Paulo Glowacki | Bildquelle: Marion Nissen-Glowacki

Junge Deutsche im Ausland Rückweg abgeschnitten

Stand: 24.03.2020 13:01 Uhr

Mehr als 120.000 Touristen hat die Bundesregierung inzwischen zurückgeholt. Noch schwieriger ist es, Tausende junge Deutsche auszufliegen, die im Rahmen von Freiwilligenprogrammen im Ausland leben.

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Es ist jetzt schon mehr als eine Woche her, dass Paulo Glowacki die ebenso deutliche wie dringliche Nachricht erhielt: So schnell wie möglich solle er sich vom fernen Uruguay aus auf den Heimweg nach Deutschland machen. Das versucht der 18-Jährige seitdem auch verzweifelt. Aber, so berichtet er, "zurzeit ist es überhaupt nicht absehbar, dass ich irgendeinen Flug bekomme, denn die beiden Flughäfen in Uruguay sind bis auf weiteres geschlossen, sodass ich eigentlich keine Möglichkeit habe, auszureisen."

Seit etwa einem halben Jahr lebt Paulo Glowacki in Uruguay, wie er dem ARD-Hauptstadtstudio erzählt. Betreute mit Begeisterung für den auch vom Auswärtigen Amt geförderten Freiwilligendienst "kulturweit" eine UNESCO-Weltkulturerbestätte, vier Stunden von der Hauptstadt Montevideo entfernt.

In der Warteschleife

Doch die vergangenen sieben Tage hing er fast ohne Unterbrechung am Telefon, landete in Warteschleifen der Call Center von Fluglinien, suchte genau wie seine Eltern daheim in Hamburg nach - im Wortsinn - "Auswegen" aus dem Land heraus. Bislang vergeblich: "Weil alle Systeme überlastet sind, kann ich weder umbuchen noch ein neues Ticket kaufen.

Die Grenzen zu den Nachbarländern Brasilien und Argentinien sind mittlerweile dicht. Vergangene Woche gab es kurz einen Hoffnungsschimmer: Für 4000 US-Dollar in bar gebe es doch noch einen Flug von Montevideo aus, hieß es. Doch Glowacki hatte weder so viel Geld noch die Zeit, es rechtzeitig in die Hauptstadt zu schaffen.

Nun versucht der junge Deutsche, die positiven Seiten seiner verzweifelten Situation zu sehen: "Mir selbst geht es gesundheitlich gut. Aber es zehrt natürlich an der Moral, wenn man hier auf gepackten Koffern sitzt und der letzte ist, der nicht weg kann."

Paulo Glowacki | Bildquelle: Marion Nissen-Glowacki
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Hofft auf eine baldige Rückkehr: Paulo Glowacki

Tausende Deutsche im Freiwilligeneinsatz

Trösten kann sich der junge Norddeutsche damit, dass er nicht der einzige ist. Allein für das Freiwilligenprogramm "Weltwärts" waren bis zuletzt rund 3000 junge Deutsche im Einsatz. Zahlreiche von ihnen sitzen gerade in den eher entlegenen Winkeln dieses Erdballs fest - und die Eltern besorgt, aber machtlos daheim.

Was die deutschen Touristen betrifft, so hat es das Auswärtige Amt schafft, bereits 120.000 Urlauber wieder nach Hause zu holen.

Außenminister Heiko Maas konnte gestern mit Blick auf Urlauber mitteilen, dass der "Rückfluss aus den Haupturlaubsländern abgeschlossen" sei, jetzt widme sich das Ministerium auch den "Ländern in etwas weiterer Entfernung".

Abseits der Reisezentren

Doch was die "Freiwilligen" angeht, so hat es die an Orte verschlagen, die jenseits der touristischen Zentren liegen - in Afrika, Asien, Neuseeland oder Südamerika. Auf Rückholflüge zu kommen, ist für sie daher deutlich schwieriger.

Auch die "Freiwilligen" habe man im Blick, lautet nun das Versprechen der Bundesregierung. Was das "kulturweit"-Programm betrifft, für das auch Glowacki arbeitet, habe es bereits ein Großteil der Deutschen nach Hause geschafft, heißt es auf Nachfrage aus dem Auswärtigen Amt. Und weiter: "Wir bemühen uns, auch den noch verbleibenden Freiwilligen eine Rückreise nach Deutschland zu ermöglichen." Offenbar harren aber immer noch Dutzende von Glowackis "kulturweit"-Mitstreitern an ihren Einsatzorten aus.

Apps und Listen

Um sicherzustellen, dass er nicht vergessen wird, hat sich der Hamburger in der Krisenvorsorgeliste ("ELEFAND") für Deutsche im Ausland eingetragen. Bei einer vom Auswärtigen Amt eigens eingerichteten App für Interessenten an einem Rückholprogramm ist er ebenfalls registriert (www.rueckholprogramm.de).

Und er geht auch gesundheitlich auf Nummer sicher, hält sich weitgehend drinnen auf und geht nur noch zum Einkaufen oder sportlichen Aktivitäten alleine nach draußen. Zur Arbeit gehen darf er ohnehin nicht mehr. Nun fragt sich der 18-Jährige, der als "Freiwilliger" nach Uruguay kam, wie lange er noch unfreiwillig in dem Land festhängen wird. 

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