Ausgedünnter Zuschauerraum im Berliner Ensemble | Bildquelle: CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

Appell von Theatern und Orchestern Corona-Auflagen mit "mehr Augenmaß"

Stand: 26.08.2020 15:26 Uhr

Jeder zweite Besucherplatz in Theatern und Konzertsälen könnte besetzt werden. Davon gehen Kulturschaffende aus und fordern Corona-Auflagen mit Augenmaß. Die Barenboim-Said-Akademie in Berlin setzt auf das Schachbrettmuster.

Kulturschaffende in Deutschland fordern "mehr Augenmaß" bei Corona-Auflagen in geschlossenen Räumen wie Theatern und Konzertsälen. Sorgfältig erarbeitete Hygienekonzepte in den Häusern ließen häufig mehr Publikum zu, als es die starren Sitzplatzbeschränkungen vielerorts vorschrieben.

Das erklärten der Deutsche Bühnenverein, die Deutsche Orchestervereinigung, die Deutsche Konzerthauskonferenz, die Konferenz der Generalmusikdirektoren und die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger in einer gemeinsamen Mitteilung.

"Hoher Sicherheitsstandard" verglichen mit Verkehr

Grundsätzlich sollte es möglich sein, jeden zweiten Platz eines Theaters oder Konzertsaals zu besetzen, sagte der geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins, Marc Grandmontagne. Entsprechende Hygienestandards, Mund-Nasen-Schutz, gezielte Desinfektion und ausreichende Durchlüftung gewährleisteten einen hohen Sicherheitsstandard verglichen mit Bereichen wie öffentlichem Verkehr, Handel oder Gastronomie.

Der Sprecher der Konzerthauskonferenz, Benedikt Stampa, sprach von einer "strukturellen Schieflage", die wirtschaftlich und künstlerisch höchst problematisch sei. Es sei schwer zu vermitteln, dass etwa in einem Konzerthaus in Nordrhein-Westfalen 1000 Plätze belegt werden könnten, in Bayern dagegen Theater und Konzertsäle nur maximal 200 Besucher einlassen dürften und in Baden-Württemberg bis maximal 500 Menschen Einlass gewährt werde.

Stuhlbesetzung wie in Salzburg und Luzern

Die Barenboim-Said-Akademie in Berlin hatte zuvor angekündigt, ihren Kammermusiksaal ab 1. September nach dem sogenannten Schachbrettmuster besetzen zu wollen. Wie bei den Festivals in Salzburg und Luzern solle jeweils ein Sitz vor, hinter und neben jedem Besucher mit einem Abstand von 1,50 Meter frei bleiben. Damit könnte knapp die Hälfte der 683 Plätze im Boulez Saal besetzt werden. Voraussetzung sei Maskenpflicht während der gesamten Veranstaltung.

Alle anderen Konzertsäle in Berlin dürften bislang nur jeden vierten Platz besetzen. Das Gesundheitsamt müsste dem Plan noch zustimmen. Notfalls will die Akademie die Vorgaben rechtlich prüfen, um Planungssicherheit für alle Veranstaltungen zu bekommen.

Vor, hinter, rechts und links ein Platz frei - wie ein Schachbrettmuster war die Sitzordnung beim Musikfestival in Salzburg aufgebaut. | Bildquelle: AFP
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Vor, hinter, rechts und links ein Platz frei - wie ein Schachbrettmuster war die Sitzordnung beim Musikfestival in Salzburg aufgebaut.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2020 um 14:00 Uhr.

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