Eine Schutzmaske liegt auf einer Federtasche in einer Schule. | dpa

Debatte über Corona-Schutz Wie können die Schulen offen bleiben?

Stand: 11.07.2021 20:06 Uhr

In einem sind sich Politiker und Forscher einig: Schulschließungen wegen der Pandemie soll es im Herbst nicht mehr geben. Aber wie kann das gelingen? Im Gespräch sind Impfungen für Kinder und eine Fortsetzung der Maskenpflicht.

Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hat vor erneuten Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Bis zum nächsten Schuljahr müssten die Schulen technisch so umgerüstet werden, dass der Unterricht auch bei schwieriger Infektionslage ungestört fortgeführt werden könne, sagte Schleicher im MDR. "Diese Schulschließungen dürfen sich einfach nicht wiederholen."

Eine große Zahl junger Menschen sei während der Krise "völlig durchs Raster gefallen", stellte der Bildungsexperte fest, der auch für den internationalen Schulleistungsvergleich PISA verantwortlich ist. Die Pandemie habe die sozialen Benachteiligungen noch einmal deutlich verstärkt. Schleicher warb dafür, jüngere Kinder und Kinder aus "sozial benachteiligten Schichten" nun gezielt zu fördern.

Erste Länder starten Schuljahr Anfang August

Sechs Bundesländer sind inzwischen in den Sommerferien. Die meisten anderen folgen bis zum Monatsende. Anfang August beginnt dann in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern schon wieder das neue Schuljahr. In der Politik mehren sich deshalb die Rufe nach einer Aufrechterhaltung von Corona-Schutzmaßnahmen und nach Impfungen für Kinder und Jugendliche, um erneute Schulschließungen zu verhindern

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, ihm sei wichtig, dass jetzt alles getan werde, was an Vorbereitung möglich sei, um nach den Sommerferien Präsenzunterricht an jeder Schule, für jede Schülerin und jeden Schüler möglich zu machen. Ähnlich äußerte sich Unionskanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet im ARD-Sommerinterview: Präsenzunterricht sei die einzige Garantie für manche Kinder, dass sie echte Bildungschancen haben.

Lambrecht für Fortsetzung der Maskenpflicht

Bundesfamilien- und Justizministerin Christine Lambrecht sprach sich für die Beibehaltung der Maskenpflicht an den Schulen aus. Verschiedene Länder hatten das zumindest für die ersten Wochen des neuen Schuljahres auch schon angekündigt, um Übertragungen durch Reiserückkehrer einzudämmen. Lambrecht sagte der "Welt am Sonntag", stundenlanges Maskentragen in den Klassenräumen sei sehr belastend, aber noch notwendig, um einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble warnte in der "Bild am Sonntag" vor neuen Schulschließungen und sprach sich für die Impfung von jungen Menschen aus, wenn diese das wollten. "Wenn wir es durch Impfungen der 12- bis 17-Jährigen schaffen, dass wir Einschränkungen im Schulbetrieb vermeiden, dann ist das ein gewichtiges Argument", sagte Schäuble. Er plädierte auch dafür, in geschlossenen Räumen weiter Masken zu tragen, bevor man riskiere, wieder Schulen schließen zu müssen.

Esken fordert Rücksichtnahme der Erwachsenen

SPD-Chefin Saskia Esken warnte vor Covid-Langzeitfolgen für junge Menschen und forderte, Kinder und Jugendliche stärker zu schützen. "Wir dürfen nicht noch mehr Zeit verlieren in dem Irrglauben, Kinder und Jugendliche seien nicht gefährdet", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Sie forderte Rücksichtnahme von "den überwiegend geimpften älteren Erwachsenen" und äußerte sich kritisch zu Großveranstaltungen. Tests für Reiserückkehrer und für nicht Geimpfte in Betrieben sollten nach Eskens Ansicht aufrechterhalten werden.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt kritisierte die Bundesregierung: "Wir laufen mit Ansage in einen zweiten Corona-Herbst, und wieder unternimmt die Bundesregierung viel zu wenig, um Kitas und Schulen zu sichern. Kinder, Jugendliche und ihre Familien drohen erneut, vergessen zu werden", sagte sie den Funke-Zeitungen. Sie forderte "jetzt einen Kita- und Schulgipfel, damit sich dieses Planungsversagen nicht wiederholt".

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte sich mit Blick auf das neue Schuljahr zuvor optimistisch gezeigt. Sie sei "zuversichtlich, dass diesen Herbst die Schulen grundsätzlich offen gehalten werden können". "Wir haben jetzt eine ganz andere Ausgangslage nach den Ferien. Wir haben eine steigende Impfquote, eine gute Teststruktur", sagte die CDU-Politikerin der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. Juli 2021 um 16:35 Uhr.