Wieler und Spahn bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz | EPA

RKI zu Corona Risiko nur noch "hoch" statt "sehr hoch"

Stand: 01.06.2021 14:57 Uhr

Nach sechs Monaten stuft das RKI Deutschland in seiner Corona-Risikobewertung wieder herab. Mit einem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen rechnet das RKI nicht mehr, wohl aber mit einem leichten Anstieg in den kommenden Wochen.

Angesicht sinkender Inzidenzwerte und einer Entspannung auf den Intensivstationen stuft das Robert Koch-Institut (RKI) die Gefahrenlage für Deutschland herunter. Nach sechs Monaten wird sie nun nicht mehr als "sehr hoch" sondern nur noch als "hoch" eingeschätzt.

"Die Lage wird besser", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler. Spahn warnte aber davor, die Gefahr durch Corona nun zu unterschätzen. "Wir sind noch mitten in der Pandemie", so der CDU-Politiker. Der Blick nach Großbritannien zeige, dass sich das Infektionsgeschehen trotz einer fortschreitenden Impfkampagne bei Mutationen wieder verschärfen könne.

Nur noch vier von 412 Kreisen mit Inzidenz über 100

Die Sieben-Tage-Inzidenz sank in Deutschland in den vergangenen Wochen in allen Bundesländern deutlich. Aktuell liegt sie bundesweit bei 35. Von 412 Landkreisen und Städten weisen nur noch vier einen Wert über der Schwelle von 100 auf, ab der die "Bundesnotbremse" greift: Das sind die Kreise Hildburghausen und Sonneberg in Thüringen, der Landkreis Günzburg in Bayern und die Stadt Emden in Niedersachsen.

Angesichts dieser sinkenden Zahlen und der sich entspannenden Lage in den Krankenhäusern werde derzeit vieles wieder möglich und geöffnet, so Spahn. Es sei aber noch nicht die Zeit, in der wieder alles möglich sei. Auf die Frage, ob er Verständnis für den Drang viele junger Menschen habe, ausgelassen zu feiern, sagte Spahn, diese Bedürfnis gebe es wohl in allen Altersgruppen. Aber "Party machen" sei weiterhin das, "wo sich das Virus am besten verbreitet".

RKI erwartet kein exponentielles Wachstum mehr

Das RKI geht in seinen Modellrechnungen davon aus, dass die Infektionszahlen auch bei weiteren Öffnungsschritten in den kommenden Wochen allenfalls leicht steigen und auf Dauer runter gehen. Ein exponentielles Wachstum sei nicht zu erwarten. Es sei ein großer Erfolg, dass die dritte Welle gebrochen worden sei, sagte Wieler. "Jetzt müssen wir diesen Erfolg nutzen, um die Infektionszahlen weiter zu senken. Lassen Sie uns dafür den Sommer nutzen."

Um weitgehend auf Maßnahmen verzichten zu können, müssten "mehr als 80 Prozent" der Menschen im Land einen Immunschutz haben, durch vollständige Impfung oder durchgemachte Infektion plus Impfung, bekräftigte der RKI-Präsident. Eine einmalige Impfung biete noch nicht ausreichend Schutz vor einer Infektion. "Impfen lassen, wann immer ein Impfangebot gemacht wird", lautete seine Empfehlung.

Fahrplan für den Sommer

Gleichzeitig legte das RKI ein aktualisiertes Konzept für eine stufenweise Rücknahme von Corona-Maßnahmen bis zum Sommerende vor. Es sieht vier Corona-Intensitätsstufen vor, abhängig etwa von der Inzidenz, der Auslastung von Krankenhäusern oder der Quote der Klinikeinweisungen bei Risikogruppen. Es werden aber auch gesellschaftliche Bereiche und Aktivitäten nach ihrer Relevanz für die Virusübertragung bewertet und nach ihrer sozialen, psychologischen und wirtschaftlichen Relevanz.

Aus der Kombination dieser Bereichen und der Intensitätsstufen leiten die RKI-Experten ihre Empfehlungen für Schutzmaßnahmen ab.

Theater ist kein Problem, Bars durchaus

Aktivitäten mit einem relativ überschaubaren Übertragungsrisiko wie etwa Einzelhandel, Theater und Treffen im Freien sollten demnach auch bei mittlerem Infektionsgeschehen mit Schutzkonzepten weiter erlaubt bleiben. Erst in der dritten Stufe mit großflächigen Ausbrüchen und einer Überlastung im Gesundheitssystem sollten in diesen Bereichen Verbote und Schließungen folgen.

Im mittleren Bereich der RKI-Tabelle finden sich Bereiche wie Schule, Arbeitswelt und Gastronomie. In weiterführenden Schulen sollte ab mittlerem Infektionsgeschehen oder Intensitätsstufe 2 mit Klassenteilungen und Fernunterricht begonnen werden, während in der Gastronomie dann nur noch Außerhausverkauf gestattet sein sollte.

Am anderen Ende des Spektrums finden sich Aktivitäten und Bereiche, die für eine Virusverbreitung insbesondere auch in den Risikogruppen besonders entscheidend sind. Dazu zählen Treffen in Innenräumen, die Abläufe in Pflege- und Altenheimen sowie Bars und Clubs. Laut RKI sollte deshalb etwa eine Schließung von Bars auch bereits ab mittlerem Infektionsgeschehen "erwogen" werden.

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Moderation 01.06.2021 • 17:12 Uhr

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