Ein Mitarbeiter des DRK im Schutzanzug steht am geöffneten Fenster eines Autos während er auf einem Autobahnparkplatz den Abstrich für den Corona-Test durchführt. | dpa

Coronavirus in Deutschland Mehr Neuinfektionen - auch aus dem Ausland

Stand: 19.08.2020 16:57 Uhr

Die Infektionszahlen steigen weiter: Das Robert Koch-Institut hat 1510 Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet - der höchste Wert seit Mai. Auffällig ist: Immer mehr Ansteckungen sind auf Reiserückkehrer zurückzuführen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die höchste Zahl an Neuinfektionen in Deutschland seit mehr als drei Monaten registriert. Innerhalb eines Tages meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 1510 neue Corona-Infektionen. Höher lag der Wert zuletzt am 1. Mai, als 1639 Fälle gemeldet wurden.

Die Zahl der Neuansteckungen hatte Anfang April mit mehr als 6000 positiven Tests pro Tag einen Höhepunkt erreicht, danach waren die Werte deutlich gesunken. Seit Ende Juli steigt die Zahl aber wieder an.

40 Prozent Infektionen aus dem Ausland

Die RKI-Daten zeigen auch, dass das Infektionsgeschehen in Deutschland immer stärker von Reiserückkehrern beeinflusst wird. Demnach betrug der Anteil an Infektionen aus dem Ausland in der vergangenen Woche knapp 40 Prozent - eine Verdoppelung innerhalb von zwei Wochen. Am häufigsten wurden zuletzt der Kosovo, die Türkei, Kroatien, Bulgarien sowie Bosnien und Herzegowina als wahrscheinliche Infektionsländer genannt. Zu bedenken ist dabei aber, dass der hohe Anteil positiv getesteter Rückkehrer auch dadurch zustande kommen könnte, dass sie derzeit verstärkt getestet werden.

Der Ärzteverband Marburger Bund kritisierte mit Blick auf Reiserückkehrer, dass Klinikpersonal vergleichsweise schwer an Corona-Tests käme. Wenn Reiserückkehrer und Lehrer Anspruch auf kostenlose Tests hätten, "dann muss das auch für das Klinikpersonal gelten", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Derzeit zahlten die Krankenkassen nur dann automatisch die Kosten für die Tests bei Ärzten und Pflegekräften, wenn diese unter Symptomen litten.

Huml wehrt sich gegen Kritik

Nach der Testpanne bei Urlaubsrückkehrern in Bayern musste sich Landesgesundheitsministerin Melanie Huml erneut im Gesundheitsausschuss des Landtags befragen lassen. "Ja, es sind Fehler passiert. Ja, wir hatten Anlaufschwierigkeiten", sagte die viel kritisierte Ministerin. Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass Bayern sich in der Pandemie mehr engagiere als alle anderen Länder und dass die Probleme nach Bekanntwerden abgestellt worden seien.

Huml nutzte die Aussprache, um sich noch einmal persönlich gegen den Vorwurf des verschleppten Krisenmanagements zu wehren. Sie habe umgehend gehandelt und die Öffentlichkeit am Mittwoch vor einer Woche informiert, als klar geworden sei, dass sich das Problem nicht schnell lösen lasse, sagte sie. Ursache für die Verzögerungen bei der Übermittlung von am Ende mehr als 44.000 Ergebnissen seien unter anderem fehlende Daten der Getesteten gewesen.

Am Dienstag war bekannt geworden, dass Huml und ihr Ministerium bereits am Montag vergangener Woche per E-Mail über die Verzögerungen bei den Ergebnis-Übermittlungen informiert worden war. Der Öffentlichkeit hatte Huml dies aber erst zwei Tage später mitgeteilt. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" hat das bayerische Gesundheitsministerium die Suche nach 46 positiv Getesteten mittlerweile komplett eingestellt, weil sich die Betroffenen nach Einschätzung des Ministeriums nicht mehr ermitteln lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2020 um 09:00 Uhr.