Fluzeuge sind amTambo International Airport in Johannesburg zu sehen. | REUTERS

Neue Virusvariante Flugverkehr mit Südafrika eingeschränkt

Stand: 26.11.2021 12:51 Uhr

Deutschland beschränkt wegen der neuen Virusvariante den Flugverkehr mit Südafrika. Kanzleramtsminister Braun sprach von "sehr großen Sorgen". Andere Länder erließen ähnliche Einschränkungen.

Die Ausbreitung einer neuen möglicherweise gefährlicheren Variante des Coronavirus im südlichen Afrika hat international Besorgnis ausgelöst. Experten befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen hoch ansteckend sein könnte und zudem den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte.

Die Bundesregierung schränkt den Flugverkehr mit Südafrika deswegen ein. Die Regelung trete in der kommenden Nacht in Kraft, Fluggesellschaften dürften dann nur noch deutsche Staatsbürger nach Deutschland befördern, teilte der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit. Gegebenenfalls seien auch Nachbarländer Südafrikas betroffen. "Wir waren, sind und bleiben bei der Einreise vorsichtig", betonte Spahn. "Diese neu entdeckte Variante besorgt uns. Daher handeln wir hier proaktiv und frühzeitig. Das letzte, was uns jetzt noch fehlt, ist eine eingeschleppte neue Variante, die noch mehr Probleme macht."

Bitte an Rückkehrer um freiwillige Tests

Er rief Rückkehrer aus Südafrika dazu auf, sich freiwillig in Quarantäne zu begeben und einen PCR-Test zu machen. Er könne die an diesem Freitag und in den vergangenen Tagen aus Südafrika eingereisten Menschen nur zu diesem Schritt auffordern, eine rechtliche Handhabe habe er nicht, sagte Spahn.

Der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun hatte zuvor im ARD-Morgenmagazin eine rasche Entscheidung zu Flugbeschränkungen bereits angekündigt. Auch ihm selbst mache die Variante "sehr große Sorgen".

RKI-Chef Lothar Wieler sagte, die Variante sei in Deutschland noch nicht entdeckt worden. "Bis 9.30 Uhr ist mir nicht bekannt, dass in Europa oder in Deutschland diese Variante bislang gefunden wurde", sagte Wieler in der Bundespressekonferenz. Zugleich betonte er: "Wir sind tatsächlich in sehr großer Sorge."

Die Lufthansa teilte mit, sie halte die Flugverbindungen nach Südafrika vorerst aufrecht. "Wir setzen die Vorgaben um und werden weiter fliegen, auch um Menschen nach Hause zu bringen und Fracht zu transportieren", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Lufthansa beobachte die Lage intensiv und halte sich an alle gesetzlichen Auflagen und Regeln.

EU-Kommission will "Notbremse" empfehlen

Die EU-Kommission will allen Mitgliedstaaten die vorübergehende Einstellung des Reiseverkehrs mit den Ländern des südlichen Afrika vorschlagen. Die Kommission wolle "in enger Abstimmung mit den Mitgliedstaaten" über die Aktivierung dieser sogenannten Notbremse entscheiden, teilte Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter mit.

Österreich, Italien, Tschechien, Frankreich und Malta schränkten unterdessen bereits ebenfalls den Flugverkehr aus der Region ein, die Niederlande kündigten ein Landeverbot für Flüge aus dem südlichen Afrika an. Großbritannien und Südafrika selbst hatten Beschränkungen bereits am Donnerstag angekündigt.

Das österreichische Gesundheitsministerium sagte, nur Österreicher, die sich in Südafrika, Namibia, Botswana, Simbabwe und Mosambik aufhielten, dürften noch in ihre Heimat zurückkehren. Sie müssten aber besonders strenge Quarantäne-Bedingungen beachten.

Ein bestätigter Fall in Israel

In Israel wurde nach offiziellen Angaben eine Person mit der neuen Variante identifiziert, zwei weitere Personen seien Verdachtsfälle, die noch auf ihre Testergebnisse warteten, teilte das Gesundheitsministerium mit. Die infizierte Person sei aus Malawi nach Israel zurückgekehrt. Alle drei Personen seien geimpft worden.

In Japan und Singapur gibt es bereits verschärfte Grenzkontrollen für Reisende aus Südafrika und anderen afrikanischen Staaten. Indiens Gesundheitsministerium erklärte: Internationale Reisende aus Südafrika und anderen Ländern sollten konsequent getestet und geprüft werden.

"Ernsthaft besorgniserregend"

Das südafrikanische Institut für Ansteckende Krankheiten NICD hatte am Donnerstag mitgeteilt, in Südafrika seien 22 Fälle der neuen Variante B.1.1.529 nachgewiesen worden. Mit mehr Fällen sei im Zuge der laufenden Genomanalysen zu rechnen.

Südafrikas Gesundheitsminister Joe Phaahla bezeichnete die Variante als "ernsthaft besorgniserregend" und als Ursache für einen "exponentiellen" Anstieg der gemeldeten Fälle in Südafrika. Die Zahl der täglich gemeldeten Infektionen in Südafrika war am Mittwoch auf mehr als 1200 gestiegen. Anfang des Monats waren es teils nur rund 100 Neuansteckungen.

WHO arbeitet an Einstufung

Die WHO erklärte, sie beobachte die Variante "genau". Bei Beratungen am Freitag werden Experten der Organisation voraussichtlich beschließen, ob B.1.1.529 als Variante "von Interesse" oder als "besorgniserregend" eingestuft wird. Auch dürfte sie, wie bisher verbreitete Varianten auch, in einen Buchstaben des griechischen Alphabets umbenannt werden.

Ein WHO-Sprecher ergänzte, der Zeitplan für die laufenden Studien solle überprüft werden. Fast 100 Sequenzen der Variante seien bekannt. Eine frühere Analyse zeige, dass sie eine große Anzahl von Mutationen aufweise. Dies müsse genauer untersucht werden.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 26. November 2021 um 07:44 Uhr.