Bundesaußenminister Heiko Maas spricht bei einer Pressekonferenz | picture alliance/dpa

Maas zu Corona-Rückholaktion "Viele Menschen sind einfach in Not"

Stand: 19.03.2020 14:00 Uhr

Grenzen dicht, Flüge gestrichen: Tausende deutsche Touristen sitzen angesichts der Corona-Pandemie noch im Ausland fest. Außenminister Maas kündigte an, sie zurückzuholen - zunächst auf Kosten der Regierung.

Alfred Schmit ARD-Hauptstadtstudio

Von Alfred Schmit, ARD-Hauptstadtstudio

Tausende Deutsche sitzen nach wie vor im Ausland fest und kommen nicht von ihrem jeweiligen Reiseziel weg - die Gründe sind vielfältig: Manche hatten die Rückreise für einen späteren Zeitpunkt geplant und können nun nicht umbuchen. Oder an den Flughäfen im Reiseland herrschen schwierige Verhältnisse mit langen Warteschlangen.

Außerdem beschreiben manche im Netz, dass sie Angst haben davor, dass Fluggesellschaften keine Rückreisen mehr anbieten oder dass ihr Reiseland demnächst Beschränkungen erlässt - für die Ausreise oder generell.

Rückholaktion wird verstärkt

Bundesaußenminister Heiko Maas verspricht schnelle Hilfe. Die Rückholaktion ist bereits im Gange - und wird in den kommenden Tagen verstärkt weitergehen. Vor allem aus Ägypten, Tunesien und Marokko seien bereits mehrere tausend Deutsche zurückgeflogen worden, sagte der SPD-Politiker.

Alle, die noch mit regulären Flügen aus ihren Reiseländern zurückkehren können und wollen, sollten dies allerdings auch tun, so Maas im ARD-"Morgenmagazin": "Wir werden übers Wochenende alleine aus Ägypten wahrscheinlich 20.000 Touristen zurückbringen - teilweise noch mit den Reiseveranstaltern, denen wir Überflugrechte und Landegenehmigungen besorgen, aber teilweise auch schon mit den Fliegern, die wir jetzt insbesondere bei der Lufthansa, Condor und auch bei TUI gechartert haben." Vor allem aus Gebieten, in denen es keinen Flugverkehr mehr gibt, sollten deutsche Touristen zurückgeholt werden.

Kostenfrage noch ungeklärt

Alle deutschen Konsulate und Botschaften im Ausland seien in diese Rückholaktion eingebunden, sagte Maas. Was die Kosten der Flüge betrifft, so stehe im Moment die sichere und schnelle Rückkehr im Vordergrund, betonte der Minister. "Normalerweise müssen sich Menschen, die zurückgebracht werden, auch daran beteiligen. Um das jetzt alles nicht zu verzögern, haben wir diese Frage erst mal zurückgestellt, weil viele Menschen einfach auch in Not sind."

Die Bundesregierung habe Maschinen deshalb auf eigene Kosten gechartert, vor allem bei der Lufthansa. "Wie wir das mit den Kosten abwickeln, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden", so Maas.

Wo nötig, werden Untersuchungen durchgeführt

Anders als bei der Rückholaktion aus China Anfang Februar ging es diesmal nicht darum, Deutsche aus Corona-Risikogebieten auszufliegen. Stattdessen sollen Heimkehrer generell aus Situationen befreit werden, aus denen sie mit regulären Flügen nicht mehr nach Deutschland kommen.

Für den Fall, dass unter den Zurückgekehrten auch Corona-Infizierte sein sollten, sei man vorbereitet, so Maas. "Leute werden ja nicht nur aus Risikogebieten zurückgebracht, sondern auch aus Ländern, die eine deutlich niedrigere Infektionsrate haben als wir hier in Deutschland." Aber natürlich werde bei den Flügen darauf geachtet, ob es Symptome gibt. Wo dies der Fall sei, würden Untersuchungen durchgeführt und die notwendigen Konsequenzen gezogen.

Kabinettsausschuss für Krisenbewältigung

Alle, die vom Ausland aus mehr über die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes erfahren wollen, können auf der Webseite diplo.de Informationen einholen. Im mittlerweile eingerichteten Kabinettsausschuss kümmern sich die Fachministerien auf Bundesebene täglich um die verschiedenen Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Krise.

Milliardenschweres Rettungspaket beschlossen

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kündigte an, die Bundeswehr notfalls auch beim Warentransport einzusetzen, um die Versorgung von Geschäften und Firmen zu garantieren.

Der Corona-Ausschuss der Bundesregierung beschloss außerdem ein milliardenschweres Rettungspaket für Solo-Selbstständige und andere Kleinst-Firmen. Davon sollen etwa Künstler, Musiker, aber auch Heilpraktiker, Dolmetscher und andere Berufsgruppen profitieren. Wie von Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Arbeitsminister Hubertus Heil bereits angekündigt, soll es für sie ein Nothilfe-Programm geben.

Neuesten Meldungen zufolge will die Bundesregierung 40 Milliarden Euro dafür bereitstellen. Schnell und unbürokratisch soll damit Klein- und Kleinst-Unternehmen geholfen werden, wie Altmaier am Morgen erneut bekräftigte. Geplant sind laut Wirtschaftsministerium direkte Zuschüsse und Darlehen. Finanzminister Olaf Scholz will diesen Fonds demnach als Sondervermögen des Bundes anlegen. Das soll für äußerst günstige Kredit-Bedingungen sorgen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. März 2020 um 09:20 Uhr.