Ein reetgedecktes Ferienhaus in den Dünen am Strand von Ahrenshoop | dpa

Debatte über Osterurlaub Verreisen oder nicht verreisen?

Stand: 20.03.2021 21:49 Uhr

Vor dem Gipfel mit dem Bund streiten die Länder über den Osterurlaub: Brandenburg will die Lockerungen kassieren, Mecklenburg-Vorpommern das Reisen ermöglichen. Dort wollen Ferienhausbesitzer auch das Beherbergungsverbot kippen.

Vor dem Bund-Länder-Treffen über das weitere Vorgehen bei der Pandemie-Bekämpfung gibt es unter den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten unterschiedliche Ansichten bei der Frage von Urlaubs- oder Ausflugsmöglichkeiten an Ostern. "Im Hinblick auf die Osterferien könnte für Landeskinder autarker Urlaub möglich sein - also innerhalb der Grenzen Sachsen-Anhalts, etwa im Harz", sagte etwa Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff der "Welt am Sonntag". Das betreffe Ferienwohnungen wie Camping-Urlaub, so der CDU-Politiker.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer will immerhin Ausflüge über Ostern erlauben. Man müsse Möglichkeiten schaffen, "dass die Menschen in den anstehenden Osterferien bei uns wandern und in einem Gartenlokal einkehren können, statt nach Mallorca zu fliegen und am Ballermann zu feiern", sagte die SPD-Politikerin der Zeitung. Man könne "Deutschland die nächsten Monate nicht komplett abriegeln".

Brandenburg nimmt Lockerungen zurück

In Thüringen mit derzeit hohen Inzidenz-Zahlen werde die Lage hingegen ganz anders bewertet. "Wer in dieser Phase der Pandemie glaubt, dass man ungetestet ganze Urlaubsregionen freigeben kann, ist nicht auf der Höhe der Zeit", sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow der Zeitung. "Wir bitten die Bevölkerung, keine Urlaubsreisen anzutreten", so der Linken-Politiker. Auch die Niedersachsen zeigten sich dem Blatt zufolge im Vorfeld der Beratungen skeptisch.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke stimmte die Bevölkerung darauf ein, sich in den kommenden Tagen auf weitere Einschränkungen einzustellen. Er sehe keinen Spielraum für Lockerungen. "Die Lage gibt es leider nicht her", sagte der SPD-Politiker der "Welt am Sonntag". "Im Gegenteil: Ab Montag müssen in einigen Brandenburger Landkreisen mit hohen Werten einige Öffnungen wieder zurückgenommen werden."

Klage in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern wollen Eigentümer von Ferienwohnungen und -häusern das Corona-bedingte Beherbergungsverbot gerichtlich kippen. Insgesamt hätten 20 Vermieter beim Oberverwaltungsgericht Greifswald einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gestellt, um sowohl das Beherbergungsverbot als auch das Einreiseverbot für touristische Gäste zu stoppen, teilte die beauftragte Berliner Anwältin Katja Kleist mit. Geplant sei zudem eine Entschädigungsklage gegen das Land Mecklenburg-Vorpommern.

"Während Reisen nach Mallorca gefördert werden, gehen die Vermieter hierzulande vor die Hunde", sagte der Vermieter des Sassnitzer Kutscherhauses, Oliver Roeber. Dabei liege der Wochenwert für Corona-Neuinfektionen im Landkreis Vorpommern-Rügen seit Februar dauerhaft unter 50.

Auch bei Reisen nach Portugal werde regional differenziert, das müsse auch in Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern möglich sein. "Eine reine Öffnung für Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern ist hier keine Lösung", sagte Anwältin Kleist. Die Vermieter bräuchten Feriengäste aus ganz Deutschland.

Kanzlerin will Notbremse ziehen

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatte zuletzt die Möglichkeit eines Osterurlaubs angedeutet. "Viele Menschen verstehen nicht, dass es Möglichkeiten für den Osterurlaub auf Mallorca gibt, aber zu Hause nicht einmal eine Ferienwohnung im eigenen Bundesland angemietet werden kann", sagte die SPD-Politikerin im tagesthemen-Interview.

Am Montag kommen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefinnen und -chefs der Bundesländer erneut zusammen, um über die allgemeinen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu beraten. Merkel sagte bereits am Freitagabend, dass es aktuell wieder ein exponentielles Wachstum der Infektionszahlen gebe. "Wir werden leider auch von der Notbremse Gebrauch machen müssen", sagte sie. Sie hätte sich gewünscht, ohne das Instrument auszukommen. "Aber das wird nicht möglich sein, wenn ich mir die Entwicklung der letzten Tage anschaue", so die Kanzlerin.

Über dieses Thema berichteten am 21. März 2021 die tagesschau um 08:55 Uhr und tagesschau24 um 09.00 Uhr.