Eine Schülerin sitzt mit Maske in einer Gesamtschule in Münster in Nordrhein-Westfahlen | dpa

Debatte über Unterricht ohne Maske Völlig angemessen oder ziemlich dumm?

Stand: 02.10.2021 09:00 Uhr

Der Streit um die Maskenpflicht an Schulen tobt weiter: Ärzteverbände plädieren für eine Abschaffung und verweisen auf das geringe Infektionsgeschehen. Die Virologin Brinkmann dagegen hält den Schritt für "ziemlich dumm".

In der Debatte um eine Maskenpflicht an Schulen haben sich Ärztevertreter für eine Abschaffung der Maßnahme ausgesprochen. "Es ist völlig unangemessen, dass Kinder und Jugendliche stundenlang im Unterricht eine Maske tragen müssen, während die Erwachsenen abends maskenlos ins Lokal gehen können", sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Maskenpflicht im Unterricht müsse jetzt bundesweit in allen Schultypen entfallen.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach. "Ich halte eine generelle Fortsetzung einer Maskenpflicht in Schulen für unangemessen", sagte Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er sehe keinen Grund, warum Grundschüler im Unterricht grundsätzlich weiterhin Maske tragen sollten, zumal sie erheblich weniger zum Infektionsgeschehen beitrügen als Jugendliche und Erwachsene. Die Entscheidung müsse sich jeweils an den Inzidenzwerten und am Lebensalter der Kinder ausrichten. Fischbach kritisierte, es könne nicht sein, dass den Jüngsten das Maskentragen "weiterhin von der Gesellschaft zugemutet wird, um auf diejenigen Rücksicht zu nehmen, die sich einer Impfung verweigern".

Saarland und Bayern schaffen Maske ab

In mehreren Bundesländer ist die Maskenpflicht - teils für bestimmte Altersklassen - bereits gefallen. So müssen Schülerinnen und Schüler im Saarland seit Freitag generell keine Maske mehr im Unterricht tragen. In Bayern gilt dies ab der kommenden Woche. An Brandenburger Schulen ist die Maskenpflicht bis zur sechsten Klasse aufgehoben, in Berlin gilt diese Regelung von Montag an. Weitere Länder wie etwa Baden-Württemberg erwägen ebenfalls, die Maßnahme aufzuheben.

Einen solchen Schritt hält Virologin Melanie Brinkmann dagegen für deutlich verfrüht. "Wenn man etwas abschaffen möchte, dessen Nutzen wissenschaftlich erwiesen ist und das fast nichts kostet, kann man das machen. Die Frage ist nur, ob es klug ist", sagte Brinkmann der "Rheinischen Post". "Bei der hohen Anzahl an Nicht-Geimpften, und hierzu zählen die Kinder, halte ich diese Entscheidung für verfrüht - und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm", kritisierte die Virologin vom Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung.

Gefahr von "Long Covid"

Auch der Deutsche Lehrerverband sieht ein Ende der Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler skeptisch, die Bildungsgewerkschaft VBE rief ebenfalls zur Vorsicht auf. Sie argumentieren, dass auch Kinder schwer erkranken könnten, und verweisen auf die Gefahr von "Long Covid" - also Spätfolgen einer Infektion. Kinder- und Jugendmediziner dagegen argumentieren, es sei wissenschaftlicher Konsens, dass Kinder und Jugendliche selbst nur in seltenen Fällen schwer durch eine Corona-Infektion erkrankten und dass sie in der Regel schnell genesen würden.

Das Coronavirus geht nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) besonders stark bei Kindern ab dem Vorschulalter und Jugendlichen bis 19 Jahren um. Die RKI-Experten sowie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnten zuletzt vor einer Corona-Welle im Herbst und Winter.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Oktober 2021 um 21:41 Uhr.

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KOMMENTARE

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bolligru 02.10.2021 • 13:29 Uhr

13:04 von DrBeyer

"Die Überlastung war extrem real. Gehen Sie mal ins Krankenhaus und fragen Sie die dortigen Pflegekräfte!" Das war auch VOR Corna der Fall. Leider hat die Politik wenig daraus gelernt. Es müssen bessere Arbeitsbedingungen geschaffen werden und die Bezahlung dürfte auch deutlich besser sein. Was die Krankenhausauslastung/ Überlastung angeht, so stehen hier Daten zur Verfügung, u.a. veröffentlicht durch das RKI. Zu Beginn des Jahres mußten 5762 Patienten im Zusammenhang mit Covit intensivmedizinisch behandelt werden, jetzt sind es 1364 (Tendenz rückläufig). (RKI bezieht seine Daten in diesem Fall vom DIVI Intensivregister) Eines ist klar: Geimpfte sind erheblich weniger von einem schweren Verlauf betroffen als Ungeimpfte. Also sollten sich besonders die Älteren, die häufiger von einem schweren Verlauf betroffen sind, unbedingt impfen lassen. Da aber mittlerweile ca. 80% der über 18jährigen geimpft sind (+viele unerkannt infiziert), ist die Lage nicht so dramatisch wie immer beschrieben.