Ein Mitarbeiter im Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Kontakten von Corona infizierten Personen. | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Corona-Sommerwelle Personal für Gesundheitsämter gefordert

Stand: 18.06.2022 07:30 Uhr

Die Corona-Inzidenz ist erneut gestiegen und wird vom RKI mit 445,1 angegeben. Angesichts dieser Sommerwelle fordern die Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst mehr Personal, sonst sei die Kontaktverfolgung schwierig.

Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen geraten die Gesundheitsämter wieder an Kapazitätsgrenzen, teilte der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) mit.

Für die Kontaktnachverfolgung benötigten die Gesundheitsämter wieder mehr Mitarbeiter, sagte der BVÖGD-Vorsitzende Johannes Nießen dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit dem derzeitigen Personalstand sei eine Kontaktnachverfolgung nur noch für Risikogruppen möglich. Ohne eine Aufstockung müsste bei weiter steigenden Infektionszahlen auch diese eingestellt werden, so Nießen.

Er forderte, dass die zusätzlichen Mittel aus dem Bund-Länder-Pakt für die Gesundheitsämter sofort ausgeschüttet werden müssten. "Das Geld muss jetzt und nicht erst Ende des Jahres ausgezahlt werden, damit alle zugesagten 5000 Stellen besetzt werden können", sagte Nießen. Zwei Drittel der versprochenen vier Milliarden Euro aus dem Pakt stünden noch aus.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter

Die registrierten Corona-Neuinfektionen steigen derweil an. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) 80.264 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 65.337). Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz wurde mit 445,1 angegeben. Am Vortag war der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 427,8 (Vorwoche: 348,9) auffällig niedrig gewesen.

Ein Grund dafür könnte der regionale Feiertag Fronleichnam gewesen sein, an dem einige Bundesländer keine Zahlen ans RKI übermittelten. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Buschmann skeptisch bei Maskenpflicht

Bundesjustizminister Marco Buschmann äußerte sich erneut skeptisch zu einer Maskenpflicht angesichts der Corona-Sommerwelle. "Ich habe nichts gegen die Maske - aber eben freiwillig. Will der Staat Masken vorschreiben, etwa in Innenräumen, muss das evidenzbasiert und verhältnismäßig sein", sagte der FDP-Politiker der "Rheinischen Post".

Über mögliche Maßnahmen gegen die neue Infektionswelle werde die Bundesregierung entscheiden, wenn der Ausschuss von unabhängigen Sachverständigen am 30. Juni seine Stellungnahme mit der Evaluation der bisherigen Maßnahmen vorlege. Politikerinnen und Politiker von Grünen und SPD hatten zuletzt darauf gedrungen, in einem neuen Infektionsschutzgesetz die Möglichkeit für erneute Einschränkungen wie Maskenpflicht und Hygienekonzepte festzuschreiben. Die aktuellen Regelungen im Infektionsschutzgesetz sind bis zum 23. September dieses Jahres befristet.

Schneller Plan angemahnt

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, die "wissenschaftliche Evidenz zum Sinn von Maskenpflicht und Impfen" sei "erdrückend".

Angesichts der wieder steigenden Corona-Inzidenzen und der erwarteten neuen Welle im Herbst forderte Montgomery die Politik auf, rasch einen Maßnahmenplan zu erarbeiten. Den Gegnern einer starken gesetzlichen Regelung gehe es "nicht um Medizin und Schutz der Menschen vor Krankheit, Leid und Tod. Ihnen geht es ausschließlich um wirtschaftliche Interessen, verbrämt mit einem absoluten Freiheitsbegriff, der den Schutz vernachlässigt", kritisierte er. Auch wenn die derzeit geltenden Corona-Regelungen erst im Herbst ausliefen, könne man "jetzt schon die Nachfolgeregelungen definieren, statt alles auf den September zu verschieben, wie die FDP das will".