand: 06.12.2020 11:29 Uhr

1,5 Millionen Menschen seien durch die Corona-Warn-App bereits alarmiert worden, erklärt die Bundesregierung. Doch Probleme - besonders bei der Übermittlung von Testergebnissen - bleiben.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

Die Corona-Warn-App hat laut Kanzleramts-Chef Helge Braun bisher mehr als 1,5 Millionen Menschen vor einer möglichen Infektion gewarnt. "Die App hilft uns in der Pandemie sehr", sagte Braun der "Welt am Sonntag". Sie mache "genau das, was sie soll". Die App zeichne die Kontakte zu Fremden auf, die ansonsten gar nicht gewarnt werden könnten. 

Dominik Lauck

Durch die Warnungen der App würden Braun zufolge bisher unbekannte Infektionscluster entdeckt. "Bisher haben über 100.000 Nutzer einen positiven Corona-Test in der App geteilt", sagte der Minister. Bei 15 relevanten Kontakten je Nutzer wären das mehr als 1,5 Millionen Menschen, die bis heute von der App gewarnt worden seien.  

Deutsche App sei besser als asiatische

Die deutsche App sei auch besser als alle asiatischen, sagte Braun der Zeitung. "Die asiatischen Apps, sofern sie auf GPS basieren, sind viel ungenauer und schicken mehr Menschen unnötig in Quarantäne." Der entscheidende Vorteil der deutschen App sei die Anbindung an Labore. Bei positiven Testergebnissen würden die Nutzer sofort davon erfahren, "nicht erst am Montag, wenn Ihr Hausarzt das Fax vom Wochenende mit Ihrem positiven Testergebnis gefunden hat".

App hat Probleme bei zweitem Corona-Test

Allerdings gibt es nach Informationen von tagesschau.de bei der Übermittlung der Testergebnisse weiterhin enorme Probleme. Wer einen Test macht, erhält vom Arzt oder dem Labor einen QR-Code. Dieser muss mit der App gescannt werden, um dann das Testresultat übermittelt und angezeigt zu bekommen. Wer jedoch bereits zum wiederholten Male einen Test macht, kann dieses Ergebnis nicht per App abrufen. Denn das erste Testergebnis ist noch gespeichert und kann - auch bei einem negativen Ergebnis - nicht gelöscht werden.

Auf einem Mobiltelefon steht "QR-Code ist ungültig". | Dominik Lauck

Wer bereits zum zweiten Mal einen Corona-Test gemacht hat, kann das Ergebnis nicht per App übermittelt bekommen. Dann erscheint diese Fehlermeldung. Die Entwickler prüfen nach eigenen Angaben, wie der Fehler behoben werden kann. Bild: Dominik Lauck

"Wenn Sie den QR-Code bereits gescannt haben, kann dieser leider nicht ein zweites Mal gescannt werden, ebenso ist das Löschen eines zuvor eingegebenen QR-Codes und erneutes einscannen nicht möglich", erklären die Entwickler. Wann dieser Fehler behoben werden kann, ist noch unklar. "Wir prüfen gerade, wie die Verbesserung der Benutzerschnittstelle der App verbessert werden kann, um nicht funktionierende QR-Codes zu erkennen und Sie darüber informieren zu können."

Hinzu kommt, dass die Laboranbindung im klinischen Bereich noch weit hinterhinkt. Zuletzt waren nur elf Labore des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und 15 Labore in Krankenhäusern angeschlossen. Lediglich bei den niedergelassenen Laboren sind nach Angaben der Bundesregierung 152 Stellen angeschlossen. Das entspreche 90 Prozent der verfügbaren Kapazitäten für PCR-Tests bei den niedergelassenen Laboren.

Fehlendes Häkchen mit Folgen

Oft scheitert die Übermittlung des Testergebnisses auch am fehlenden Datenschutz-Einverständnis. Etliche Patienten würden bei den Corona-Tests im Auftragsformular vergessen, das notwendige Häkchen zu setzen und die digitale Übermittlung zu gestatten, erklärte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums.

Auch kommt es immer wieder vor, dass bei dem Test nicht - wie unbedingt notwendig - ein einzelnes Formular pro Patient generiert wird, sondern vorhandene Formulare fotokopiert werden, wodurch eine individuelle Benachrichtigung unmöglich gemacht wird. Daher sollte man als Betroffener bei einem Corona-Test unbedingt darauf achten, ein Unikat als Auftragsformular zu erhalten und keine Kopie.

46 Prozent teilen positives Ergebnis nicht

Nach Angeben der Entwickler teilen 46 Prozent der App-Nutzerinnen und -Nutzer ihr positives Testergebnis nicht. Sie verzichten somit darauf, ihre Kontakte zu warnen. Denn ob ein positives Testergebnis geteilt wird oder nicht, entscheidet grundsätzlich jede Person für sich. Selbst wenn ein positives Testergebnis vom Labor per App übermittelt wurde, muss es dennoch von der Nutzerin oder dem Nutzer der App aktiv zur anonymen Warnung anderer weitergeben werden. Dazu muss manuell mittels eines "Schiebeschalters" in der Anwendung das Ergebnis auf "positiv" geschaltet werden.

Weitere Verbesserungen geplant

Bislang wurde die App mehr als 23,5 Millionen Mal heruntergeladen. Mittlerweile funktioniert sie auch in mehreren EU-Ländern, etwa in Italien, Spanien und Dänemark. Für die kommenden Wochen sind noch mehrere Updates geplant. Vor allem die Umstellung auf die Version 2 der gemeinsamen Schnittstelle von Apple und Google soll deutliche Verbesserungen bringen. Dadurch werde die Abstandsmessung und Warnung noch präziser, so die Entwickler.

Seit dem letzten Update wird auch der Abgleich mit positiven Testergebnissen deutlich häufiger vorgenommen. Während vorher nur alle 24 Stunden überprüft wurde, ob man in den vergangenen 14 Tagen Kontakt mit einer mittlerweile positiv getesteten Person hatte, erfolgt dieser Abgleich nun mehrmals am Tag. Die App ist für iPhones im App-Store und für Android-Handys im Google-Play-Store zu laden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Dezember 2020 um 09:15 Uhr und 10:45 Uhr.

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Moderation 06.12.2020 • 20:40 Uhr

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