Zahlreiche Passanten laufen durch eine Einkaufsstraße in Dortmund. Einige tragen wegen der Corona-Pandemie Mundschutz. | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Deutschland 1707 Neuinfektionen - woher kommen sie?

Stand: 20.08.2020 18:17 Uhr

Sind es steigende Testzahlen, viele Urlaubsreisen oder große Familienfeiern? Das RKI meldet 1707 Neuinfektionen mit dem Coronavirus - der höchste Wert seit Ende April. Aber woher kommt der Anstieg?

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen liegt mit 1707 Fällen innerhalb eines Tages auf dem höchsten Wert seit Ende April. Das geht aus Daten des Robert Koch-Instituts hervor.

Höher war die Zahl zuletzt am 26. April mit 1737 registrierten Neuinfektionen. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl der positiven Tests aber wieder an.

Was der Hauptgrund für diesen Anstieg ist, darüber herrscht Uneinigkeit.

RKI: Mehr Fälle nicht nur wegen mehr Tests

Als einer Erklärung für steigende Fallzahlen wird häufig die Erhöhung der Testkapazitäten angeführt - von 364.000 Tests in der Woche vom 20. bis zum 26. April auf mehr als 875.000 zwischen 10. und 16. August. Die Rate positiver Ergebnisse lag damals bei fünf Prozent, derzeit liegt sie bei knapp einem Prozent. Da anfangs die Testkapazitäten knapp waren, wurden im April überwiegend Menschen getestet, die Corona-Symptome zeigten.

Die steigenden Fallzahlen seien nicht nur durch mehr Tests zu erklären, hatte das RKI erklärt. Auch der Epidemiologie-Professor Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagte: "Der Anstieg der positiven Tests ist nicht allein dem Anstieg der Testungen geschuldet."

Steigende Corona-Infektionen in Deutschland: Offenbar milderer Krankheitsverlauf
tagesthemen 22:15 Uhr, 20.08.2020, Jennifer Lange, NDR

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Neuinfektionen aus dem Ausland?

Inzwischen sind Reisende in der Fokus der Epidemiologen gerückt: Seit Kurzem werden Rückkehrer gezielt auf das Coronavirus getestet, bei Einreise aus einem Risikogebiet ist der Test obligatorisch.

Nach RKI-Angaben machen Reiserückkehrer bundesweit 39 Prozent der positiven Fälle aus. Anfang Juli waren es noch etwa zehn Prozent. Von den 39 Prozent der derzeit positiv getesteten Reiserückkehrer steckten sich rund 20 Prozent im Kosovo oder in der Türkei an. Mit deutlichem Abstand folgen Kroatien und Bulgarien.

Dazu schreibt das RKI: "Bei der Betrachtung der unterschiedlichen Altersgruppen fällt auf, dass unter den Fällen mit Angabe Kosovo und Türkei eher Kinder und Personen mittleren Alters betroffen sind, was auf mögliche Reisen im Familienverbund hinweist. Hingegen sind bei den Fällen mit wahrscheinlichem Infektionsland Spanien und Kroatien eher Personen zwischen 20-24 Jahren betroffen, was wiederum eher auf Vergnügungstourismus hindeutet."

Der Deutsche Reiseverband (DRV) kritisierte, dass die Debatte um steigende Fallzahlen in "ungerechtfertigter Weise" auf Reiserückkehrer verengt werde. DRV-Präsident Norbert Fiebig sprach in diesem Zusammenhang von "weitgehend unkontrolliertem ethnischen Reiseverkehr" aus Ländern wie dem Kosovo oder der Türkei, der vom klassischen Pauschalreisetourismus unterschieden werden müsse. Der organisierte Tourismus sei nur in äußerst geringem Umfang von Corona-Infektionen betroffen, so Fiebig. Es komme darauf an, dass alle, egal ob im In- oder im Ausland, die Abstands- und Hygieneregeln beachteten und konsequent befolgten.

61 Prozent der Ansteckungen innerhalb Deutschlands

Aber nicht nur Familienbesuche oder Partys im Ausland sind ein Grund für mehr Neuansteckungen: Große Feiern und Familienfeste waren von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch in Deutschland als mögliche Infektionsquelle genannt worden. Nach Wochen der Disziplin im Frühjahr scheint mit fortschreitender Zeit und hochsommerlichen Temperaturen das Verständnis für persönliche Einschränkungen abzunehmen. Damit kann sich das Virus auch in Deutschland leichter wieder ausbreiten.

Das tut es offenbar auch flächendeckend: Das RKI stellt fest, dass in den vergangenen sieben Tagen nur aus 15 Landkreisen keine neuen Fälle übermittelt wurden. Die Anzahl der Kreise, in denen in einem Zeitraum von sieben Tagen keine Covid-19-Fälle aufgetreten sind, sei in den letzten Wochen "nahezu kontinuierlich zurückgegangen". Mitte Juli waren es noch 125 Kreise, die keine Fälle übermittelt hatten.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Es bleiben aber regionale Unterschiede. Laut RKI wurden am Mittwoch rund Dreiviertel der Neuinfektionen in den drei Bundesländern Bayern (394 neue Fälle), Nordrhein-Westfalen (395 Neuinfektionen) und Baden-Württemberg (259 neue Fälle) registriert. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete nur drei Neuansteckungen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass NRW etwa zehn Mal mehr Einwohner als Mecklenburg-Vorpommern hat, ist der Unterschied deutlich.

Bund und Länder wollen sich in der kommenden Woche erneut treffen, um ihre Positionen und ihr Vorgehen abzustimmen. Bei dieser Gelegenheit könnte auch eine Entscheidung über die Frage nach bundesweit einheitlichen Bußgeldern für Maskenverweigerer in öffentlichen Verkehrsmitteln fallen.

Im Vorfeld äußerte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble Zweifel an der Forderung nach einem wieder einheitlichen Vorgehen der Bundesländer in der Pandemie. "Die Bevölkerung möchte einheitliche Lösungen, aber wenn sie die bekommt, schüttelt sie oft den Kopf", sagte der CDU-Politiker der Bielefelder Zeitung "Neue Westfälische". Man müsse immer wieder erklären, dass der föderale Wettbewerb ein Ringen um die beste Lösung sei. Damit sei man im Ergebnis gut gefahren, so Schäuble.

Zehn neue Todesfälle

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich mindestens 228.621 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert. Die Zahl der Todesfälle liegt nach RKI-Angaben bei 9253. Im Vergleich zum Vortag wurden zehn Todesfälle mehr gemeldet. Etwa 204.800 Menschen haben die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

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In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Neuinfektionen gestiegen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. August 2020 um 11:00 Uhr.

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