Proben für Corona-Tests werden im Diagnosticum-Labor in Plauen, Sachsen, für die weitere Untersuchung vorbereitet. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Bayerns Test-Offensive stößt auf Skepsis

Stand: 28.06.2020 17:05 Uhr

Bayern will als erstes Bundesland Corona-Tests für alle einführen. Das kann helfen, Ausbrüche schnell zu identifizieren. Fachpolitiker von CDU und SPD begegnen dem Konzept trotzdem mit Skepsis.

Ein Corona-Test für alle - egal, ob er oder sie Symptome hat, zu einer Risikogruppe gehört oder ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt - eine solche "Corona-Testoffensive" verspricht Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml den Menschen im Freistaat.

Eine solch breite Testung klingt zunächst einmal gut und sinnvoll, um Corona-Ausbrüche früh zu identifizieren und Infektionsketten schnell zu unterbrechen. Dennoch begegnen Fachpolitiker der bayerischen Initiative parteiübergreifend mit Zurückhaltung.

Jens Spahn | Bildquelle: dpa
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Zurückhaltung gegenüber Bayerns Test-Konzept: Gesundheitsminister Spahn (CDU)...

Lauterbach kritisiert Pläne für Bundesliga-Neustart | Bildquelle: dpa
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... und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

Trügerische Sicherheit

So verweist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf das Testkonzept des Bundes. Das sei bereits sehr umfangreich. Grundsätzlich begrüßt Spahn zwar Massentests. Allerdings könne das auch in falscher Sicherheit wiegen, so der CDU-Politiker. Denn Tests seien immer nur eine Momentaufnahme. Ähnlich äußert sich CDU-Gesundheitsexpertin Karin Maag: "Unmittelbar nach dem Test weiß ich, ob ich positiv beziehungsweise negativ getestet wurde. Ich kann mich aber in den nächsten Tagen neu anstecken", sagt sie der "Augsburger Allgemeinen".

Gezielt wäre besser

Besser wären gezielte Tests besonders relevanter oder schutzbedürftiger Gruppen, so Maag. Eine Einschätzung, die ihr SPD-Kollege Karl Lauterbach teilt. Grundsätzlich sei das Vorgehen Bayerns zwar richtig, sagt er der Funke Mediengruppe. "Allerdings müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Leute getestet und die Tests selbst billiger werden", so Lauterbach. Im Herbst, wenn eine zweite Corona-Welle droht, seien Massentests dann wirklich nötig. "Neue Studien deuten daraufhin, dass es stärker auf die Häufigkeit der Tests ankommt, in welchen Abständen ich Risikopersonen regelmäßig teste. Wir schauen bislang eher mit deutscher Gründlichkeit darauf, wie ungenau ein Test ist", so Lauterbach.

Generell sind in Deutschland nach Anlaufschwierigkeiten Corona-Tests vielfach auch ohne akute Symptome möglich - besonders in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern, Kitas, Pflegeheimen oder Schulen. Bayern ist aber das erste Bundesland, das flächendeckende Tests für alle vorsieht und das die Kosten dafür übernimmt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Juni 2020 um 17:00 Uhr.

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