Ein Plakat mit Hinweisen auf Impftermine und kostenlose Corona-Tests vor einer Apotheke in München. | dpa

Coronavirus in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter

Stand: 10.02.2022 06:57 Uhr

Erneut hat die Sieben-Tage-Inzidenz mit 1465,4 einen Höchststand erreicht. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 247.862 Corona-Neuinfektionen. Trotz steigender Zahlen drängt vor allem die FDP auf rasche Lockerungen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen weiteren Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner und Woche mit 1465,4 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1450,8 gelegen, vor einer Woche bei 1283,2 (Vormonat: 362,7).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 247.862 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren es 236.120 Ansteckungen gewesen.

Zweifel an Aussagekraft der Daten

Die Zahlen haben allerdings nur noch begrenzt Aussagekraft. Experten gehen von einer hohen Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind. Testkapazitäten und Gesundheitsämter sind vielerorts am Limit, Kontakte werden nur noch eingeschränkt nachverfolgt.

Zudem dürfte mit der geplanten Priorisierung bei PCR-Tests die Zahl der Menschen steigen, die ihre Infektion nicht mehr über einen PCR-Test bestätigen lassen - so dass sie nicht in die offizielle Statistik einfließt.

Fast zwölf Millionen Infektionen

Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben binnen 24 Stunden 238 weitere Todesfälle verzeichnet. Damit stieg die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, auf 119.453. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 8.487.100 an.

Seit Beginn der Pandemie zählte das RKI 11.769.540 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI mit 6,02 an (Vortag: 5,60). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

FDP drängt auf Lockerungen der Maßnahmen

Trotz weiter steigender Infektionszahlen macht die FDP Druck für weitreichende Lockerungen der Corona-Maßnahmen. FDP-Fraktionschef Christian Dürr sagte der "Bild"-Zeitung: "Die MPK (Ministerpräsidentenkonferenz, Anm. d. Red.) muss die ersten Schritte zurück zu mehr Freiheit einleiten." Als erstes müsse man dort, wo durchgängig Maske getragen werde, die Regeln 2G-Plus, 2G und 3G abgeschafft werden, und zwar im Einzelhandel und in Hotels.

Zudem müsse die Kontaktdatenerfassung gestrichen werden, so Dürr. Drittens sollten die Kontaktbeschränkungen für Geimpfte bei privaten Treffen gelockert werden.

Corona-Beschränkungen könnten im März auslaufen

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki mutmaßte im Gespräch mit der "Bild"-Zeitung, spätestens zum 20. März dürften die Corona-Maßnahmen auslaufen, weil es dann keine Mehrheit im Bundestag mehr für eine Verlängerung geben werde.

Der 19. März steht im Infektionsschutzgesetz als Enddatum für Verordnungen mit den Corona-Beschränkungen. Der Bundestag könnte die Gültigkeit einmalig um drei Monate verlängern.

Streeck plädiert für Lockerungen

Auch der Bonner Virologe Hendrik Streeck plädierte für deutliche Lockerungen. "Man muss sich generell die Frage stellen, ob man an den G-Regeln festhalten will", sagte Streeck dem Onlineportal "merkur.de". Man müsse vorsichtig zur Normalität zurück. Da dürfe es aus seiner Sicht keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften mehr geben. Es könne auch gut sein, dass man bereits weit vor Ostern "die meisten Maßnahmen" fallen lassen könne, sagte Streeck.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte zwar auch Lockerungen "deutlich vor Ostern" in Aussicht gestellt, sieht sie aktuell aber noch nicht als machbar an. Im ZDF hatte Lauterbach mit Hinweis auf Öffnungsschritte wie in Israel gewarnt, in Deutschland käme man dann auf 400 bis 500 Tote am Tag statt 100 bis 150 derzeit. "Ich warne davor, dass wir zu früh öffnen", sagte Lauterbach.

Kritik an Warnungen von Lauterbach

Für seine Aussagen wird Lauterbach nun kritisiert. Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß warf ihm in der "Bild"-Zeitung vor, "zum Angstminister zu werden". Der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Günter Krings, hielt Lauterbach vor, die Begründung für Schutzmaßnahmen auszutauschen. Im Kern könne es nur darum gehen, das Gesundheitssystem vor einer Überlastung zu schützen, sagte der CDU-Politiker der "Welt". "Das Austauschen der staatlichen Handlungsziele wirkt interessengeleitet und willkürlich", sagte Krings.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, sagte der "Bild", Lauterbach stifte mit "immer neuen Ideen und Vorgaben" Unsicherheit. Kubicki sagte der dem Blatt: "Ich halte es für bemerkenswert, wenn das verfassungsrechtlich begründete Ziel der Corona-Maßnahmen plötzlich verschoben wird - und zwar in dem Moment, in dem die Überlastung des Gesundheitssystems nicht mehr droht."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Februar 2022 um 05:00 Uhr und 06:00 Uhr in den Nachrichten.