Bayern, Bergen: Autoreisende warten in ihren Fahrzeugen darauf, dass Mitarbeiter vom Bayerischen Roten Kreuz an einem Corona-Testzentrum an der Autobahn 8 (A8) an der Rastanlage Hochfelln-Nord Abstriche von ihnen nehmen. | dpa

Corona-Panne Warten auf Testergebnisse aus Bayern

Stand: 13.08.2020 11:28 Uhr

Nach dem Corona-Test-Debakel gerät die bayerische Regierung in Bedrängnis. Von verschiedenen Seiten werden Rufe nach Konsequenzen - und einem Rücktritt - laut. Die 900 positiv Getesteten sollen nun aber endlich Bescheid bekommen.

Nach der Corona-Testpanne in Bayern sollen Hunderte Getestete heute über ihr positives Ergebnis informiert werden. Wegen Problemen bei der händischen Datenübermittlung hatten 44.000 Reiserückkehrer - darunter auch 900 nachweislich Infizierte - tagelang keinen Bescheid über ihre Befunde bekommen. Sie waren größtenteils bereits vergangene Woche getestet worden.

Die gestern bekannt gewordene Panne bringt die Staatsregierung von Ministerpräsident Markus Söder in Bedrängnis. Oppositionspolitiker von Grünen, SPD und FDP sprachen wahlweise von eklatantem Regierungsversagen, einer desolaten Bilanz und Schlamperei. Verantwortlich machten sie in erster Linie den Regierungschef, der zuletzt als Krisenmanager auch in deutschlandweiten Umfragen Spitzenwerte erzielte.

Rücktritt von Huml gefordert

Doch auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml geriet unter Druck. So fordert die Landes-SPD ihren Rücktritt. "Frau Huml muss zurücktreten und Herr Söder muss sich erklären", sagte Generalsekretär Uli Grötsch im BR. "Er muss Buße tun, weil er als Ministerpräsident seiner Verantwortung schlichtweg nicht gerecht geworden ist und mit der Gesundheit der Menschen in Bayern gespielt hat."

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann sprach im BR von der größten Panne, die es bei der Pandemie-Bekämpfung in Deutschland bisher gegeben habe. Man habe eine Sicherheit vorgetäuscht, die man nicht liefern konnte. Hartmann griff Söder persönlich scharf an: "Beim Ankündigen von neuen Maßnahmen kann er keine Pressekonferenz auslassen. Wenn es dann mal schief läuft, dann schiebt er die Gesundheitsministerin vor. Da hätte ich schon erwartet, dass er das Rückgrat hat, sich selber hinzustellen."

Krisensitzung in der Staatskanzlei

Auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, übte Kritik an der bayerischen Regierung. "So etwas darf nicht passieren", sagte er im SWR-Hörfunk. Da müssten auch Konsequenzen erfolgen. Ein Test müsse schnell ausgewertet werden. Nur so könne die Pandemie in Deutschland im Griff gehalten werden.

Als erste Reaktion auf die Test-Panne hatte Söder zunächst eine für heute geplante Reise an die Nordsee abgesagt. "Bayern geht vor", schrieb er auf Twitter. Zudem rief er eine Krisensitzung ein, bei der Huml sowie der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, dabei sein sollen.

Unterdessen war das LGL-Bürger-Telefon nicht erreichbar. Die Corona-Hotline sei "aus organisatorischen Gründen" nicht besetzt und sei erst wieder am Freitag von 8 bis 18 Uhr erreichbar, hieß in einer automatischen Ansage. Das Landesamt ist die erste Stelle in Bayern für Corona-Tests und alle damit zusammenhängenden Fragen.

Nachtschicht für Datenübermittlung

Am Mittwochnachmittag hatte Huml bekanntgegeben, dass Tausende Reiserückkehrer nach Tests in Bayern noch kein Ergebnis bekommen hätten - darunter auch die Infizierten. Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots.

In den tagesthemen erklärte Huml, dass zu Beginn der Tests die Daten der getesteten Personen noch von ehrenamtlichen Mitarbeitern händisch übertragen worden sein. Das habe zu einer großen Verzögerung geführt. "Ein solch neuaufgelegter Prozess dauert eine Zeit, bis er sich einspielt", so Huml. Über die Ausmaße der Verzögerungen wusste sie nach eigenen Angaben aber nicht Bescheid. "Diese Dimension war mir vorher nicht bekannt gewesen", so Huml.

Auf die Frage, wer für die Panne die Verantwortung trage, sie oder Söder, antwortete die Ministerin ausweichend. "Es ist wichtig, dass wir jetzt die Problematik erkannt haben und uns entsprechend darum kümmern und dass wir hier eben diese Verantwortung annehmen", sagte sie. Mehr als 300 Mitarbeiter allein beim Landesamt arbeiteten nun die Nacht über, und man habe auch Unterstützung aus anderen Behörden.

Rotes Kreuz kritisiert Behörden

Unterdessen kritisierte das Bayerische Rote Kreuz (BRK) die Behörden. Die bayerischen Hilfsorganisationen seien vom Freistaat beauftragt worden, innerhalb eines Tages fünf Teststationen zu errichten. Dabei hätten sie sich an den Vorgaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Gesundheitsämter orientiert. "Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden", hieß es in einer Mitteilung.

Seit Ende Juli hatte die bayerische Landesregierung Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord, Inntal-Ost und Donautal-Ost einrichten lassen.

Außerdem können sich Reisende bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg testen lassen, seit Anfang August in Memmingen. Zunächst war das Angebot freiwillig. Für Rückkehrer aus Risikogebieten greift nun eine bundesweite Testpflicht.