Eine Frau geht mit Reisekoffern an einer Warteschlange in der Abflughalle vorbei | dpa

Maßnahmen gegen Corona Schluss mit Reisen

Stand: 16.03.2020 21:20 Uhr

Damit Medizin, Energie, Wirtschaft weiter funktionieren, ist eine Menge jetzt tabu - auch Reisen ins In- und Ausland. Kanzlerin Merkel gab zu: "Das sind Maßnahmen, die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat."

Mit drastischen Einschränkungen wollen Bund und Länder die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland bremsen. Neben der Schließung öffentlicher Einrichtungen und einer Vielzahl von Geschäften wird vor allem dem Reisen ein Riegel vorgeschoben.

So sollen Übernachtungsangebote im Inland nur noch zu "notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken" genutzt werden. "Das beinhaltet und bringt auch mit sich, dass es keine Urlaubsreisen ins In- und auch keine ins Ausland geben soll", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz am Abend.

"Das sind Maßnahmen, die es so in unserem Lande noch nicht gegeben hat", betonte Merkel. Es gehe darum, soziale Kontakte zu verringern. Das wirtschaftliche Leben, die Energieversorgung und die medizinische Versorgung sollten aufrecht erhalten werden. Das Gesundheitssystem solle nicht überfordert werden.

Bund und Länder beschlossen einen insgesamt anderthalbseitigen Handlungskatalog, den Merkel komplett vorlas. Sie hoffe, "dass es ein gewisses Einsehen der Menschen gibt".

Tausende Urlauber müssen zurück

Die Corona-Krise hat gravierende Auswirkungen auf Reisende und die Tourismusbranche. Airlines streichen alle oder viele Flüge. Pauschalreisen und Kreuzfahrten werden abgesagt, Hotels geschlossen.

Mit Hochdruck arbeiten Reiseveranstalter und Fluggesellschaften daran, Urlauber, die sich noch in Touristengebieten aufhalten, zurückzuholen.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass noch mehrere Tausend Deutsche im Ausland festsitzen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes haben Bundesbürger vor allem in der Türkei, Marokko, Indonesien und den Philippinen Schwierigkeiten, nach Deutschland zurückzukehren. Man sei mit Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern im intensiven Gespräch, "um möglichst pragmatische und möglichst schnelle Lösungen" für eine Ausreise zu finden, sagte eine Sprecherin.

Ab Dienstag keine Einreisen in Schengen-Raum mehr

Erschwerend kommt nun hinzu, dass die EU ihre Außengrenzen schließen will. Einreisen in den Schengen-Raum der EU werden nach den Worten des französischen Präsidenten Emmanuel Macron ab Dienstagmittag gestoppt. Diese Maßnahme werde in Abstimmung mit den anderen EU-Mitgliedern getroffen, sagte er.

Zuvor hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, Einreisen in die EU auszusetzen. Dies solle für alle nicht absolut notwendigen Reisen und zunächst für 30 Tage gelten, so von der Leyen.

In den vergangenen Tagen hatten immer mehr Länder Flugverbindungen gekappt und Grenzen weitgehend geschlossen. Deswegen rät das Auswärtige Amt inzwischen grundsätzlich von Reisen ins Ausland ab. "Das Risiko, dass Sie Ihre Rückreise aufgrund der zunehmenden Einschränkungen nicht mehr antreten können, ist in vielen Destinationen derzeit hoch", schrieb Außenminister Heiko Maas (SPD) dazu auf Twitter.

Auch Deutschland kontrolliert Grenzen

Aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus schloss auch Deutschland seine Grenzen weitgehend. Die Übergänge zu Frankreich, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Dänemark werden kontrolliert. Die Dauer der Maßnahmen sei noch nicht absehbar, teilte Bundesinnenminister Horst Seehofer mit.

Zudem riegelt Schleswig-Holstein seine Nord- und Ostseeinseln für Touristen ab. Dazu gehören Sylt, Amrum, Föhr und Fehmarn. In Mecklenburg-Vorpommern sollen die Maßnahmen auf Rügen, Usedom, Hiddensee und Poel wegen der Größe der Inseln und der zahlreichen direkten Verbindungen aufs Festland schrittweise eingeführt werden. Die Bahn schränkt bundesweit den Regionalverkehr ein.

Der Reiseverband DRV forderte von der Bundesregierung weitere Hilfen für die Branche. Kunden hätten rechtlich Anspruch auf die Erstattung des gezahlten Reisepreises oder der Anzahlung. "Die geltenden Stornoregelungen im deutschen Reiserecht sind für eine derartige Großkrise nicht geeignet", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig. Die Provisionen für Reisebüros und Stornokosten für Veranstalter müssten im Rahmen einer Beihilfe ausgeglichen werden.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 16. März 2020 um 05:38 Uhr.