Eine Krankenschwester trägt bei ihrer Arbeit eine Corona-Schutzmaske. | dpa

Pandemie in Deutschland Mehr als 1000 Tote an einem Tag gemeldet

Stand: 30.12.2020 07:29 Uhr

Das RKI vermeldet mit 1129 Corona-Toten innerhalb eines Tages einen neuen Höchstwert. Immer mehr Vertreter aus Politik und Wissenschaft rechnen mit einer Fortsetzung der Corona-Beschränkungen über den 10. Januar hinaus.

In Deutschland sind erstmals mehr als 1000 Todesfälle innerhalb eines Tages im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus gemeldet worden. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden weitere 1129 Todesfälle erfasst. Die bisherige Rekordzahl lag bei 962 Verstorbenen binnen 24 Stunden und war am Mittwoch vergangener Woche registriert worden.

Gesundheitsämter melden mehr als 22.000 Neuinfektionen

Die Gesamtzahl der erfassten Corona-Toten in Deutschland seit Beginn der Pandemie stieg laut den jüngsten Angaben des RKI auf 32.107. Nach Angaben des Instituts wurden zudem 22.459 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden registriert. Die bisherigen täglichen Höchstwerte lagen bei mehr als 30.000 Fällen.

Die Zahl der verzeichneten Corona-Infektionen in Deutschland seit Beginn der Pandemie wuchs insgesamt auf 1.687.185. Laut RKI sind rund 1.302.600 Menschen von einer Corona-Infektion genesen. Die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz betrug 141,3. Am Vortag hatte sie noch bei 149,2 gelegen. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verhängung und Lockerung von Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus.

Grundsätzlich war ein Anstieg der Todesfälle infolge des steilen Anstiegs bei den Neuinfektionen erwartet worden. Die Interpretation der Zahlen rund um die Feiertage und den Jahreswechsel ist grundsätzlich schwierig. Das RKI hatte darauf hingewiesen, dass der Tod von Covid-19-Patienten häufig nachgemeldet werde.

Spahn: Nach 10. Januar kein "Vorlockdown-Modus" möglich

Immer mehr Politiker rechnen mit einer Fortsetzung des Lockdowns in Deutschland über den 10. Januar hinaus. So auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). "Stand heute jedenfalls sind wir mit den Zahlen bei weitem noch nicht da, wo wir hin müssen", sagte Spahn in den tagesthemen. Deshalb werde es nach dem 10. Januar ohne Zweifel weiterhin Maßnahmen geben. "In welchem Umfang, das müssen wir Anfang Januar mit den Bundesländern entscheiden", fügte der Minister hinzu. Es sei aber absehbar, dass die Zahlen bis dahin nicht so niedrig sind, "dass wir einfach in den Vorlockdown-Modus zurück können".

Zuvor hatte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa geäußert. Auf die Frage, ob er Anlass sehe, Schülern, Eltern oder Geschäftsinhabern Hoffnungen auf ein Ende des Lockdowns ab 10. Januar zu machen, antwortete er: "Wir müssen ehrlich und realistisch bleiben. Diese Hoffnung kann niemand seriös wecken." Ähnliche Signale kamen von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD), derzeit Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder.

Rückgang der Übersterblichkeit "vielleicht im März"

Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek geht davon aus, dass die Einschränkungen im kommenden Jahr nur langsam geringer werden. "Ich rechne damit, dass sich die Situation im Frühsommer verbessert", sagte die Wissenschaftlerin, die auch die hessische Landesregierung berät, der dpa. Vieles werde dann wieder draußen stattfinden können und die Impfungen erste Wirkung in der Hochrisikogruppe zeigen.

Ciesek warnte aber davor, den zeitlichen Versatz zu unterschätzen. "Es ist ja nicht so, dass man direkt mit dem Impfen Todesfälle vermeidet", erklärte sie. Zwischen Neuansteckung und Tod bei schwerem Verlauf lägen oft "viele, viele Wochen". Einen Rückgang der Übersterblichkeit erwartet sie "grob geschätzt vielleicht im März. Bis dahin sind die Todeszahlen vor allem abhängig von der Anzahl der Neuinfektionen und die anderen Maßnahmen bleiben unsere einzige Waffe."

Eine Lockerung der Maßnahmen ist nach Ansicht der Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung erst bei einer Inzidenzzahl von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern sinnvoll. "Das wäre ein Bereich, wo wir schon einmal waren und wo wir ausreichend Testkapazitäten haben, dass wir wirklich schnell testen können, denn es zählt immer die Schnelligkeit - wie schnell können wir dem Virus den Weg abschneiden. Wir können bei einer niedrigen Inzidenz auch die Kontaktnachverfolgung gut durchführen", sagte sie im Deutschlandfunk.

Die derzeitigen zum 16. Dezember in Kraft getretenen Kontaktbeschränkungen gelten noch bis zum 10. Januar. Ziel der bundesweiten Einschränkungen ist es, die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf maximal 50 innerhalb von einer Woche zu senken. Am 5. Januar werden sich die Regierungschefs der Bundesländer erneut mit Bundeskanzlerin Merkel beraten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 29. Dezember 2020 um 23:25 Uhr sowie am 30. Dezember 2020 die tagesschau um 09:00 Uhr.