Passanten laufen durch die Fußgängerzone in München. | dpa

Corona-Pandemie Wie man sich weiter schützen kann

Stand: 06.04.2022 11:48 Uhr

Viele Corona-Maßnahmen wurden aufgehoben - auch die Isolationspflicht soll entfallen. Wie kann man sich trotzdem vor Omikron schützen? Was bringt das Maskentragen, wenn es andere nicht tun?

Von Anja Braun, David Beck, Veronika Simon, SWR

Nach mehr als zwei Jahren Pandemie sind in fast allen Bundesländern die meisten Corona-Beschränkungen weggefallen. So müssen zum Beispiel Masken nur noch in Praxen, Pflegeeinrichtungen oder in Bussen und Bahnen getragen werden. Doch zum Beispiel Theater, Konzertveranstalter und auch Ladeninhaberinnen können ihr Hausrecht nutzen und weiter auf dem Tragen von Masken bestehen. Und jede und jeder kann natürlich eigenverantwortlich weiter eine Maske tragen, wenn sie oder er es für notwendig hält.

Maske freiwillig tragen schützt weiter

Wer im Supermarkt oder im Kino weiter eine FFP2-Maske trägt, ist damit sehr gut geschützt - auch wenn die anderen im Raum keine tragen. Im Dezember 2021 hat ein deutsches Forscherteam den Schutzeffekt noch einmal untersucht. Das Ergebnis: Wenn ein infizierter und ein gesunder Mensch mit FFP2-Maske 20 Minuten dicht beieinander waren, war das Ansteckungsrisiko mit 0,1 Prozent sehr gering. Aber nur, wenn die Maske optimal saß - bei einer lockeren Maske stieg die Infektionsgefahr auf vier Prozent. Und bei einer gutsitzenden OP-Maske lag das Risiko bei zehn Prozent.

Allerdings wurden die Testreihen noch mit Viren der Delta-Variante durchgeführt. Die aktuell vorherrschende Variante Omikron ist zwar deutlich ansteckender, laut den Studienautoren könnten Masken bei ihr jedoch effektiver sein, da sich hier die Viren offenbar vor Allem in den oberen Atemwegen befinden: Denn Masken seien besonders geeignet um die großen Partikel abzufangen, die aus den oberen Atemwegen stammen.

Grundsätzlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle für das Ansteckungsrisiko: Wie lange hält man sich im selben Raum mit einer infizierten Person auf? Wie voll ist es? Gibt es eine gute Belüftung? Insgesamt ist das Ansteckungsrisiko draußen eher gering - Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Uniklinikum Frankfurt erklärte daher im "Coronavirus Update" des NDR: "Im Privaten würde ich empfehlen, Maske immer in Situationen zu tragen, wo das erforderlich ist." Das sei beispielsweise in Innenräumen, in denen Abstände nicht eingehalten werden könnten oder die schlecht belüftet würden. Ein weiteres Beispiel sei der öffentliche Nahverkehr: "Da würde ich auf jeden Fall unbedingt weiter Maske tragen oder werde es auch tun."

Sterblichkeit ähnelt mittlerweile einer schweren Grippesaison

Christian Drosten, Chefepidemiologe der Berliner Charité, erklärte im NDR-Podcast, man könne davon ausgehen, dass die Infektionssterblichkeit in Deutschland mit Impfung und mit der Omikron-Variante irgendwo bei 0,1 Prozent liege. "Wir kommen da jetzt schon, was die Sterblichkeit angeht, in Bereiche einer schweren Grippesaison." Allerdings ist die Zahl der Corona-Infizierten eben deutlich höher als die Zahl derer, die sich in der Regel mit Grippe infizieren. "Bei der Grippe ist daher eine Infektionssterblichkeit von 0,1 Prozent auf die Gesamtzahl der Todesfälle gut tolerabel, während es bei derselben Sterblichkeit von Covid-19 bei den sehr vielen zu erwartenden Todesfällen einfach nicht tolerabel ist."

Der Virologe geht davon aus, dass wir im Herbst noch einmal die Corona-Schutzmaßnahmen bekommen werden. Aber dass es möglicherweise auch der letzte Herbst ist, in dem wir Masken tragen werden in Innenräumen, um uns und andere vor der Infektion zu schützen.

Die Lage der Krankenhäuser bleibt schwierig

Mit der Omikron-Welle hat sich auch die Lage in den Krankenhäusern verändert. Zwar sind ist die Anzahl der Corona-positiven Patienten und Patientinnen mit etwa 25.000 (Stand 1. April) sehr hoch, doch laut Deutscher Krankenhaus-Gesellschaft seien diese Zahlen anders einzuordnen als in den vergangenen Jahren: Mittlerweile seien etwa 90 Prozent der Corona-positiven Patienten auf der Normalstation, die Intensivstationen stünden nicht mehr im Mittelpunkt der Überlastungssorgen. Das größte Problem bei der Versorgung stellten gerade Personalausfälle dar: Von den extrem hohen Infektionsraten seien natürlich auch Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte betroffen, so die DKG in einer Stellungnahme.

Drosten erklärte im NDR-Podcast, dass er aktuell davon ausgehe, dass etwa die Hälfte der Krankenhausaufnahmen von Corona-positiven Patienten mit und die andere Hälfte wegen der Corona-Infektion stationär aufgenommen werden. Für die deutsche Krankenhausgesellschaft ist diese Unterscheidung aber nicht immer eindeutig: "Wenn etwa ein Patient mit akutem Schwächegefühl und Kreislaufschwierigkeiten in die Klinik kommt und gleichzeitig positiv getestet wird, ist nicht sofort erkennbar, ob die Infektion für die Krankheit ursächlich ist." Allerdings sei das für das Krankenhaus auch unerheblich: In beiden Fällen sei eine Isolation und besondere Hygiene-Maßnahmen notwendig, der Mehraufwand sei der gleiche.

Nachbarländer: Kaum noch Beschränkungen

Im europäischen Ausland ist ein Großteil der Beschränkungen bereits gefallen. Die Ausnahme bildet Österreich. Dort wurde am 24. März die Maskenpflicht in nahezu allen Innenräumen wieder eingeführt. Österreich hatte bereits am 6. März alle Corona-Vorsichtsmaßnahmen gelockert. Doch nachdem das Personal in den Kliniken Alarm schlug und die Infektionszahlen rapide anstiegen, ist die Regierung zurückgerudert. Der grüne Gesundheitsminister Johannes Rauch sagte im ORF-Radio, die Lockerungen seien zu früh gekommen.

In der Schweiz sind die meisten Corona-Schutzmaßnahmen bereits Mitte Februar beendet worden. Auch Dänemark, Schweden, Norwegen, Island und Finnland haben nach und nach ihre Beschränkungen aufgehoben. Als Gründe werden einerseits die hohen Impfzahlen genannt, wie auch die milderen Krankheitsverläufe nach Omikron-Infektionen.   

In Großbritannien läuft das öffentliche Leben ebenfalls wieder ohne Einschränkungen. Nicht einmal nachweislich Infizierte müssen sich noch isolieren. Auch in Frankreich fielen bereits Mitte März die meisten Corona-Beschränkungen wie zum Beispiel die Maskenpflicht in Innenräumen außer in Verkehrsmitteln. In Spanien sind ebenfalls fast alle Corona-Einschränkungen aufgehoben worden. Nur in öffentlichen Innenräumen und in Bussen und Bahnen gilt noch die Maskenpflicht. Und jüngst hat auch Italien am 31. März den Corona-Ausnahmezustand beendet und damit die meisten Restriktionen abgeschafft.

Kritik am Ende der Maskenpflicht

Patientenschützer, Lehrkräfte und Kinderärzte kritisieren das Ende der Maskenpflicht. "Die Verpflichtung zu Selbsttests in Schulen bei gleichzeitigem Verzicht auf Masken in Schulen ist fachlich nicht nachvollziehbar", schreibt Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin in einer Pressemitteilung. Demnach seien Tests unzuverlässig und würden häufig erst eine Infektion anzeigen, wenn das betroffene Kind schon andere angesteckt hat, während OP-Masken zuverlässig Infektionen verhindern würden.

In der kürzlich veröffentlichten Stellungnahme zu Entscheidungen, die in einer Pandemie getroffen werden, schreibt der Deutsche Ethikrat, dass Chancen und Gefahren von Schutzmaßnahmen offen und umfassend diskutiert werden müssen. Allerdings sei eine Maskenpflicht auch eine "vergleichsweise geringe Beeinträchtigung". In einem Statement bezüglich der Veröffentlichung des Berichts schreibt Andreas Lob-Hüdepohl, zweiter Vorsitzender des Ethikrats, eine solidarische Gesellschaft sei eine wesentliche Voraussetzung, um individuelle Freiheiten zu behalten oder wiederzuerlangen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. April 2022 um 12:10 Uhr.