Schweine stehen in einem Stall | Bildquelle: dpa

Volle Ställe wegen Corona-Krise Schweinestau lässt Bauern verzweifeln

Stand: 08.10.2020 17:18 Uhr

In der Corona-Krise haben große Schlachthöfe ihre Kapazitäten heruntergefahren. Für Bauern ist das ein existenzbedrohendes Problem: Ihre Schweineställe werden immer voller und der Umsatz ist eingebrochen.

Angesichts Corona-bedingt reduzierter Schlachtkapazitäten fordern Landwirte Hilfe von Politik und Behörden. Vor allem in Niedersachsen, einer der Schwerpunkte der Schweinehaltung in Deutschland, befänden sich die Betriebe in einer existenzgefährdenden Notlage, erklärten das Landvolk Niedersachsen und die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) gemeinsam.

Notwendig sei ein Maßnahmenbündel: die vorübergehende Aussetzung von Schlachtobergrenzen, die Verlängerung der Arbeitszeit und zeitweise Ausnahmen bei den gesetzlichen Platzvorgaben für die Tierhaltung.

Weniger Schlachtungen wegen des Infektionsschutzes

Die Schlacht- und Zerlegekapazitäten sind schon seit Wochen aus Infektionsschutzgründen reduziert. Erschwerend kommen aktuelle Corona-Infektionen in zwei Großschlachthöfen in Niedersachsen hinzu: Ein Vion-Schlachthof im Kreis Cloppenburg musste seine Kapazitäten um gut die Hälfte reduzieren, ein zum Tönnies-Konzern gehörender Betrieb im Emsland muss zum Wochenende für drei Wochen komplett schließen. Tönnies hat dagegen Rechtsmittel angekündigt.

Dadurch können etwa 120.000 Schweine pro Woche weniger geschlachtet werden. Beide Betriebe stellten zusammen 40 Prozent der Schlachtkapazitäten für Schweine in Niedersachsen, sagte Landesagrarministerin Barbara Otte-Kinast im Landtag in Hannover. Unter Tränen erklärte sie den Abgeordneten, die Verzweiflung unter den Bauern sei sehr groß.

Schweine haben immer weniger Platz

"Wir werden in den nächsten Wochen ein gravierendes Tierschutzproblem in vielen Ställen bekommen", sagte Otte-Kinast mit Blick darauf, dass die Halter keine Abnehmer für ihre Tiere mehr finden.

Die Lage wird zusätzlich durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest verschärft - in vielen Ländern gelten inzwischen Einfuhrverbote für deutsches Schweinefleisch.

"Brauchen jetzt Kompromissbereitschaft"

Sollten die Schlacht- und Zerlegekapazitäten nicht schnell wieder aufgestockt werden, könnten zu Weihnachten weit über eine Million Schweine in den Ställen stehen, sagte Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter.

Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte, alle Möglichkeiten zu nutzen, den "Schweinestau" in den Ställen abzubauen. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sprach er sich für Wochenendarbeit in den deutschen Schlachthöfen aus: "Wir brauchen jetzt Kompromissbereitschaft, um auch Tierwohl weiter gewährleisten zu können."

Klöckner: "Weiteren Zuwachs vermeiden"

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ist für Ausnahmegenehmigungen für Sonn- und Feiertagsarbeit. An die Adresse der Landwirte mahnt sie jedoch: "Ich sage aber auch ganz klar, dass alles getan werden muss, um einen weiteren Zuwachs in den Ställen zu verlangsamen."

Am Freitag trifft sich Klöckner mit ihren Amtskollegen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, um über mögliche Lösungen zu beraten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Oktober 2020 um 14:45 Uhr.

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