Karl Lauterbach | dpa

Schutz vor Omikron-Variante Lauterbach kündigt Impfstoffinventur an

Stand: 09.12.2021 17:01 Uhr

30 Millionen Impfungen bis Jahresende: Ob das Ziel der Regierung erreicht werden kann, will Gesundheitsminister Lauterbach mit einer Impfstoffinventur prüfen. Für einen besseren Schutz rät er dringend zum Boostern. Am besten schon nach drei Monaten, empfiehlt die EMA.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will sich noch in dieser Woche einen Überblick über die in Deutschland vorrätigen Mengen an Corona-Impfstoffen verschaffen. "Wir haben die Grundlage für 30 Millionen Impfungen bis zum Jahresende", sagte er dem "Spiegel". "Wir machen jetzt am Freitag erst mal eine Inventur im Haus mit allen Fachabteilungen." Ziel sei es, zu sehen, "wie viele von diesen 30 Millionen wirklich verimpft werden können".

Dazu werde geprüft, welche Impfdosen wo gelagert werden, welche Verträge zum Kauf weiterer Dosen bereits geschlossen wurden, wie es mit Lieferungen für Januar aussehe und welche bilateralen Verträge noch möglich seien. Bei der Inventur im Gesundheitsministerium werde ihn Bundeswehrgeneral Carsten Breuer begleiten, sagte Lauterbach.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte Breuer kürzlich zum Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt ernannt. Der Generalmajor soll sich auf diesem Posten vor allem mit der Beschaffung und Verteilung von Impfstoffen befassen.  Die Ampelkoalition möchte die Impfkampagne in den nächsten Wochen massiv ankurbeln.

Lauterbach: Booster bereitet optimal vor

Zuvor hatte Lauterbach betont, wie wichtig Auffrischungsimpfungen im Kampf gegen die neue Corona-Variante Omikron sind. "Die Impfung ist nur abgeschlossen, wenn man dreimal geimpft wurde", sagte der SPD-Politiker im ZDF.

Das sei die neue Realität, um vor Omikron einigermaßen geschützt zu sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit milderten zwei Impfungen die Krankheit aber bereits, und drei Impfungen schützten wahrscheinlich sehr gut gegen schwere Krankheitsverläufe.

Man müsse dafür sorgen, dass Omikron Deutschland so spät wie möglich erreiche, sagte Lauterbach weiter. Dafür seien die Booster-Impfungen eine optimale Vorbereitung. Das sei die erste Säule im Gesundheitsschutz, "die wir in der Hand haben". Die zweite Säule umfasse eine allgemeine Impfpflicht. Das Infektionsschutzgesetz, das derzeit im Bundestag beraten wird, sieht eine Impfpflicht für bestimmte Einrichtungen wie Altenheime und Krankenhäuser vor.

"Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte"

Auch der Virologe Christian Drosten hob erneut die Notwendigkeit einer Booster-Impfung hervor. "Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte. Dritte Dosis erforderlich", schrieb er auf Twitter.

Immunantwort um das 37-Fache reduziert

Kürzlich veröffentlichte Labortests zur Impfstoffwirkung gegen Omikron hatten auf eine schwächere Abwehrreaktion hingewiesen. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt publizierte entsprechende erste Ergebnisse einer Studie. "Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek dazu. Die Antikörper-Antwort gegen Omikron sei im Vergleich zur Delta-Variante um das bis zu 37-Fache reduziert. Auch bei Menschen mit Auffrischungsimpfung gebe es eine Reduktion.

EMA: Boostern schon nach drei Monaten

Um jedoch einen bestehenden Schutz zu verbessern und möglichst einen schweren Krankheitsverlauf zu vermeiden, raten Experten dringend zu einer Booster-Impfung. BioNTech-Chef Ugur Sahin empfahl bereits frühere Auffrischungsimpfungen. Sein Unternehmen kündigte zudem an, bis etwa März einen der Varianten angepassten Impfstoff bereitstellen zu können.

Auch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) rät nun zu früheren Booster-Impfungen und stufte sie bereits drei Monate nach der letzten Impfdosis als "sicher und wirksam" ein. "Die derzeit verfügbaren Daten unterstützen die sichere und wirksame Verabreichung einer Auffrischungsimpfung bereits drei Monate nach Abschluss der Erstimmunisierung", sagte der Chef der EMA-Impfstoffstrategie, Marco Cavaleri. Die bisherige Empfehlung der EMA lag bei sechs Monaten. Die Booster-Impfung könne auch nach drei Monaten verabreicht werden, "falls ein so kurzer Zeitraum aus Sicht der öffentlichen Gesundheit wünschenswert ist", fügte Cavaleri hinzu.

Nach Auffassung führender Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts lässt sich die derzeitige Corona-Welle in Deutschland durch schnelle Auffrischungsimpfungen stoppen. Derzeit liegt die allgemeine Empfehlung für Booster-Impfungen jedoch noch bei fünf oder sechs Monaten.

Angesichts der sich ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus betonte Cavaleri auch, dass es "zu früh sei, um zu sagen, ob die Zusammensetzung der Impfstoffe geändert werden muss". Die EU-Regulierungsbehörde hatte kürzlich angedeutet, dass sie in drei bis vier Monaten angepasste Impfstoffe gegen die neue Variante zulassen könnte, falls dies erforderlich sein sollte. Bisherige Ergebnisse deuteten jedoch auf einen größtenteils "leichten" Krankheitsverlauf bei Infektionen mit der Omikron-Variante hin.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Dezember 2021 um 22:30 Uhr.