Münzen im Wert von fünf Euro werden über ein rotes Portemonnaie gehalten. | dpa

Datenreport 2021 Pandemie verschärft soziale Ungleichheit

Stand: 10.03.2021 13:34 Uhr

Menschen, die ohnehin wenig verdienen, hat der erste Lockdown laut einem Sozialbericht besonders schwer getroffen. Jeder Fünfte von ihnen hat demnach "ernsthafte Geldprobleme".

Die Corona-Pandemie trifft Menschen mit geringem Einkommen besonders hart. Dies geht aus einem umfassenden Sozialbericht hervor, den das Statistische Bundesamt gemeinsam mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) veröffentlichte. Laut der Experten könnte dies dazu führen, dass sich die soziale Schieflage in Deutschland dauerhaft verschärft.

Für den Datenreport 2021 wurden amtliche Statistiken mit empirischen Befunden der Sozialforschung kombiniert. Demnach waren im ersten Lockdown Menschen mit höherem Einkommen zwar häufiger von Einkommenseinbußen betroffen. Die Folgen der Pandemie für Menschen mit Niedrigeinkommen waren aber härter.

Geldsorgen und Angst vor der Zukunft

Rund jeder Fünfte in dieser Gruppe gab an, von finanziellen Schwierigkeiten und Risiken betroffen zu sein, oder ging davon aus, dass dies in den kommenden zwölf Monaten so sein würde. "Das heißt, sie waren in Zahlungsschwierigkeiten geraten, mussten Kredite aufnehmen, waren in ernsthafte Geldprobleme geraten, mussten möglicherweise auf Ersparnisse zurückgreifen, Sozialleistungen beantragen oder ihren Lebensstandard drastisch einschränken", erläuterte WZB-Experte Philipp Wotschack.

Alleinerziehende besonders betroffen

Die Befragungen liefen von Ende März bis Anfang Juli vergangenen Jahres. Unabhängig vom Beruf waren Alleinerziehende mit 25 Prozent am häufigsten von finanziellen Problemen betroffen. Menschen mit Migrationshintergrund berichteten mit 15 Prozent fast doppelt so häufig von finanziellen Schwierigkeiten wie Menschen ohne Migrationshintergrund mit acht Prozent.

Neben Selbstständigen (20 Prozent) gaben an- und ungelernte Arbeiter und Arbeiterinnen (17 Prozent) und einfache Angestellte (14 Prozent) besonders häufig an, Geldprobleme zu haben. Bei Menschen in qualifizierten Angestelltenberufen lag der Anteil mit neun Prozent deutlich niedriger.

Die untersten Einkommensgruppen waren demnach häufiger von Freistellungen und Arbeitslosigkeit betroffen. Im Vergleich zu den oberen Bildungs- und Einkommensgruppen waren sie seltener in der Lage ins Homeoffice zu gehen und mussten vor Ort arbeiten.

Armut als Dauersituation

Zugleich zeigt der mehr als 500 Seiten lange Bericht: Wer in Deutschland einmal unter die Armutsgrenze rutscht, bleibt immer öfter länger arm. So beträgt der Anteil dauerhaft von Armut bedrohter Bürger an allen in prekären sozialen Verhältnissen lebenden Menschen 44 Prozent - und ist damit mehr als doppelt so hoch wie noch 1998.

Die vorgestellten Zahlen zu den sich verfestigenden Armutsrisiken seinen bedrückend, sagte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, auf einer Online-Pressekonferenz zum Sozialreport.

Verschlimmerung durch Corona

Die ab Frühjahr 2020 über Deutschland gerollte erste Corona-Welle habe die Gesellschaft zudem "ungleicher" gemacht. Die Pandemie habe sich mit Blick auf die Sozialstruktur nicht wie anfänglich erwartet als "großer Gleichmacher" erwiesen, sondern eher als "starkes Vergrößerungsglas" - und dies auch perspektivisch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. März 2021 um 14:00 Uhr.