Eine Hand mit Einweghandschuh ordnet die Testergebnisse von Corona-Schnelltests | dpa

Coronavirus Schnelltests mit Omikron-Schwächen

Stand: 12.02.2022 07:00 Uhr

Die neue Testverordnung setzt noch stärker auf Schnelltests - aber wie gut die bei Omikron funktionieren, ist umstritten. Verschiedene Wissenschaftler haben nun einige Tests mit Blick auf die Virusvariante geprüft.

Von Kristin Becker, ARD-Hauptstadtstudio

Noch lässt sie auf sich warten, die offizielle Positivliste für Corona-Schnelltests, die auch bei Omikron gut funktionieren. Angekündigt hatte sie Bundesgesundheitsminister Lauterbach im Januar. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist damit beauftragt.

Kristin Becker ARD-Hauptstadtstudio

Unabhängig davon hat eine Gruppe um den Münchner Virologen Oliver Keppler nun bei neun Antigen-Schnelltests untersucht, wie gut sie die Virusvariante erkennen. Die Studie, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, muss noch abschließend von anderen Wissenschaftlern begutachtet werden und soll nächste Woche online gestellt werden.

Ernüchternde Ergebnisse

Die Ergebnisse sind ernüchternd. Acht der neun Tests - darunter auch solche, die aktuell in vielen Apotheken, Drogerien und Supermärkten verkauft werden - schnitten bei Omikron deutlich schlechter ab als bei Delta oder den ersten Varianten des Coronavirus.

So erkannten einige der Tests nur in der Hälfte der Fälle die Infektionen oder sogar noch weniger. Und das trotz sehr hoher Viruslast der Proben. Bei lediglich hoher Viruslast - also wenn man auch schon ansteckend sein kann - waren die meisten der untersuchten Tests ein Totalausfall.

Test-Checks vor Omikron

Nur ein Schnelltest der Stichprobe erreichte bei sehr hohen Omikron-Viruslasten überhaupt eine Sensitivität von 75 Prozent. Das ist eigentlich die Mindestanforderung dafür, dass Tests beispielsweise in Testzentren, Schulen oder Pflegeheimen in Deutschland eingesetzt und erstattet werden können.

Dabei hatten die meisten der untersuchten Antigentests in früheren Evaluierungen etwa durch das Paul-Ehrlich-Institut zumindest zum Teil gut bis sehr gut abgeschnitten. Allerdings erfolgten diese Checks vor Omikron und mit etwas anderer Methodik.

Vergleich mit Delta-Proben

Für Oliver Keppler ist das ein Zeichen dafür, dass sich von vorherigen Prüfergebnissen "nicht automatisch darauf schließen lässt, wie gut bestimmte Schnelltests bei einer neuen Virusvariante funktionieren".

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher und Forscherinnen Proben von Patienten aus dem Großraum München, bei denen in den vergangenen Wochen per PCR-Testung Omikron nachgewiesen wurde, und verglichen diese auch mit Delta-Proben.

"Erhebliche Leistungsunterschiede"

Auch das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB), das für die geplante Positivliste mit dem PEI zusammenarbeitet, hat Schnelltests auf ihre Omikronsensitivität untersucht - zuerst hatte "Zeit Online" darüber berichtet. Auf Nachfrage des ARD-Hauptstadtstudios erklärt Institutsleiter Roman Wölfel, dass vier der 28 Tests, die geprüft wurden, bei Omikron schlechter abgeschnitten hätten.

Ein Test zeigte eine bessere Sensitivität. Man habe die "teilweise erheblichen Leistungsunterschiede der Schnelltests", die schon vorher bekannt gewesen seien, "auch für den Omikron-Nachweis bestätigt".

Andere Vorgehensweise

Welche Tests untersucht wurden, wollte Wölfel nicht sagen, um der Gesamtauswertung des PEI nicht vorzugreifen. Diese soll Mitte Februar kommen.

Die Forscher am IMB sind anders vorgegangen als das Team von Oliver Keppler. Die Auswertung basiere, so Wölfel, teilweise auf Patientenproben, teilweise aber auch auf standardisierten Viruspräparationen aus dem Labor.

"Datenlage ist heterogen"

Dass es Unterschiede zwischen unterschiedlichen Laborevaluationen, aber auch im Vergleich zu klinischen Studien geben kann, bestätigt Manuel Krone, Infektionsepidemiologe am Universitätsklinikum Würzburg. "Die Datenlage bei den Schnelltests, gerade auch mit Blick auf Omikon, ist heterogen", so Krone. Viele verschiedene Punkte könnten die Funktionalität beeinflussen. Zentral sei dabei auch die Abstrichnahme und das Testmaterial an sich.

In Würzburg wird derzeit eine große klinische Studie mit 50.000 Probanden durchgeführt. Dabei werden ausgewählte Schnelltests auch auf ihre Omikronfunktionalität gecheckt. Man prüfe die Tests drei verschiedener Hersteller, mehr sei im Klinikalltag nicht machbar.

Schwankende Qualität ist ein Problem

Erste Erkenntnisse zeigten, dass die untersuchten Schnelltests auch bei Omikron anschlagen, so Studienleiter Krone. Für belastbare Bewertungen sei es aber zu früh. Grundsätzlich liege die Sensitivität der meisten Schnelltests im klinischen Praxiseinsatz allerdings deutlich unter den Herstellerangaben und auch unter den Ergebnissen von Laborstudien. Das hätten bereits frühere Untersuchungen gezeigt.

Die schwankende Qualität der Schnelltests bleibt ein Problem, betont Keppler - besonders wenn noch stärker als bisher auf Schnelltests anstelle von PCR-Tests gesetzt wird, wie es die veränderte Testverordnung nun vorsieht. "Gerade für Risikosituationen sollten wir nicht dauerhaft und in diesem Ausmaß auf Antigenschnelltests setzen", sagt Keppler. "Wenn die Omikronwelle vorbei ist, sollten wir uns wirklich überlegen, mit welchen Teststrategien wir in die kommenden Jahre gehen. Denn dieses Virus wird nicht weggehen."

Über dieses Thema berichtete das Erste im Berichte aus Berlin am 09. Januar 2022 um 18:05 Uhr.