Eine Hochzeitstafel vor dem Rathaus auf dem Marienplatz in München | Bildquelle: dpa

Bundesländer uneins Wie viele sollen feiern dürfen?

Stand: 23.08.2020 11:37 Uhr

Familienfeste und private Feiern sind in Zeiten der Corona-Pandemie ein Risiko. Das zeigen Erkenntnisse über Infektionsorte und steigende Infektionszahlen. Doch muss es deshalb eine Teilnehmer-Obergrenze für alle geben?

Die Forderung nach einer bundesweit einheitlichen Teilnehmergrenze für private Feiern stößt in mehreren Bundesländern auf Widerstand. Das hat eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergeben. Demnach befürworten etwa Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz grundsätzlich eine einheitliche Obergrenze für Familienfeiern, Geburtstagspartys oder Hochzeiten, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Eine einheitliche Regelung hätte den Vorteil der "Klarheit und Akzeptanz", sagte ein Hamburger Senatssprecher. Die Ländervertreter mahnen aber, dass es zu keiner Aufweichung der eher strengen Regeln in ihrem jeweiligen Bundesland kommen dürfe. Einige Länder, darunter Bayern und Baden-Württemberg, ziehen eine Verschärfung der Auflagen für private Feiern in Erwägung.

"Sehr unterschiedliche Entwicklung des Infektionsgeschehens"

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lehnen eine Obergrenze ab. "Auf den ersten Blick mag eine bundeseinheitliche Lösung vorteilhaft wirken, allerdings verkennt sie die oft innerhalb Deutschlands sehr unterschiedliche Entwicklung des Infektionsgeschehens", sagte ein Sprecher Landesregierung in Schleswig-Holstein. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) fragte auf NDR info: "Warum soll ich im Norden bei mir im Bundesland die Bevölkerung genauso einschränken, wie es vielleicht in Bayern nötig wäre, wo wir die geringsten Infektionen haben und in Bayern die größten sind?"

Donnerstag mit der Kanzlerin

Nach Ansicht der Bundesregierung tragen vor allem private Feiern, bei denen die Hygiene- und Abstandsregeln nicht eingehalten werden, sowie Rückkehrer aus Risikogebieten zu den steigenden Infektionszahlen in Deutschland bei. Bei einer Videokonferenz wollen die Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Donnerstag deshalb mit Kanzlerin Angela Merkel über das Thema Obergrenze bei Privatfeiern beraten.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sagte: "Ziel ist eine bundeseinheitliche Regelung für private Feiern und öffentliche Großveranstaltungen."

Flickenteppich auch bei Auflagen für Feierlichkeiten und Events

Momentan hat jedes Bundesland seine eigenen Regeln für private Feiern und öffentliche Veranstaltungen. Die erlaubten Teilnehmerzahlen gehen dabei weit auseinander.

In der Hauptstadt dürfen sich bei öffentlichen wie privaten Feiern aktuell bis zu 500 Menschen treffen. In Hamburg sind es nur 25, wenn sie in der eigenen Wohnung oder auf dem eigenen Grundstück feiern. Bei Feiern in angemieteten Räumen, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird, dürfen maximal 50 Menschen zusammenkommen. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen sich zu Familienfeiern höchstens 50 Personen zusammenfinden, bei Hochzeiten, Jugendweihen oder religiösen Festen 75. In Hessen dürfen sich bis zu 250 Personen treffen, wenn ein Hygiene- und Abstandskonzept vorliegt.

Niedersachsen erlaubt maximal 50 Menschen an Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen teilnehmen zu dürfen. In Schleswig-Holstein sind private Feiern ohne Sitzungscharakter auf 50 Personen beschränkt. In Nordrhein-Westfalen sind bei einem herausragenden Anlass, etwa Jubiläen, Hochzeiten oder Taufen, derzeit höchstens 150 Teilnehmer zulässig. Die Landesregierung will am kommenden Dienstag laut Gesundheitsministerium über Höchstzahlen für private Feiern erneut beraten.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Saarland sind nach Angaben der Länder zunächst keine Verschärfungen der geltenden Bestimmungen geplant. In Thüringen soll Ende August aufgrund geringer Infektionszahlen eine Lockerung in Kraft treten. In Brandenburg gibt es derzeit keine Obergrenze, das Infektionsgeschehen werde aber genau beobachtet.

Privatpartys – Diskussion um Verbote und Obergrenzen
Kai Küstner, ARD Berlin
23.08.2020 13:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. August 2020 um 12:00 Uhr.

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