Karl Lauterbach | REUTERS

Lauterbach zu Omikron 2G erst nach dem Boostern?

Stand: 09.12.2021 07:45 Uhr

Mehrere Studien zeigen inzwischen, dass Impfstoffe schlechter gegen Omikron wirken könnten - zumindest ohne Auffrischungsimpfung. Gesundheitsminister Lauterbach rät deswegen eindringlich zum Boostern.

Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat betont, wie wichtig Auffrischungsimpfungen im Kampf gegen die neue Corona-Variante Omikron sind. "Die Impfung ist nur abgeschlossen, wenn man dreimal geimpft wurde", sagte der SPD-Politiker im ZDF.

Das sei die neue Realität, um vor Omikron einigermaßen geschützt zu sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit milderten zwei Impfungen die Krankheit aber bereits, und drei Impfungen schützten wahrscheinlich sehr gut gegen schwere Krankheitsverläufe.

Man müsse dafür sorgen, dass Omikron Deutschland so spät wie möglich erreiche, sagte Lauterbach weiter. Dafür seien die Booster-Impfungen eine optimale Vorbereitung. Das sei die erste Säule im Gesundheitsschutz, "die wir in der Hand haben". Die zweite Säule umfasse eine allgemeine Impfpflicht.

Wenn die Variante Deutschland flächendeckend erreiche, könne dies Auswirkungen darauf haben, wer als vollständig geimpft gilt: Dann wäre 2G erst mit der dritten Impfung erreicht. Man könne mit zwei Impfungen dann nicht davon ausgehen, vollständig geschützt zu sein.

Studien deuten auf schwächere Wirkung der Impfstoffe hin

Gestern veröffentlichte Labortests zur Impfstoffwirkung gegen Omikron hatten auf eine schwächere Abwehrreaktion hingewiesen. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt publizierte entsprechende erste Ergebnisse einer Studie. "Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek dazu.

Immunantwort um das 37-Fache reduziert

Die Antikörper-Antwort gegen Omikron sei im Vergleich zur Delta-Variante um das bis zu 37-Fache reduziert. Auch bei Menschen mit Auffrischungsimpfung gebe es eine Reduktion.

Ciesek sieht in ihrer Untersuchung selbst drei Monate nach einer Booster-Impfung mit BioNTech nur eine Neutralisation von 25 Prozent bei Omikron im Vergleich zu 95 Prozent bei Delta. Bei einer sechs Monate zurückliegenden zweifachen Impfung mit BioNTech oder Moderna sowie einer Kreuzimpfung von AstraZeneca/BioNTech sei eine Antikörperreaktion nicht einmal messbar gewesen.

Die Virologin wies daraufhin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen sei, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind.

Am Dienstag hatten südafrikanische Experten ähnliche Daten vorgelegt, wonach die Antikörper-Antwort bei Geimpften gegen Omikron schwächer ausfällt.

"Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte"

Der Virologe Christian Drosten lobte die Erhebung Cieseks und hob erneut die Notwendigkeit einer Booster-Impfung hervor. "Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte. Dritte Dosis erforderlich", schrieb Drosten auf Twitter. Die vorgelegten Daten sind bislang nicht von Fachkollegen begutachtet und nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht worden.

BioNTech-Chef rät zu früherem Boostern

Ähnliche Beobachtungen zur Wirksamkeit gegen Omikron machten auch die Impfstoffhersteller BioNTech und Pfizer. Vorläufige Laborstudien zeigten, dass nach zwei Impfdosen deutlich weniger Neutralisierung gegen Omikron vorhanden sei. Demnach konnten aber drei Dosen des Impfstoffs die Variante neutralisieren. Die Daten zeigten auch, dass eine dritte Dosis die neutralisierende Wirkung im Vergleich zu zwei Dosen um das 25-Fache erhöhe.

BioNTech-Chef Ugur Sahin sagte gestern, frühere Auffrischungsimpfungen seien ratsam.

Über dieses Thema berichtete HR Info am 08. Dezember 2021 um 16:00 Uhr.

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Moderation 09.12.2021 • 14:49 Uhr

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