Hintergrund

Ein Sanitäter in Rom trägt eine komplette Schutzausrüstung aus Brille, Anzug und Atemmaske gegen das Coronavirus. | Bildquelle: ANGELO CARCONI/EPA-EFE/Shutterst

Pandemie Die wichtigsten Corona-Begriffe

Stand: 08.04.2020 16:42 Uhr

Basisreproduktionszahl, FFP-Maske, Triage - mit der Coronavirus-Pandemie ändert sich nicht nur das Leben massiv, sondern auch die Sprache. Ein Überblick über die wichtigsten Krisen-Begriffe.

ALLGEMEINVERFÜGUNG Sie ist ein Verwaltungsakt, der sich nicht nur auf einen Einzelfall beschränkt, sondern für eine bestimmte Gruppe oder alle Bürger gleichermaßen gilt. Er ist der Fachbegriff für die von Behörden bundesweit erlassenen weitreichenden Ausgangs-, Kontakt- und Geschäftsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie.

BEHELFS-MUND-NASEN-SCHUTZ Das ist die korrekte Beschreibung der zunehmend verbreiteten improvisierten Schutzmasken, die an heimischen Nähmaschinen oder in eilig umgerüsteten Betrieben aus Baumwolltuch gefertigt werden. Die Bezeichnung verdeutlicht, dass es sich nicht um zertifizierte Medizinprodukte handelt, sondern um eine behelfsmäßige Lösung.

BASISREPRODUKTIONSZAHL Sie beschreibt das infektiöse Potenzial eines Erregers und ist damit die zentrale Kennziffer, um dessen Pandemiepotenzial zu bewerten. Der als R0 abgekürzte Wert gibt dabei an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt, sofern keine Impfungen oder bereits vorhandene Immunitäten diesen Prozess bremsen. Je höher die Zahl ist, desto dramatischer und schneller verläuft die Ausbreitung des Erregers.

Generell breitet sich eine Krankheit aus, solange der Wert von R0 größer als 1 ist. Um wie viel größer dieser dabei ausfällt, ist von entscheidender Bedeutung. Nach den ersten wissenschaftlichen Einschätzungen bewegt sich die Basisreproduktionszahl von Corona ohne Eindämmungsmaßnahmen zwischen 2 und 3,3. Das ist ein hoher Wert, auch wenn er bei anderen Krankheiten noch extremer ausfällt.

COVID-19 Die aus dem Coronavirus resultierende Lungenkrankheit heißt Covid-19. Die Verläufe der Krankheit sind laut RKI unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Daher lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen zum "typischen" Krankheitsverlauf machen.

CORONA-FERIEN Eine Umschreibung der Tatsache, dass alle Schulen bundesweit wochenlang wegen der Corona-Krise geschlossen sind. Die Schüler sind zwar gehalten, allein und mit Unterstützung ihrer Lehrer via Internet weiter zu lernen. In der Wahrnehmung einiger Schüler aber dominiert eher das Feriengefühl. Für viele Familien ist das sogenannte Homeschooling jedoch eine ungewohnte Belastung.

EXPONENTIELLES WACHSTUM Exponentielles Wachstum (auch unbegrenztes bzw. freies Wachstum genannt) beschreibt die Veränderung einer bestimmten Größe in einem festgelegten Zeitraum um immer denselben Faktor. Die Reproduktionszahl verweist dabei auf die zentrale Bedeutung des exponentiellen Wachstums für das Verständnis der Abläufe bei einer Pandemie. Eine Basisreproduktionszahl von 3 bedeutet, dass sich die Infiziertenzahl in jedem einzelnen Ansteckungsintervall um den Faktor 3 vergrößert, um sich in der nächsten "Runde" dann erneut zu verdreifachen, worauf eine weitere Verdreifachung folgt. Die in diesen Tagen weltweit verhängten Ausgangsbeschränkungen und Aufrufe zur Selbstisolation zielen genau auf diesen fatalen Mechanismus.

Dass noch immer nicht alle den Sinn der Maßnahmen begreifen, liegt laut Experten auch in der generellen Schwierigkeit von Menschen, die Dynamik nicht linearer Entwicklungen korrekt zu bewerten. Diese wird drastisch unterschätzt, weil sie nicht den Erfahrungen kontinuierlicher Wachstumsprozesse im Alltag folgt.

Ein beliebtes Illustrationsbeispiel ist das Falten eines normalen Papierblatts. Nach einigen Knickvorgängen steigt die Dicke des Stapels exponentiell. Nach sieben Runden ist er 128-mal so dick wie das Ausgangsblatt. Mehr ist aus technischen Gründen nicht möglich. Würde der Vorgang fortgesetzt, ergäbe sich theoretisch nach 40-maligem Falten schon ein 100.000 Kilometer hoher Stapel.

FFP-MASKEN Für pflegerische Tätigkeiten oder andere Situationen, in denen Menschen engen Kontakt zu Influenza- oder Covid-19-Verdachtsfällen haben, wird ein einfacher Gesichtsschutz eigentlich als ungeeignet eingestuft. Dafür gibt es Masken mit der Schutzstufe FFP-2, die bestimmte Anforderungen zum Filtern von Partikeln erfüllen müssen. Sie sind beispielsweise wichtig für den Einsatz in Krankenhäusern, damit sich das Personal nicht infiziert. Geregelt sind die Anforderungen an solche Masken in der europäischen Norm 149; FFP steht für "filtering facepiece".

FFP2-Masken sollen nur einmal verwendet werden. Wegen der akuten Knappheit empfiehlt das RKI aber, die Masken möglicherweise erneut zu benutzen. Allerdings müssen dafür eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. FFP-3-Masken haben die höchste Schutzstufe und sollen auch vor krebserregenden oder radioaktiven Partikeln schützen. Weil der Filter sehr dicht ist, fällt das Atmen mit diesen Masken schwer. Sie können darum nur für kurze Zeit getragen werden.

QUARANTÄNE Damit ist die Isolierung von Erkrankten oder Infektionsverdächtigen gemeint. Vor der Corona-Krise meist eher mit Reflexionen über historische Seuchen oder Zollformalitäten beim Import von Tieren verbunden, ist sie heute das Schicksal Zehntausender Menschen. Infizierte und deren Kontaktpersonen müssen sich in häusliche Quarantäne begeben. Auch wird allgemein von jedem Bürger eine weitgehende Selbstisolierung in Form des sogenannten Social Distancing verlangt.

Das Wort Quarantäne stammt aus dem Lateinischen. Eine um 1400 aufgekommene Reisesperre für seuchenverdächtige Ankömmlinge - Venedig verbot bereits 1374 die Hafeneinfahrt für pestverdächtige Schiffe - bezeichnete man in Italien als quaranta giorni (vierzig Tage).

RISIKOGRUPPE Meint ältere oder vorerkrankte Menschen, bei denen ein schwerer Infektionsverlauf besonders wahrscheinlich ist. Das Risiko steigt ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an. Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden verstärken es ebenfalls. 

SARS-COV-2 Im Alltag und auch in der Berichterstattung in den Medien ist der Name Coronavirus gebräuchlich. Der offizielle Name des Virus, den die WHO festgelegt hat, lautet Sars-CoV-2. Laut Robert Koch-Institut scheint der Hauptübertragungsweg des Virus in der Bevölkerung die Tröpfcheninfektion zu sein. Theoretisch möglich ist auch eine Kontaktübertragung.

Coronaviren wurden laut RKI erstmals Mitte der 1960er-Jahre identifiziert. Sie können sowohl Menschen als auch verschiedene Tiere infizieren, darunter Vögel und Säugetiere. Coronaviren verursachen beim Menschen verschiedene Krankheiten, von gewöhnlichen Erkältungen bis hin zu gefährlichen oder sogar potenziell tödlich verlaufenden Krankheiten wie dem Middle East Respiratory Syndrome (MERS) oder dem Severe Acute Respiratory Syndrome (SARS). SARS wird auch als SARS-CoV-1 bezeichnet, um es von dem neuartigen Coronavirus zu unterscheiden.

In der Vergangenheit waren schwere, durch Coronaviren verursachte Krankheiten wie SARS oder MERS zwar weniger leicht übertragbar als Influenza, aber sie haben dennoch zu großen Ausbrüchen geführt, zum Teil in Krankenhäusern.

STERBERATE: Der Begriffe kommt aus der Demografie und bezeichnen jeweils die Anzahl der Todesfälle bezogen auf die Gesamtanzahl der Individuen oder - bei der spezifischen Sterberate - bezogen auf die Anzahl in der betreffenden Population, meist in einem bestimmten Zeitraum.

Mit Blick auf das Coronavirus lässt sich zum Beispiel sagen: Deutschland zählt zu den Ländern mit den meisten bestätigten Corona-Fällen weltweit. Nur die USA, Italien und Spanien haben (Stand 08.04.2020) mehr Infektionen gemeldet. Die Sterberate in Deutschland ist aber deutlich niedriger als in diesen Ländern.

SYSTEMRELEVANZ So nennt man die Priorisierung von Branchen oder Unternehmen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Aufrechterhaltung von gesellschaftlichen Grundfunktionen in Krisenzeiten. Systemrelevante Betriebe und deren Beschäftigte in den "kritischen Infrastrukturen" sind von allgemeinen Beschränkungen ausgenommen und sollen weiterarbeiten - die Liste reicht vom Lebensmittelhandel bis hin zur Justiz.

TRIAGE Die notfallmedizinische Methode, bei der Patienten mit Blick auf die Schwere von Erkrankungen oder Verletzungen sortiert werden, wird Triage genannt. In der Corona-Krise hat der Begriff eine Dimension, die er sonst nur in Katastrophen- oder Kriegsfällen hat: Im Fall der Überlastung von Gesundheitssystemen werden begrenzte medizinische Ressourcen auf jene Patienten mit den besten Überlebenschancen konzentriert.

VERDOPPLUNGSZAHL Ein Fachbegriff aus der Epidemiologie, der aussagt, wie schnell sich die Zahl der Infektionen im Zuge einer Epidemie verdoppelt. Er gilt als zentraler Maßstab bei der Bewertung der Dramatik der Lage in der Pandemie. An der Verdopplungszahl lässt sich also deutlich besser erkennen, wie stark sich das Virus verbreitet, als anhand von absoluten Infektionszahlen und Todesfällen.

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