Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse in Heitersheim (Baden-Württemberg) sitzen in ihrem Klassenzimmer.  | dpa

Coronavirus und Schule Lehrer und Schüler wollen einheitliche Regeln

Stand: 08.04.2021 06:40 Uhr

Lehrer- und Schülervertreter sind sich einig: Es brauche bundesweit einheitlich verbindliche Tests und Schulschließungen bei Inzidenzen über 100. Dass die Kultusminister diesen Appell bei ihrer Konferenz am Nachmittag erhören werden, gilt aber als unwahrscheinlich.

Vor der Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) am Nachmittag haben Lehrerverbände und Schülervertreter die Ministerinnen und Minister aufgefordert, bundeseinheitliche Regeln bei Schulöffnungen und Corona-Tests aufzustellen.

Einheitliche Öffnungen und obligatorische Tests

"Der Ball liegt jetzt bei den Kultusministern", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Sie können jetzt zeigen, ob sie es schaffen, mehr als ein Jahr nach Beginn der Pandemie endlich bundeseinheitliche Vorgaben zum Thema Schule vorzulegen."

Meidinger betonte weiter, es brauche eine Testpflicht für alle Schüler in Deutschland: "Das heißt: Mindestens zwei Mal in der Woche muss verbindlich getestet werden." Auch beim Thema Schulöffnungen sei eine einheitliche Linie nötig: "Es kann nicht angehen, dass jedes Bundesland macht, was es will - und einzelne sagen, sie öffnen unabhängig von den Inzidenzen."

Schließung bei Inzidenz über 100

Der Präsident des Lehrerverbandes forderte zudem eine generelle Grenze: "Oberhalb einer Inzidenz von 100 müssen die Schulen geschlossen werden." Wenn allerdings zusätzlich zu flächendeckendem Testen die Impfkampagne unter den Lehrern weit fortgeschritten sei, sollten Schulträger in Verbund mit Gesundheitsbehörden vor Ort die Chance erhalten abzuwägen, ob auch bei etwas höheren Inzidenzen mehr möglich sei. Aber so weit sei es noch nicht: Durch die Änderungen bei AstraZeneca gebe es momentan einen Rückschlag bei der Impfung der Lehrer, so Meidinger.

Auch Bundesschülerkonferenz hat klare Forderungen

Auch der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, forderte die Kultusministerinnen und Kultusminister auf, sich auf eine einheitliche, für alle verbindliche Linie beim Thema Schulöffnungen zu verständigen: "Für uns als Schülerinnen und Schüler ist klar: Die Schulen sollen überall da, wo es vertretbar ist, offen bleiben." Das sei wichtig für alle, die zu Hause nicht so gut gefördert werden könnten - aber auch für Kinder und Jugendliche generell. "In Hotspots mit Inzidenzen von mehr als 100 muss es aber verbindlich Distanzunterricht geben - mit Ausnahmen nur für Abiturjahrgänge und Abschlussklassen", betonte der Schülervertreter.

Zum Thema Corona-Tests ergänzte Schramm: "Jede Schülerin und jeder Schüler muss die Möglichkeit haben, sich zwei Mal die Woche testen zu lassen. Das darf nicht nur ein Ziel sein, sondern muss wirklich geregelt sein." Es müsse auch verbindliche Regeln geben, wie die Tests organisiert werden.

Keine überraschenden Entscheidungen erwartet

Im Vorfeld ihrer Sitzung hieß es von der KMK, die Zusammenkunft diene auch der Vorbereitung des nächsten Corona-Krisengipfels der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag.

Überraschende Entscheidungen für ein einheitliches Vorgehen oder bundesweite Schulschließungen zeichnen sich aber nicht ab - viele Bundesländer haben für ihre Schulen längst Pläne gemacht. In neun der 16 Bundesländer gehen am Sonntag die Osterferien zu Ende und Lehrkräfte und Familien mussten rechtzeitig vor Ferienende über das weitere Vorgehen informiert werden. Je nach Bundesland werden bestimmte Jahrgänge nun vorsorglich wieder zurück in den Fernunterricht geschickt. Anderswo wird am sogenannten Wechselmodell festgehalten. Über Schulfragen entscheiden die Länder grundsätzlich selbst.

Beim letzten Bund-Länder-Gipfel am 22. März war beschlossen worden, für Kinder und Jugendliche "baldmöglichst zwei Testungen pro Woche" anzubieten. Mehrere Bundesländer haben dies bereits umgesetzt. In einigen Ländern wurde außerdem eine Testpflicht angekündigt - Schülerinnen und Schüler sollen nur nach negativem Corona-Test am Präsenzunterricht teilnehmen dürfen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. April 2021 um 06:23 Uhr.