Studenten halten im hessischen Wiesbaden während einer Kundgebung der hessischen Studierendenvertretungen Plakate in die Höhe. | Bildquelle: dpa

Überbrückungshilfe und Kredite Corona treibt Studierende in die Schulden

Stand: 31.07.2020 11:56 Uhr

Nebenjob weg, Stipendium geplatzt: Die Corona-Pandemie sorgt auch bei Studierenden für finanzielle Probleme. Zehntausende beantragten staatliche Hilfen, doch viele Anträge wurden abgelehnt.

Tausende Studierende haben sich in der Corona-Krise verschuldet und staatliche Hilfskredite beantragt. Das geht aus einem Schreiben des Bundesbildungsministeriums an den Bildungsausschuss des Bundestags hervor, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Seit dem vergangenen Mai bis März 2021 müssen die Studierenden für staatliche Hilfen keine Zinsen zahlen. Dementsprechend sei die Zahl der Anträge stark gestiegen, schreibt das Ministerium. Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW wurden im Mai, Juni und Juli 22.000 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 641,6 Millionen Euro gestellt.

500 Euro Überbrückungshilfe

Darüber hinaus hilft die Bundesregierung aber auch durch Kulanzregeln beim BAföG und seit Juni mit einer Corona-Überbrückungshilfe. Sie beträgt bis zu 500 Euro im Monat. Nach Angaben des Bildungsministeriums ist diese staatliche Nothilfe in mehr als 41.000 Fällen in einer Gesamthöhe von 17 Millionen Euro ausgezahlt worden. Allerdings kann diese Hilfe nach aktuellem Stand nur noch im August beantragt werden. Für das Wintersemester müssen sich Betroffene also andere Wege suchen, ihr Studium weiter zu finanzieren.

Warnung vor bedenklicher Schuldenlast

Deutlich mehr Studierende beantragten staatliche Nothilfe, als sie dann auch bekommen haben. Nach Ministeriumsangaben sind seit Juni 82.000 Anträge eingegangen. Bei den meisten der abgelehnten Anträge habe keine pandemiebedingte akute Notlage vorgelegen, bei dem Rest seien Unterlagen unvollständig oder unleserlich gewesen.

Anja Karliczek | Bildquelle: REUTERS
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Die Grünen kritisieren Bildungsministerin Karliczek.

Dass jeder zweite Antrag auf Nothilfe abgelehnt wurde, nennt der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Kai Gehring einen Skandal. "Die Modalitäten der sogenannten Überbrückungshilfe sind offensichtlich so miserabel, dass Studierende in Notlagen zur blanken Existenzsicherung in den KfW-Studienkredit getrieben werden", sagte er. Diese bedenkliche Schuldenlast würden viele bis zum Ende des Studiums - und darüber hinaus - nicht los. Gehring wirft Bildungsministerin Anja Karliczek vor, Zehntausende Studierende sehenden Auges in die Pleite oder den Studienabbruch zu schicken.

Nach Ansicht der Grünen war die Lage vieler Studierender schon vor der Pandemie prekär. Sie fordern deshalb schon länger eine Reform der staatlichen Studienfinanzierung.

Auch die SPD hatte eigentlich gefordert, das BAföG zumindest kurzfristig auf diejenigen auszuweiten, die Corona-bedingt ihren Nebenjob verloren haben - dann aber im Koalitionsausschuss zähneknirschend den zinslosen Krediten zugestimmt.

"Das Prekariat der Studierenden"

Das Deutsche Studentenwerk teilt die Ansicht der Grünen, dass es vielen Studierenden auch schon vor der Krise finanziell schlecht ging. "Dass viele Studenten keine pandemie-bedingte Notlage nachweisen können heißt nicht, dass sie nicht in einer Notlage sind ", hatte Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde dem "Handelsblatt" gesagt. Die Notlage habe schlicht schon vorher bestanden.

Demnach verfügt ein Prozent der Studierenden über maximal 400 Euro im Monat, vier Prozent zwischen 400 und 500 Euro und neun Prozent über 500 bis 600 Euro. "Das ist das Prekariat der Studierenden - und zeigt, dass die Studienfinanzierung insgesamt im Argen liegt", kritisierte Meyer auf der Heyde.

Nach Angaben von Schuldnerberatungen sind zwei Drittel der Studierenden schon vor der Krise mit durchschnittlich etwa 8500 Euro Schulden von der Uni gegangen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Juli 2020 um 10:00 Uhr.

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