Labormitarbeiterinnen etikettieren in einem medizinischen Labor in Dresden eine Kassette mit Corona-Abstrichen zum Virusnachweis unter Verwendung der PCR-Methode.  | dpa

RKI-Wochenbericht Anteil von BA.5 verdoppelt sich

Stand: 03.06.2022 07:25 Uhr

In Portugal steigen die Corona-Zahlen wieder deutlich, Grund dürfte die Variante BA.5 sein. Und in Deutschland? Hier dominiert zwar noch eine andere Virusvariante, doch der Anteil von BA.5 verdoppelt sich von Woche zu Woche.

Die Omikron-Sublinie BA.5 des Coronavirus gewinnt auch in Deutschland an Bedeutung. Ihr Anteil in Stichproben verdoppelte sich zuletzt im Wochentakt - bisher aber noch auf recht niedrigem Niveau, wie aus dem Corona-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht.

Machte BA.5 Ende April noch 0,6 Prozent der auf Varianten untersuchten positiven Proben aus, so waren es in den Folgewochen 1,2 und 2,5 Prozent. Der aktuellste verfügbare Wert für vorvergangene Woche liegt bereits bei 5,2 Prozent. Sollte sich der Trend fortgesetzt haben, wäre aktuell von einem noch höheren Anteil auszugehen.

Kein Hinweis auf anderen Krankheitsverlauf

In Deutschland dominiert derzeit noch klar die Omikon-Variante BA.2. Mehr als 90 Prozent der Fälle sind auf sie zurückzuführen. Zuvor hatten sich in der Omikron-Welle viele Menschen mit BA.1 angesteckt. Die Varianten BA.4 und BA.5 gelten als ansteckender - BA.4 taucht in Deutschland bislang nur selten auf.

Bisher gebe es keine Beweise, dass sich die Krankheitsschwere mit den beiden Subtypen wesentlich verändert hat, so die Virologin Sandra Ciesek. Sie gehe aber davon aus, dass sich diese Varianten auch in Deutschland durchsetzen werden. Nach ersten Erkenntnissen entkämen sie durch Erbgutveränderungen noch stärker den Antikörpern von Geimpften und Genesenen.

Inzidenz in Portugal bei 1800

In Portugal steigen die Corona-Zahlen derzeit wieder deutlich, was Experten auf die große Verbreitung von BA.5 dort zurückführen. Rund 87 Prozent aller registrierten Neuinfektionen entfallen nach Angaben des Nationalen Gesundheitsinstituts INSA inzwischen auf diese Variante. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen hat sich seit Mitte April auf zuletzt rund 1800 vervierfacht.

Trotz der hohen Impfquote von 87 Prozent in Portugal stieg zuletzt auch die Zahl der Krankenhauspatienten und die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Covid-19. Corona-Beschränkungen gibt es in dem Land mit gut zehn Millionen Einwohnern kaum noch.

Inzidenz in Deutschland bei 261,3

In Deutschland gibt das RKI die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell mit mit 261,3. Allerdings ist die Aussagekraft dieses Wertes und seine Vergleichbarkeit mit Daten aus anderen Ländern inzwischen sehr eingeschränkt. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - wegen überlasteter Gesundheitsämter und weil nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen aber in der Statistik - Schnelltests nicht.

Lauterbach: "Ansteckender und gefährlicher"

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hält BA.5 für "ansteckender und gefährlicher" als die ursprüngliche Omikron-Variante BA.1. Auf Twitter schrieb der SPD-Politiker, "dies könnte im Herbst die nächste Welle werden".

Stöhr: "Dieses ganze Drohszenarium"

Der Virologe Klaus Stöhr hingegen sieht keine Gefahr und wirft Lauterbach Panikmache vor. "Dazu gehört dieses ganze Drohszenarium, was man wieder vom Gesundheitsministerium aufbaut", sagte er dem Fernsehsender Welt. Es könne zwar sein, dass die Virusvariante BA.5 wie in Portugal zu einem Wiederanstieg an Fällen führe. "An asymptomatischen Fällen, aber nicht auf den Intensivstationen, nicht in den Krankenhäusern - da ist völlige Entspannung." Stöhr soll als Nachfolger des Berliner Virologen Christian Drosten auf Vorschlag der Union in die Kommission zur wissenschaftlichen Beurteilung der staatlichen Corona-Beschränkungen einziehen.

Bund und Länder hatten gestern verabredet, frühzeitige Vorkehrungen für eine eventuell wieder kritischere Corona-Lage im Herbst zu treffen. Lauterbach sagte dazu im ZDF, Deutschland werde "auf jeden Fall über den 23.9. hinweg ein Infektschutzgesetz haben, was uns die Vorbereitungen gibt, die wir brauchen". Am 23. September läuft die bisherige Rechtsgrundlage für die Schutzmaßnahmen aus. Die FDP, die so wenig Corona-Schutzmaßnahmen wie möglich will, pocht darauf, zunächst mehrere Expertenberichte dazu abzuwarten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juni 2022 um 12:00 Uhr sowie Deutschlandfunk um 12:00 Uhr.