Menschen stehen am Kölner Hauptbahnhof für einen Corona-Test an | dpa

Steigende Corona-Fallzahlen "Umsicht, Vorsicht, Solidarität"

Stand: 18.10.2020 10:00 Uhr

Nach der Mahnung der Kanzlerin haben weitere Politiker die Bevölkerung zu mehr Engagement im Kampf gegen Corona aufgerufen. CSU-Chef Söder mahnte zu "Umsicht, Vorsicht und Solidarität". SPD-Politiker Lauterbach warnte vor lokalen Shutdowns.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bekommt für ihren eindringlichen Appell an die Bevölkerung zur Verringerung von Kontakten Unterstützung.

"Die Lage ist ernst. Wenn wir nicht rasch gegensteuern, gerät Corona außer Kontrolle", sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder der "Bild am Sonntag". Wer zögere, riskiere einen zweiten Lockdown, sagte der CSU-Chef. "Nie waren Umsicht, Vorsicht und Solidarität so wichtig wie jetzt."

Lauterbach hält lokale Shutdowns für möglich

Nach Einschätzung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach könne nur die Bevölkerung einen erneuten Lockdown noch abwenden. "Es wird darauf ankommen, wie sich die Bevölkerung verhält. Das ist wichtiger als einzelne Maßnahmen", sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele staatliche Corona-Auflagen ließen sich ohnehin schwer überprüfen. Die Frage sei, ob es gelinge, einen ausreichend großen Teil der Bevölkerung davon zu überzeugen, ihre Kontakte einzuschränken. 

Wenn es nicht gelinge, das exponentielle Wachstum zu bremsen, "steigen die täglichen Fallzahlen innerhalb kürzester Zeit so stark an, dass die Kliniken und Gesundheitsämter überlaufen werden", so Lauterbach. Die Folge seien "lokale Shutdowns". Bei exponentiellem Wachstum sei in den betroffenen Regionen nach einigen Wochen nichts anderes möglich.

Merkel mahnt Einschränkung von Kontakten an

In ihrem wöchentlichen Podcast hatte Merkel am Samstag dazu aufgerufen, die Zahl der Kontakte außerhalb der Familie zu begrenzen und das Reiseverhalten deutlich einzuschränken. "Ich bitte Sie: Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist, auf jede Feier, die nicht wirklich zwingend notwendig ist. Bitte bleiben Sie, wenn immer möglich, zu Hause, an Ihrem Wohnort."

Deutschland befinde sich in einer "sehr ernsten Phase der Corona-Pandemie", so Merkel weiter. Die Ausbreitung des Coronavirus sei "schneller noch als zu Beginn vor mehr als einem halben Jahr". Nun zähle jeder Tag. In dieser Situation reiche es nicht mehr aus, Abstand zu halten und Maske zu tragen. "Wir müssen jetzt noch weiter gehen. Die Wissenschaft sagt uns klar: Die Ausbreitung des Virus hängt direkt an der Zahl der Kontakte, der Begegnungen, die jeder von uns hat."

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans rief die jüngere Generation zu mehr Umsicht und Solidarität auf. "Da müssen wir dieser Generation, die in unserer Gesellschaft in vielen ethischen Fragen wie Klimaschutz oder internationale Konflikte ein wichtiger Mahner ist, ganz unmissverständlich sagen: Es geht auch hier nicht nur um Euch, sondern Ihr gefährdet mit Eurem Verhalten auch andere, besonders die Schwächeren", sagte Walter-Borjans dem "Spiegel". Er betonte zugleich, man solle "nicht einer ganzen Generation schlechten Charakter unterstellen".

Rücksicht und Vernunft als "wirksamste Mittel"

Deutschland sei bisher vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen, weil die Menschen zusammenhalten und die Regeln aus Rücksicht und Vernunft befolgt hätten. "Das ist das wirksamste Mittel, das wir zurzeit gegen die Pandemie haben. Jetzt ist es nötiger denn je." Der vergleichsweise entspannte Sommer sei vorbei. Es stünden schwierige Monate bevor. Wie der Winter verlaufe, entscheide sich in den kommenden Tagen und Wochen. "Das entscheiden wir alle durch unser Handeln", mahnte Merkel.

Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, müssten die Kontaktpersonen jedes infizierten Menschen benachrichtigt werden, um die Ansteckungsketten zu unterbrechen. Die Gesundheitsämter leisteten zwar "Großartiges", aber wo die Zahl der Infizierten zu hoch werde, kämen sie nicht mehr hinterher.

Kretschmer fordert Hilfe für Gesundheitsämter

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer forderte deshalb eine stärkere Unterstützung durch die Bundeswehr in den Gesundheitsämtern. "Wir sind in der exponentiellen Phase", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Wir müssen damit rechnen, dass sich die Zahl der Neuinfektionen im Drei- oder Vier-Tages-Rhythmus verdoppelt. Das bringt die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Kontakten positiv getesteter Fälle an ihre Grenzen und wir können die Infektionsketten nicht mehr unterbrechen."

Laut Kretschmer müssen die Gesundheitsämter dringend personell aufgerüstet werden. "Da muss die Bundeswehr stärker eingebunden und Mitarbeiter aus den Landesministerien abgeordnet werden. Die Polizei muss den Ordnungsämtern bei der Kontrolle der Maßnahmen helfen."

Am frühen Morgen meldete das Robert Koch-Institut 5587 Corona-Neuinfektionen in Deutschland, eine Woche zuvor waren es 3483 neue Fälle. Am Samstag war mit 7830 zum dritten Mal in Folge einen Höchstwert erreicht worden. An Sonntag und Montagen sind die erfassten Fallzahlen meist niedriger, auch weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2020 um 04:55 Uhr.

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KOMMENTARE

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Superdemokrat 18.10.2020 • 06:25 Uhr

die Politik...

ist völlig überfordert...das Virus hätte längst weg sein können...