Matias Pizarro (r.) arbeitet in einem Corona-Testzentrum in Mainz. | SWR

Corona-Testzentren Weniger Geld und mehr Kontrolle

Stand: 01.07.2021 15:19 Uhr

Die neue Coronavirus-Testverordnung des Bundes ist heute in Kraft getreten. Die Vergütung für die Testzentren wird damit deutlich reduziert, während Kontrollen verstärkt werden. Gleichzeitig sinkt die Nachfrage.

Von Lucretia Gather, SWR

Es ist ruhig am Vormittag im Corona-Testzentrum in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofs. Matias Pizarro steht seit 6.30 Uhr im blauen Schutzanzug im Container und nimmt Abstriche. "Heute früh ist es echt entspannt", sagt er, "kein Vergleich zu der heißen Phase vor ein paar Monaten, da waren hier morgens schon Schlangen."   

Lucretia Gather

Etwa 600 Tests werden hier pro Tag gemacht - zur Hochzeit der Pandemie waren es mehr als dreimal so viele. Das Personal wurde schon heruntergefahren, von sechs Mitarbeitern auf die Hälfte, erklärt Stationsleiterin Jana Aichele.

Betreiber dieses Testzentrums ist "CoviMedical", einer der größten privaten Anbieter bundesweit. 150 Testzentren betreibt das Unternehmen in Städten und Kommunen quer durch die Republik, dazu an Flughäfen und in Urlaubsregionen wie Juist, Norderney und sogar Mallorca. Geschäftsführer Christoph Neumeier sagt: "Wir sehen schon eine geringere Nachfrage nach Bürgertests."

Matias Pizarro | SWR

Matias Pizarro arbeitet im Testzentrum am Mainzer Hauptbahnhof. Bild: SWR

Kürzere Öffnungszeiten, weniger Personal

Deswegen hat "CoviMedical" einige wenige Testzentren bereits geschlossen, in allen anderen wird die Kapazität heruntergefahren. Das bedeutet: viel weniger Personal und kürzere Öffnungszeiten. Der Betrieb läuft weiter, aber auf kleinerer Flamme.

Ähnlich sieht die Situation auch in anderen, nicht privaten Testzentren aus, teilt das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium mit. 

Viele der insgesamt 1630 Teststellen in Rheinland-Pfalz hätten ihre Testkapazitäten an den aktuell niedrigeren Bedarf für Bürgertestungen im Land angepasst. Vereinzelt sei der Betrieb ganz eingestellt worden.

Auf die Delta-Variante vorbereitet sein

Doch Detlef Placzek, Präsident des zuständigen Landesamtes und Koordinator des Projekts "Testen für Alle" in Rheinland-Pfalz, warnt: "Die Pandemie ist noch nicht vorbei."  Angesichts der Delta-Virusvariante müssten die "Teststrukturen im ganzen Land weitgehend aufrechterhalten werden."

Die neue Testverordnung des Bundes gebe den Ländern die nötige Planungssicherheit, so Placzek. Die Teststellen würden zunächst bis zum 31.Dezember 2021 weitergeführt.

Vergütung an Marktpreis angepasst

Die von heute an geltende Verordnung regelt unter anderem die Vergütung der Betreiber neu. Statt wie bisher 18 beziehungsweise 21 Euro pro Test gibt es künftig nur noch 11,50 Euro.

"Inzwischen sind auf dem Markt günstigere Tests verfügbar als noch zu Beginn der Pandemie", sagt Sebastian Gülde, Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Man habe die Vergütung daher angepasst.

Neben der veränderten Vergütung wird die Kontrolle privater Anbieter von Covid-19-Testzentren verschärft. Die Länder, konkret die Gesundheitsämter vor Ort, sollen Testanbieter genau prüfen, bevor sie die Zulassung für die Eröffnung eines Testzentrums erteilen. Dies sei bisher nur unzureichend geschehen, so Gülde.

Zentrum für Corona-Schnelltests | SWR

Seit heute gilt eine neue Coronavirus-Testverordnung. Bild: SWR

Unternehmen erhalten einen Auftrag künftig nur, wenn sie "infektionsschutzrechtliche, medizinproduktrechtliche und arbeitsschutzrechtliche Anforderungen einhalten" und die "erforderliche Zuverlässigkeit" aufweisen.

Gesundheitsämter vor Ort sollen stichprobenartig überprüfen, ob in den privaten Testzentren alle Maßgaben eingehalten werden. Ist das nicht der Fall, kann die Genehmigung wieder entzogen werden, so das Bundesgesundheitsministerium.

Prüfung durch Kassenärztliche Vereinigungen

Und schließlich sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen die Abrechnungen privater Testzentren regelmäßig auf Plausibilität überprüfen. Die Unternehmen werden verpflichtet, ihre Daten offen zu legen.  Zu Unrecht gewährte Vergütungen können künftig zurückgefordert werden.

Reaktion auf Abrechnungsbetrug

Mit der neuen Verordnung reagiert das Bundesgesundheitsministerium auf die Betrugsfälle der Vergangenheit. Viele private Testanbieter hatten deutlich mehr für Corona-Schnelltests abgerechnet, als sie tatsächlich ausgegeben hatten. So etwa der private Testanbieter "MediCan". Das Unternehmen soll fälschlicherweise ärztliche Leistungen in Rechnung gestellt haben.  

Die Staatsanwaltschaft Bochum untersucht außerdem den Verdacht, das Unternehmen habe deutlich mehr Tests bei der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet, als in den Zentren tatsächlich durchgeführt worden seien. Betrugsmethoden wie diesen soll nun mit der neuen Verordnung ein Riegel vorgeschoben werden.

Stationsleiterin Jana Eichele und ihr Team. | SWR

Stationsleiterin Jana Eichele und ihr Team: Das Personal wurde bereits reduziert, die Nachfrage nach Tests nimmt ab. Bild: SWR

 "Betreibern wird die Luft abgeschnürt"

Christoph Neumeier vom "CoviMedical" sieht das naturgemäß kritisch. Die Reduzierung der Vergütung nennt Neumeier "drastisch". Sie berge das Risiko, dass viele Testzentrumsbetreiber über den Sommer schließen müssten. Zuverlässigen, seriösen Betreibern wie ihm werde durch die neue Verordnung "die Luft abgeschnürt".

Dies wiederum könne der Regierung nach den Sommerferien "auf die Füße fallen", meint er, und zwar dann, wenn die Inzidenzen durch die Delta-Variante anstiegen und wieder mehr Tests nötig würden.

Im Testzentrum am Mainzer Hauptbahnhof ist man gerüstet, sollte es wieder mehr Bedarf geben. "Wir können jederzeit wieder hochfahren", sagt Stationsleiterin Aichele.