Passanten stehen vor einem Corona-Testzentrum an. | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz steigt auf 772,7 - Ärztevertreter warnen

Stand: 22.01.2022 08:37 Uhr

Die Sieben-Tage-Inzidenz hat einen neuen Höchstwert erreicht: Sie liegt nun bei 772,7. Dem Robert Koch-Institut wurden 135.461 Neuinfektionen gemeldet. Ärztevertreter sehen die Kliniken in wenigen Tagen an ihrer Belastungsgrenze.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist deutlich angestiegen und hat einen neuen Höchstwert erreicht. Das Robert Koch-Institut gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 772,7 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 706,3 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz noch bei 497,1.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 135.461 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte die Zahl der Ansteckungen noch bei 78.022 gelegen. Experten rechnen zudem mit immer mehr Fällen, die nicht erfasst werden können, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter zunehmend am Limit sind.

179 neue Todesfälle

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 179 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 235 Todesfälle. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit SARS-CoV-2 gestorben sind, stieg damit auf insgesamt 116.664.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 8.596.007 nachgewiesene Infektionen mit dem Coronavirus. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - die sogenannte Hospitalisierungsinzidenz - gab das RKI am Freitag mit 3,77 an (Donnerstag: 3,56).

Ärzte sehen Kliniken bald an Belastungsgrenze

Ärztevertreter sehen die Kliniken angesichts der steigenden Infektionszahlen bereits in wenigen Tagen an ihrer Belastungsgrenze. "Spätestens Anfang Februar wird es in den Krankenhäusern deutschlandweit sehr eng werden, wenn die Infektionszahlen weiterhin in diesem Tempo steigen", sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Dabei gehe es nicht nur um steigende Patientenzahlen, sondern auch um Personalausfälle in Kliniken, Laboren und Rettungsdiensten. Das könne dazu führen, dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr dem üblichen Standard entsprechen werde.

2021 mehr als eine Million abgesagte Eingriffe

Bereits während der Delta-Welle mussten Schätzungen deutscher Krankenhäuser zufolge weit über 100.000 Operationen verschoben oder abgesagt werden. "Wir haben noch keine abschließenden Zahlen für die Delta-Welle, aber wir sprechen über Hunderttausende verschobener Behandlungen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft Gerald Gaß der "Augsburger Allgemeinen". Viele Patienten stünden auf der Warteliste. Für das ganze vergangene Jahr müsse sogar von mehr als einer Million aufgeschobener Eingriffe ausgegangen werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Januar 2022 um 11:10 Uhr.